Muli Lastenrad – das Mini-Lastenrad im Test

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Muli Lastenrad Test – macht das Konzept „Mini-Lastenrad“ Sinn? Und was steckt noch hinter dem nachhaltigen Ansatz des Lastenrad Startups aus dem Westerwald?
Ein Muli auf dem Spielplatz, also in seiner natürlichen Umgebung.
Mein Muli, mit fest verbautem Licht und Kindersitz.

Mit einem Lastenrad will man von allem viel: viel Platz, viel Handling und viele Einsatzmöglichkeiten. Da stellt sich die Frage, ob ein Mini-Lastenrad überhaupt Sinn macht und wenn ja, was es wirklich leisten kann. Wir haben es ausprobiert: der Muli Lastenrad Test.

Inhalt

Allgemeines zum Muli Lastenrad


Muli-Cycles kommen aus dem Westerwald und produzieren genau dort, wo die Gründer und Ideengeber des kleinen Lastesels aufgewachsen sind. Alles begann mit einer Idee, welche die Brüder Jonas und Sören im Jahr 2015 mit sich herumtrugen. Nachdem sie das Konzept eines multidimensionalen, aber eben kleinen Lastenrads in eine Erscheinung gebracht hatten, starteten sie gleich darauf eine Crowdfunding-Kampagne, um zu sehen, ob es potenzielle Interessenten gibt. Die gab es zuhauf und so wurden die ersten 100 Mulis gebaut. Der Unternehmensgrundsatz der Nachhaltigkeit war den Brüdern und ersten Mitarbeitern dabei besonders wichtig. Ihre Philosophie war nicht schnell, sondern langsam als Unternehmen zu wachsen und alles in eigener Hand zu behalten. Darüber hinaus sollte alles rund um das Produkt selbst, so weit es überhaupt möglich ist, in Deutschland stattfinden.

Das Muli ist  nur 195 cm lang und das ist auch gut so.
Klein aber OHO – das Muli Lastenrad!
Das Muli in ganzer Breite, mit ausgeklapptem Korb.
Die volle Breite…
Genau so Breit ist das Muli mit zusammengeklapptem Korb.
… voll zusammengeklappt

Die Lenkstange überträgt die Lenkkraft vom Lenker zum Vorderrad.
Die Lenkung ist gar nicht so kompliziert, wie man denken mag.

Neben dem reinen Aufbauen der Lastenräder in Deutschland, geht Muli-Cycles noch einen Schritt weiter. Die Muli Lastenrad Rahmen werden ohne Ausnahme in Deutschland angefertigt. Das heißt die fertigen Rohrsätze aus Italien kommen nach Deutschland, werden dort zusammengeschweißt, lackiert und natürlich zusammengebaut. Neben der Produktion sticht das Muli auch durch sein Äußeres merklich unter den anderen Cargo-Bikes hervor. Durch das Gesamtgewicht von nur 24 Kilogramm, den kleinen Laufrädern von 16 (vorn) und 20 (hinten) Zoll und dem zusammenklappbaren Korb kommt es auf eine Gesamtlänge von gerade mal 195 Zentimeter. Im Vergleich: Ein handelsübliches Rennrad ist etwa 180 Zentimeter lang.

Unser Testbike: Muli Lastenrad Alfine Analog


Da das Muli Lastenrad nicht einfach zum Testen zu mir kam, sondern ich es in meinem Besitz wähnen wollte, konnte ich es ganz nach meinen Wünschen zusammenstellen, jedenfalls theoretisch. Denn so ein Lastenrad hat seinen Preis, egal von welchem Hersteller. Deswegen wollte ich eine günstige Variante im Baukasten auf der Muli-Seite zusammenstellen. Das hieß zuallererst einmal kein E-Antrieb. Je nachdem, wo man das Muli am meisten bewegt, kann auch ein Elektromotor Sinn machen. In meinem Fall schaffe ich alle Anstiege allerdings aus reiner Muskelkraft. Der Zeitpunkt des Kaufs war günstig, sodass es meinen Sonder-Farbwunsch (easy Green) wegen einer Sonderaktion gratis dazu gab. Ich behielt die einfachste aller Schaltvarianten: Shimano Alfine mit lediglich acht Gängen. Der Ritzelrechner bestätigte mir: völlig ausreichend! Allein beim Licht wollte ich eine fest installierte Anlage mit Nabendynamo. Alle anderen Upgrades wie Riemen und federnde Sattelstütze ignorierte ich. Was allerdings unbedingt noch sein musste, war der selbst entwickelte Kindersitz. Am Ende standen 3.155 Euro auf der Rechnung.

Großer Vorteil des Muli, alle Passagiere sehen alles.
Platz genug für zwei Kinder ist auf jeden Fall.

Neben den selbst auszuwählenden Parts besteht das Muli Lastenrad aus einem Stahlrahmen mit zusammenklappbarem Korb. Die Laufräder sind mit zusätzlichen Speichen bestückt, um mehr Gewicht tragen zu können. Muli gibt die Maximallast mit 170 Kilo an. Die Korbzuladung allein ist auf 70 Kilo begrenzt. Um diese Lasten ordentlich unter Kontrolle zu behalten, wurden hydraulische Scheibenbremsen von Shimano verbaut. Alle Anbauteile (Lenker, Vorbau, Sattelstütze, Griffe) kommen von der deutschen Firma ergotec. Der Zweibeinständer von Ursus trägt bis zu 80 Kilogramm. Auf die Felgen sind Schwalbe Big Apple Reifen aufgezogen.

Der Lenker sieht aus wie an jedem anderen Fahrrad auch.
Das Cockpit ist einfach und praktisch.
lifeCYCLE Magazine Ausgabe #8

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Ein kleiner blauer Haken mit wichtiger Funktion.
Hält die Kabel und bei Bedarf den Korb zusammen.

Ausstattung


  • Preis: ab 2.725 Euro
  • Gewicht: 24 kg (inkl. Pedale )
  • Rahmen: CrMo-Stahlrahmen
  • Rahmengrößen: universal
  • Lenker: SMAS-Stahl, Riser, ergotec
  • Vorbau: Alu, Crap 2, Ahead 28.6/25.4 mm, ergotec
  • Sattelstütze: Alu, Hook ergotec
  • Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen Shimano
  • Schaltung: Getriebenabe Shimano Alfine 8-Gang
  • Kurbel: Kurbelgarnitur 50T
  • Laufräder: 16 Zoll vorn/ 20 Zoll hinten
  • Reifen: Schwalbe Big Apple
  • Anbauteile: Schutzbleche

Die erste Testfahrt


Wie es in der Sommer-Ausgabe des lifeCYCLE Magazine ausführlich geschrieben steht, hatte ich das Vergnügen, das Muli direkt im Westerwald beim Hersteller abzuholen. Um damit zurück nach Hause zu kommen, hatte ich mir einiges vorgenommen. Insgesamt bin ich in den ersten fünf Tagen über Stock und Stein, Asphalt, mit der Deutschen Bahn und insgesamt mehr als 300 Kilometer gefahren. Ich kann klar sagen, eine Radtour mit dem Muli Lastenrad macht Sinn, wenn man Zeit hat. Meine Reise war als schnelle Radtour ausgelegt, allerdings merkte ich genauso schnell, dass ich durch die topografischen Eigenheiten des Westerwalds und des bergischen Lands nicht wirklich gut vorankam. Besonders an langen und steilen Anstiegen machten mir die 24 Kilogramm des Mulis und mein Gepäck erheblich zu schaffen. Manchmal musste ich eben absteigen und den Berg hochschieben, aber ich hatte ja bewusst auf den Elektro-Motor verzichtet.

Ein Fahrrad auf dem Lastenrad, das Muli kann viel Laden obwohl es so klein ist.
Im Verhältnis sieht das Muli klein aus, aber es schafft trotzdem alles.

Aber wenn man Zeit hat, ist das auch überhaupt kein Problem. Das Fahrgefühl ist nicht viel anders, als bei einem „normalen“ Fahrrad. Das Lenkverhalten wirkt Anfangs durch die Entfernung des Vorderrads zum Lenker träge. Aber nach etwa fünf Minuten auf dem Muli hat man das schon wieder vergessen. Was ebenfalls auffällt ist das Flex-Verhalten bei Bodenwellen und groben Unebenheiten. Es wirkt dann fast so, als ob der Rahmen des Mulis etwas nachgibt beziehungsweise einfedert. Dieses Phänomen ist allerdings bei jedem Lastenrad der Variante „Long John“ vorzufinden. Je länger der Radabstand, desto mehr flext der Rahmen. Ansonsten fährt sich das Muli wirklich absolut genial. Viele Menschen haben es seit meinem Kauf zur Probe gefahren und alle waren überrascht wie einfach es sich manövrieren lässt.

Der Langzeittest


OK, das Muli Lastenrad ist nicht als gemütliches Reiserad konzipiert worden, sondern als Lastenträger für urbane Gefilde. Also muss der Fokus des Tests auch genau darauf ausgerichtet sein. Nach meiner Heimkehr stand die erste bange Situation an: Wie verhält sich der Nachwuchs beim Anblick und vor allem bei der ersten gemeinsamen Fahrt? Die Resonanz war mehr als positiv. Tatsächlich gab es Situationen, in denen die Knirpse gar nicht mehr aussteigen wollten, selbst am Spielplatz nicht. Insgesamt ist in dem Korb zwar nicht unendlich viel Platz, für zwei Kinder bis sechs Jahre reicht der Raum aber vollkommen aus. Unter dem Sitz ist dann auch noch Platz für Spielsachen und andere Dinge. Das Gurtsystem ist absolut stabil und super einfach konzipiert. Ebenso einfach ist es, den Kindersitz zu entfernen, beziehungsweise einzubauen, wenn man die Kids abgeladen hat. Mit allem drum und dran dauert das höchstens 30 Sekunden.

Viele Spanngurten waren zwar nötig, aber dann hat alles bombenfest gehalten.
Mit Spanngurten bekommt man auch die größten Pakete sicher befestigt.

Wofür bietet das Muli aber neben Kindern noch Platz? Eigentlich für so ziemlich alles. Der Korb ist im Vergleich zum Bullitt von Martin Donat zwar kleiner, aber mit ein wenig Geschick bekommt man so gut wie alles damit weg. Die größte Herausforderung stellte ein Fahrradkarton samt komplettem Rennrad darin dar. Leider fehlen am Korb des Muli ordentliche Befestigungsösen. Mit dem richtigen Spanngurt-Set ist diesem Problem aber schnell Abhilfe geschaffen. Ich habe es zumindest geschafft, das Paket ohne Probleme abzuliefern. Ansonsten passen auch richtig große Einkäufe in den Korb. Auch eine oder mehrere Euro-Boxen mit den Abmessungen 40X60 cm passen in den Korb hinein. Aber natürlich ist auch irgendwann Schluss, zwei Kinder mit dem Wocheneinkauf zusammen einzuladen könnte schwierig werden.

Korb mit Kindersitz, der aber extra gekauft werden muß.
Mit zwei Kindern ist das Muli schon recht voll. Unter dem Sitz ist aber noch etwas Platz.
100 Liter passen laut Hersteller in den Korb.
Wenn der Korb leer ist bekommt man richtig viel rein.

Ein wichtiger Faktor für den Kauf des Mulis waren die kompakten Abmessungen in Kombination mit dem relativ geringen Gewicht. Zur Not sollte ich das Muli ohne große Mühe hoch oder runtertragen können. Egal ob in den Zug, Hauseingang, oder ins Büro. Zugegebenermaßen hätte ich es mir wesentlicher leichter vorgestellt das Muli zu bugsieren. Es hat sicher eine Woche gedauert, bis ich raus hatte, wo ich wie anfassen muss, um das Gewicht richtig zu balancieren. Aber ab dann waren auch mehrere Stockwerke kein Problem mehr. Sicher schafft es nicht jede(r) die 24 Kilogramm irgendwo hoch oder runter zu bewegen, aber mit ein bisschen Übung und Kraft ist es machbar. Richtig einfach ist dafür das Mitnehmen in der Bahn. Schnell den Korb zusammengeklappt, in den Fahrstuhl und anschließend in den Zug geschoben. Bei anderen Lastenrädern wird besonders das mit dem Fahrstuhl schwierig.

Obenauf liegt der Karton gut befestigt, deswegen konnte man das Muli auch noch relativ einfach manövrieren.
Auch wenn es nicht so aussieht, das Muli war trotz des vollen Kartons noch einfach fahrbar.

Fazit


Das Muli als Mini-Lastenrad kann mich bislang vollkommen überzeugen. Trotz der geringen Abmessungen und den kleinen Rädern ist es absolut ein vollwertiges Transportrad. Egal ob man Kinder, Getränkekisten oder Fahrräder damit transportieren möchte, es passt alles immer rein, oder obendrauf. Das Einzige, was fehlt, sind richtige Befestigungsösen, die man allerdings mit den richtigen Spanngurten einfach ersetzen kann. Dazu ist es durch seine geringen Abmessungen überaus wendig und praktisch. Für den relativ hohen Preis kann man sich zudem sicher sein, ein ganzheitlich nachhaltiges Lastenrad-Konzept zu unterstützen.

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5 Gedanken zu „Muli Lastenrad – das Mini-Lastenrad im Test“

  • Avatar Dirk.Gremot sagt:

    Ein sehr interessanter Bericht, den ich nach mehrfachem Lesen des Artikels im Heft unbedingt auch ansehen musste.
    Wenn ihr jetzt noch die Bilder austauscht, so das nach dem Anklicken der Vorschau nicht Martins Rennstahl zu sehen ist, ist alles perfekt!

  • Avatar michl.haas sagt:

    Hallo!

    Mich würde interessieren, ob man zwei (volle) Kisten zu (jede 20*40cm) im Korb transportieren kann?

    Danke,

    Michael

    • Avatar Martin Donat sagt:

      Hallo Michael,
      du hattest eine Frage zum Ladevolumen des Muli. Willst du die Kisten übereinander, oder nebeneinander transportieren? 40X60 cm passen rein, nach oben wird der Korb breiter.
      Willst du deine beiden Kisten nebeneinander platzieren, wird es eng. Außer du legst etwas drunter, damit du höher kommst, wo der Korb dann breiter ist. Wenn du dir zum Beispiel ein Brett zusagst das genau in den Korb, aber nicht bis zum Boden rutsch, sollte es in der oberen Hälfte gehen. Wenn du es ganz genau wissen willst, musst du sicher mal bei einem Händler vorbeifahren.
      https://muli-cycles.de/de/content/haendler
      Wenn ich etwas noch mal ganz genau nachmessen soll, ruf mich einfach schnell an :leichtes_lächeln:
      Viele Grüße,
      Martin Staffa

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