#einautoweniger Michael Imhof: Wir fahren mit euch zur Arbeit – Tag 3, Frühschicht

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Michael Imhof ist Leiter der Abteilung „Systemversuch im Bereich Forschung und Entwicklung“ beim Heizungshersteller Viessmann. Vor allem aber ist er begeisterter Radfahrer. Jeden Morgen fährt er mit dem Rad von seinem Wohnort Frankenberg zur Arbeit nach Allendorf im Ederbergland.

Mein morgendlicher Ritt von Köln nach Bonn hatte es scheinbar in sich. Vielleicht lag es auch an den gestrigen 230 Kilometern – jedenfalls waren meine Beine bereits angezählt, als ich den Post-Tower in Bonn verließt. Die mächtigen Hügel des Siebengebirges vor der Nase und die Aussicht aufs Bergische und das Sauerland schwebten wie das laktatge-tränkte Schwert des Damokles über mir. Als kleine Sahnehaube blies ein kräftiger Gegenwind jedes Fünkchen Hoffnung hinfort, dass der Rest des Tages einigermaßen entspannt verlaufen könnte. Mit routinierter Lässigkeit steuerte ich fast jede Bäckerei an, die auf dem Weg lag, ein untrügliches Zeichen dafür, dass mein Geist dem Zustand meines Körpers Tribut zollte. So schnell kann es gehen. Gestern noch war ich entzückt über die Leichtigkeit, mit der ich trotz Regen und Gegenwind gen Holland düste, heute erinnerte ich mich daran, dass es auch anders geht. Dazu kam ein unangenehmes Brennen aus der Radlerhose und ein Zwicken aus der Nackengegend. Verdammt – beim Planen zu Hause sieht das alles immer viel entspannter aus. Es ist kaum zu glauben, dass ich es einfach nicht lernen will. Aber es half ja nichts: Weiter ging’s. Next Stopp: #einautoweniger mit Michael Imhof.

Morgenidylle: Michaels Arbeitsweg führt total idyllisch gelegen am Ufer der Eder antlang. Von hier aus kann er problemlos schöne Abstecher ins hügelige Umland machen.

Hügel um Hügel quälte ich mich durchs Bergische Land. Der Wind pfiff mir scharf entgegen und bremste mich (nicht nur gefühlt) ordentlich aus. Er sog mir den Saft aus den Beinen und die Lust aus dem Kopf. Eine komplizierte Mathematik-aufgabe beschäftige derweil mein Hirn: Würde ich es zu einigermaßen erträg-licher Zeit bis ins Sauerland schaffen, wo ich nahe Bad Berleburg ein (zumindest laut Online-Recherche) total gemütliches „Bett+Bike“-Zimmer zum Schnäppchenpreis gebucht hatte? Immerhin: Ich hatte keinen Zeitdruck, denn heute Abend hatte ich frei – keine Pendler-Eskorte zum Feierabend. Nur leider ergaben meine Hochrechnungen nichts Gutes – und sie mussten regelmäßig nach hinten korrigiert werden. Seit fünf Uhr saß ich im Sattel und ich hatte wirklich kein Interesse daran, erst um 22 Uhr oder später an meinem Tagesziel anzukommen. Irgendwann war klar: Ich brauchte etwas Hilfe für die letzten 50 Kilometer. Ein kleiner Abstecher zum nächsten Bahnhof verschaffte mentale und körperliche Entspannung. Der Schneefall in Bad Berleburg und die finalen zehn Kilometer bis zur Unterkunft hingegen sorgten für Unbehagen in seiner Reinform. Doch dann, endlich, war ich da. Und das Internet hatte nicht gelogen. Die Unterkunft lag total schön und ruhig auf einem alten Hof in einer Seitenstraße. Ich durfte mein Rad mit reinnehmen, obwohl es ziemlich versifft war. Und weil ich morgen schon um 5 Uhr frühstücken wollte, bot die nette Dame des Hauses mir an, dass ich mich einfach selbst in der Küche bedienen könne. Ein gemütliches Zimmer, ein warmes Bad – ich war im siebten Himmel. Schon bald kuschelte ich mich ins gemütliche Bett und erschauderte nur einmal ganz kurz, als ich den Wecker für morgen früh stellte.

Morgens ist das Pendeln der beste Startpilot in den Tag: frische Luft tanken, den Körper aktivieren, danach heiß duschen und mit einem Kaffee energiegeladen in den Arbeitstag starten. Abends: abschalten, runterkommen, quasi den gedanklichen Ballast vom Tagesgeschäft am Wegesrand entsorgen.

Michael Imhof, Leiter Systemversuch im Bereich Forschung und Entwicklung bei Viessmann und Radpendler

5 Uhr – aufstehen! Mit schweren Beinen bastelte ich mir in der Gasthaus-Küche mein Frühstück, schlüpfte danach in die mittlerweile etwas müffelnde Radbeklei-dung und machte mich pünktlich auf den Weg zu Michael, den ich im rund 35 Kilometer entfernten Frankenberg im Ederbergland treffen wollte. Zwei Stunden Zeit hatte ich dafür eingeplant, eigentlich mehr als genug. Eigentlich. Wenn nicht an einer Stelle die Eder derart über ihre Ufer getreten wäre, dass der Radweg einfach weg war und ein Hindurchkommen unmöglich. Also stand ein etwas längerer Umweg an, sodass ich am Ende keineswegs zu früh war. Am Ortsrand von Frankenberg wartete schon Michael auf mich. Wir begrüßten uns kurz, und während er sich auf sein Specialized „Sequoia“ schwang, zeigte er noch verächtlich mit dem Finger auf sein Auto, das auf der Grundstückseinfahrt die letzten Monate seines Leasingvertrags absaß. „Danach geht es ersatzlos zurück“, begann Michael die Unterhaltung ganz nach meinem Geschmack, „das von meiner Frau ist mehr als ausreichend“.

Arbeit in Sicht: Schon von weitem hat Michael Blick auf seinen Arbeitsplatz: Viessmann hat seine Konzernzentrale in der kleinen Gemeinde Allendorf. Michael „pirscht“ sich an, fernab der stressigen Bundesstraße.

Die Kraft der Elemente: Draußen ist er ihnen noch ausgesetzt: Michael genießt es, durch Regen, Wind oder Hitze zu radeln und voller Energie an seinem Arbeitsplatz anzukommen.

Michael wirkte mit seinen 56 Jahren verdammt fit und ein Blick auf sein Rad zeigte mir sofort, dass er sich intensiv mit der Materie beschäftigt. Sein Specia-lized „Seqouia“ bekam einige Umbauten verpasst, die von Sachverstand und eigenen Erfahrungen zeugten. Zeig mir dein Rad und ich sage dir, wer du bist? Bei Michael funktionierte das ganz gut. Der Triathlonlenker erzählte von Michaels sportlicher Vergangenheit: Jahrelang lief und schwamm er zusätzlich, brachte es gar zum erfolgreichen Ironman-Finisher. Heute ist das Langstreckenfahren seine große Leidenschaft – dafür macht ein Nabendynamo ebenso Sinn, wie der Selle Anatomica „X1“ Ledersattel, der für Michael eine solche Offenbarung darstellte, dass er ihn an fünf seiner sechs Räder montierte. Aha! Da ist sie wieder, die gute, alte „N+1“-Regel. Vielleicht will Michael das Auto ja auch nur loswerden, damit wieder Platz in seiner Garage für neue Bikes ist? Vom Rennrad bis zum edlen Maß-Randonneur (von Sven Krautscheid aus Bochum) befinden sich darin jedenfalls schon jetzt einige Schätze. Michael hat sich ziemlich in diese Langstrecken-Sache reingefuchst. Fahrten wie Paris-Brest-Paris stehen auf seiner To-Do-Liste oder die berüchtigte Transcimbrica. Spätestens jetzt wunderte es mich auch nicht mehr, dass Michael unser Magazin über Harald Legner aus Hamburg kennengelernt hatte – schöne, kleine (Fahrrad-)Welt. Nach einem knackigen Anstieg mit bester, wenn auch vernebelter Aussicht auf Frankenberg, waren wir mittlerweile am Ufer der Eder angelangt. Ein herrlich ruhiger Radweg führt hier wirklich idyllisch gelegen am Fluss entlang, während wir in der Ferne den morgendlichen Wahnsinn des Berufsverkehrs auf der Bundesstraße erahnen konnten.

Rund elf Kilometer lang ist der direkte Weg zu Michaels Brötchengeber, die er aber gerne mal verlängert. „Manchmal fahre ich einfach 20 oder 30 Kilometer. Je nach Lust und Laune ganz flach oder schön hügelig. Das Ederbergland ist da wirklich vielseitig“, preist mir Michael seine Heimat an. Schon aus der Ferne können wir Michaels Arbeitsplatz sehen: Auf einer großen Halle prangt das Logo von Viessmann. Mir war die Firma bislang nur als irgendein deutscher Heizungshersteller bekannt – heute sollte die Marke für mich ein Gesicht bekommen. Der erste Eindruck ist beeindruckend. Der kleine Ort Allendorf ist jedenfalls geprägt von den vielen Gebäuden der hier ansässigen Konzernzentrale – weltweit arbeiten mehr als 12.000 Mitarbeiter für Viessmann. Wir machten kurz Halt beim zentralen Fahrradparkplatz, der trotz winterlicher Temperaturen gut besetzt war. Dann ging es noch ein Stück weiter, Michael arbeitet etwas außerhalb, gleich neben dem modernen, repräsentativen Infocenter der Firma. Dort ist der Fahrradparkplatz etwas überschaubarer, ist aber ebenfalls überdacht und sicher auf dem Firmengelände untergebracht. Wir parkten unsere Fahrzeuge, schlossen sie ab und durchquerten zu Fuß den Sicherheitseingang und einen Flur, der uns in die zwar etwas in die Jahre gekommenen, aber gepflegten und geräumigen Umkleiden führte. Hier hat Michael gleich zwei Spinde und die warme Dusche ruft schon. „Es gibt doch nichts Besseres als nach morgendlicher Aktivität und einem Kaffee energiegeladen in den Arbeitstag zu starten“ – schwärmt Michael von seinem Mobilitätskonzept, nachdem er wie aus dem Ei gepellt seinen Radlerlook gegen ein gepflegtes Businessoutfit getauscht hat.

Familienbetrieb mit Vorbildfunktion: Gutes muss ja nicht immer neu und hochmodern sein. Bei Viessmann ist Nachhaltigkeit grundsätzlich ein Thema und das nicht erst seit gestern. Abstellplätze für Fahrräder gehören zu dieser Idee genau so dazu wie hochmoderne Heizungssysteme.

Erst Radeln, dann duschen: Für Michael kein Problem. An seinem Arbeitsplatz gibt’s große Umkleiden und viele Duschen, die – trotz ihres Alters – völlig ihren Zweck erfüllen.

Eigentlich hatte ich nun ja alles gesehen, was ich sehen wollte. Doch es gibt noch einen Nachschlag. Denn ich darf mit rein in die heiligen Hallen. Michael nimmt mich mit zu seinem Arbeitsplatz, ins hochmo-derne „Technikum“, ein Hightech-Labor, in dem Viessmann all seine Gasheizkessel, stromerzeugenden Brennstoffzellenheizgeräte und Ölheizkessel auf Herz und Nieren testet und an neuen Technologien forscht. 50 Ingenieure arbeiten hier – Michael ist hier Leiter der Abteilung „Systemversuch im Bereich Forschung und Entwicklung“. Ich bin beeindruckt, wie geräumig es hier ist und wie leise – keine Spur von schmutzigem Industriecharme. Da wundert es mich nicht zu hören, dass Viessmann auch in anderen Bereichen versucht, seinen Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Michael kommt zum Beispiel in den Genuss von sehr flexiblen Arbeitszeiten, die es ihm erlauben, spontan noch ein paar Kilometer an seine Tour dranzuhängen oder einfach mal erst um 8 Uhr loszufahren, wenn ihn ein Typ von einem Fahrradmagazin begleiten möchte. Einzig das Firmenrad ist noch kein konkretes Thema, auch wenn es wohl diskutiert wird. Ich nahm noch kurz zur Kenntnis, dass ich mich gerade auf Angela Merkels Spuren bewegte: 2017 – zum hundertjährigen Jubiläum – stattete die Kanz-lerin persönlich Viessmann einen Besuch ab. Ich muss schon sagen, ich war ein bisschen beeindruckt. Und ich freute mich ein weiteres Mal total darüber, so einen netten Menschen kennengelernt zu haben, der sich ganz bestimmt ein tolles Auto leisten könnte. Der es aber nicht mehr will, weil er erkannt hat, dass ihm das Radfahren gut tut und trotz aller Anstrengungen, die er dabei erlebt, unterm Strich eine riesige Bereicherung für sein Leben ist. Danke, Michael, für die schönen Einblicke. Beflügelt von diesem schönen Vormittag und den vielen Eindrücken, setzte ich mich wieder auf mein Cube und machte mich auf in Richtung Süden. Tagesziel: Friedberg in der Wetterau.

Von der Eder an die Lahn: Beziehungsweise an die Wetschaft, die später in die Lahn mündet. Geografie-Stunde im Vorüberradlen und dank malerischer Fachwerkhäuser gibt’s auch was fürs Auge. Next Stop: #einautoweniger Spätschicht mit Bernd.

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