Es fahren so schöne Fahrräder da draußen rum. Ihr habt halt Geschmack. Es wäre doch schade, all diese mit Liebe aufgebauten Schmuckstücke nach gehabtem Spaß im Keller zu verstecken. Und genau darum wollen wir schöne Bikes aus dem echten Leben fortan hier präsentieren. Den Anfang macht Henrik Meyers Specialized Sequoia.

Interview: Martin Donat

 

Henrik Meyer kenne ich schon verdammt lange. Irgendwann in den 90ern war er einer dieser Typen, die ich auf einem dieser verrückten Downhillrennen traf. Wir waren Jungspunde. Wochenende für Wochenende kreuzten sich unsere Wege, das Downhillfahren war der gemeinsame Nenner. Es kamen Abi, Studium, Beruf. Downhillfahren wurde weniger und demzufolge auch unsere wöchentlichen Wald-Meetings. Bis wir uns völlig aus den Augen verloren. Ich weiss gar nicht mehr, wann es war und wo es war, als wir uns wieder trafen. Deutlich älter aber aus demselben Grund, dem Radfahren. Und lustigerweise hatten wir unabhängig voneinander eine sehr ähnliche Entwicklung, was unsere sportliche Leidenschaft betraf. Downhillfahren ist immer noch cool und diese Mountainbiking macht nach wie vor Spaß. Aber da ist etwas Neues: das Rennrad fürs Gelände! Man nennt es auch Gravelbike. Früher fachsimpelten wir über neue Scheibenbremsen und 2,5-Zoll-Reifen. Heute ist es dieser schlichte Stahlrahmen mit Dropbar-Lenker, der uns dieses Grinsen ins Gesicht zaubert, dass sich seit 25 Jahren nicht verändert hat. Hier ist Henriks neues Specialized Sequoia.

 

Specialized Sequoia

Früher hatten Henriks Bikes Federung – heute haben sie einen Kinderanhänger.

 

Hi Henrik. Erstmal würde ich gern nicht über dein Rad, sondern über dich sprechen. Wir kennen uns ja vom Downhillfahren, ganz früher. Wie verlief dein Weg vom DH Bike aufs Gravelrad? Fährst du noch MTB?

Hi Maddin! Das ist richtig, wir kennen uns jetzt echt schon eine ganze Weile. Mountainbiken ist definitiv noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und es fühlt sich irgendwie „richtiger“ an denn je. Ich habe aufgehört mich in anderen Sportarten auszuprobieren, denn ich weiß heute, dass „Biken“ mein Sport ist. So richtig angefangen hatte alles in den 90ern mit den genannten Downhill-Rennen. Danach war ich ein paar Jahre auf dem „Kinderrad“, dem BMX, auf Dirt und Street unterwegs. 2007 habe ich dann irgendwie mitbekommen, dass sich der Mountainbike-Sport deutlich entwickelt hat. Plötzlich gab es da krasseste Videos, ’nen Typen namens Sam Hill, der die Downhill-Szene auf den Kopf stellte, eine deutsche Strecke namens Bad Wildbad und vor allem Bikes, deren Technologien mittlerweile reif waren.

 

„Dann kam Enduro. Das Konzept hörte sich anfangs verdammt sexy an. Ich habe es so interpretiert, dass ich auf hohem Niveau auf anspruchsvollen Strecken biken kann und dabei ne gute Zeit mit Kumpels habe. Dieses Gefühl findet man, meiner Meinung nach, heute leider nur noch auf wenigen Rennen.“ // Henrik Meyer

 

Ich hab mir also ein Rad zugelegt und bin wieder aktiv und ambitioniert Downhill-Rennen gefahren. Es gab sogar bekannte Gesichter aus den 90ern, eines davon warst Du. Dann kam Enduro. Das Konzept hörte sich anfangs verdammt sexy an. Ich habe es so interpretiert, dass ich auf hohem Niveau auf anspruchsvollen Strecken biken kann und dabei ’ne gute Zeit mit Kumpels habe. Dieses Gefühl findet man, meiner Meinung nach, heute leider nur noch auf wenigen Rennen. Ein Positivbeispiel ist aus meiner Sicht nach wie vor das Rennen in Treuchtlingen. Zwischendurch habe ich auch mal zwei Jahre für einen großen Fahrtechnikanbieter als Trainer gearbeitet. War auch eine interessante Erfahrung. Mittlerweile besitze ich ein zeitgemäßes Enduro-Bike, einen Downhiller sowie mein Sequoia und bin offen für Rennveranstaltungen in dem gesamten Spektrum meiner Bikes. Frei nach dem Motto: Alles kann – nichts muss.

 

Warum also nun dieses Gravel-/Adventure-Bike von Specialized? Was hast du damit vor? Hattest du vorher schon ein Gravelbike?

Rennrad, ReiseradCyclocrossGravelracer oder Adventure – mich interessieren diese Kategorisierungen nicht. Das Sequoia von Specialized ist für mich DAS FAHRRAD, back to the roots. Es bedient all meine Ansprüche und kennt kaum Limits. Ich bin damit sogar schon unsere Local-MTB-Trailsheruntergefahren. Ich fahre damit ab und zu die 22 Kilometer zur die Arbeit, trainiere weiter meine Kondition für´s Mountainbiken und wir (meine Frau hat auch ein Sequoia) planen damit auch auf Bike-Reisen zu gehen.

 

 

Gehst du auch auf Bike Packing Trips?

Ja, die sind für den Sommer 2018 geplant. Ich denke, dass wir erstmal mit klassischen Bikereisen beginnen, z.B. entlang der Donau, und uns dann zu exotischeren Zielen vorarbeiten.

Auf den ersten Blick sieht das Bike relativ original aus. Gibt es dennoch custom Umbauten, die du vorgenommen hast?

Na ja, ich wollte das Rad auch nicht zu krass pimpen, weil ich damit auch zur Arbeit fahre. Außerdem mag ich die dezente Optik des Bikes sehr und wollte diese erhalten. Dennoch habe ich die komplette FSA/Shimano Antriebs-/Bremseinheit gegen eine RIVAL1-Gruppe von SRAM getauschtIch mag den cleanen Look von 1×11 und bin die überzeugende Funktion vom Mountainbike gewohnt. Die serienmäßige Hinterradnabe wurde bereits gegen ein Modell aus dem Hause DT Swiss getauscht, das Vorderrad wird dem Beispiel folgen. Zusätzlich habe ich eine Specialized S-Works Sattelstütze und einen Power-Sattel ergänzt. In Bezug auf den Umbau möchte ich mich noch bei meinem Kumpel David von Velovita in Weißenburg für seine Geduld mit mir in seiner Werkstatt, auch bei anderen Projekten, bedanken.

 

„Ich habe die komplette FSA/Shimano Antriebs-/Bremseinheit gegen eine RIVAL1-Gruppe von SRAM getauschtIch mag den cleanen Look von 1×11 und bin die überzeugende Funktion vom Mountainbike gewohnt.“ // Henrik Meyer

Ich sehe einen Anhänger. Gehst du mit Nachwuchs auf Tour?

Bis dato noch nicht, da unsere kleine Tochter gerade mal 7 Monate alt ist. Aber im Frühjahr 2018 geht´s dann spätestens los, zunächst mit kleinen Ausflügen und Touren, später dann mit Bikereisen. Ich freue mich total drauf und hoffe auch, dass ich dadurch auch wieder eine bessere Kondition bekomme.

 

Haste schon ein paar Eindrücke vom Rad für mich?

Ich find´s klasse wie angenehm und souverän dieses Rad fährt, auch da wo mein altes Rennrad den Dienst quittiert hätte. Da wo der Asphalt aufhört, da fahre ich mit dem Sequoia einfach weiter. Langstrecken und auch Bergetappen bewältigt das Bike mühelos. Die paar Gramm mehr auf der Waage stören mich nicht. Das breite Einsatzspektrum hat mich einfach überzeugt!

 

Specialized Sequoia

Ein schlichter Stahlrahmen kann so schön sein!

Specialized Sequoia

Wie am Endurobike steht Henrik auch am Gravelrad auf 1 x 11

Specialized Sequoia

Wer hätte gedacht, dass „Rennräder“ einmal Scheibenbremsen haben? Henrik sicher nicht, als er in den 90ern anfing, Mountainbike Downhill zu fahren…

Specialized Sequoia

Ein richtiges Gravel Bike hat schmutzig zu sein!

Specialized Sequoia

Sieht fast aus, wie in der Serie. Tatsächlich hat Henrik den Antrieb und die Bremsanlage ausgetauscht.

Specialized Sequoia

Edel und schlicht. Henriks Sequoia.

 

Du hast auch so ein schönes Bike und möchtest es der Welt präsentieren? Schreib uns: info@lifecyclemag.de