Test: Gravel Lenker von Ritchey – der Ritchey Beacon WCS im Vergleich zum Ritchey Venturemax

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Es gibt gleich mehrere Gravel Lenker aus dem Hause Ritchey, die sich großer Beliebtheit erfreuen und von denen wir praktischerweise gleich zwei in aller Ruhe ausprobieren konnten. Im Test: Der Ritchey Venturemax WCS als Referenz sowie der neue Ritchey Beacon WCS. Beide Lenker konnten wir rund 1.200 Kilometer lang im Gravelbike beim Bikepacking ausprobieren und berichten hier über unsere Eindrücke.

Tom Ritchey ist einer der echten Mountainbikepioniere, einer jener Menschen, die für sich behaupten können: Ich war von Anfang an dabei. Und er ist dabei geblieben, hat seine eigene Marke etabliert, die nunmehr seit mehr als 40 Jahren existiert. In dieser Zeit hat Ritchey zwar immer auch Bikes im Programm, sich parallel aber zu einem Experten für Bikeparts entwickelt, die sich von Teilen „von der Stange“ durch viele sinnvolle, vom echten Radfahren inspirierte Details abheben und einen hervorragenden Ruf besitzen. Besonders im Gravel-Bereich ist Ritchey echt gut aufgestellt, was vermutlich auch daran liegt, dass das „ursprüngliche“ Mountainbikegefühl gar nicht so weit weg von dem ist, was wir heute „Gravel“ nennen. Jedenfalls gibt es gleich mehrere Gravel-Lenker aus dem Hause Ritchey, die sich großer Beliebtheit erfreuen und von denen wir praktischer Weise gleich zwei in aller Ruhe ausprobieren konnten: Den Ritchey Gravel Lenker Venturemax sowie den neuen Beacon – beide in der „WCS“-Ausführung, was für „World Champonship Series“ steht und gleich mal die Messlatte schön hoch setzt.

Der Fokus in diesem Test liegt auf dem neuen Beacon, während der Venturemax eher als „Referenz“ herhalten muss. Er war im Ritchey Outback Gravelbike verbaut, das wir ebenfalls getestet haben. Als der neue Beacon verfügbar war, tauschten wir die Lenker aus und konnten sie sehr schön miteinander vergleichen. Und genau damit beginnen wir nun – zumindest was die theoretischen Fakten betrifft.

Der Vergleich: Ritchey Venturemax WCS vs. Ritchey Beacon WCS

Der Venturemax ist klar als das sportlichere Modell unter den Ritchey Gravel Lenkern positioniert. Er besitzt weniger Flare, einen Aero-Oberlenker und er ist auch in einer Carbon-Variante zu haben. Der Venturemax Carbon soll 228 Gramm bei 420-mm Breite auf die Waage bringen. Ich hatte allerdings, passend zum Beacon, die Aluversion verbaut. Das ist vielleicht auch besser so, denn mit einem empfohlenen Verkaufspreis von beinahe 300 Euro ist der Venturemax Carbon rund dreimal so teuer, wie der Gravelbar Beacon WCS aus Aluminium, dessen empfohlener Verkaufspreis 99,95 beträgt.

Die Unterschiede sind noch besser erkennbar, wenn die Ritchey Gravel Lenker noch nicht montiert sind. Von oben betrachtet fällt vor allem die „Aero“-Form vom Oberlenker des Venturemax (vorn) auf.

Gut erkennbar: Die „Bio-Bent“-Form am Unterlenker des Venturemax (rechts), die beim Beacon (links) nur sehr spärlich ausgebildet ist.

Beim Preis macht das Carbon den entscheidenden Unterschied aus. Während das Topmodell des Venturemax WCS aus Carbon hergestellt wird, besteht der Beacon WCS aus dreifach konifiziertem Alurohr, was ihn nicht einmal 50 Gramm schwerer, dafür aber deftige 189 Euro günstiger macht. Die Aluversion des Venturemax WCS wird mit 275 Gramm bei 420 mm Breite angegeben, was vergleichbar mit dem Gewicht des Beacon ist. Letztendlich musst du also selber wissen, wie viel dir das geringere Gewicht wert ist, solltest du dich für den Venturemax entschließen. Beim Beacon ist es einfacher: Den gibt’s derzeit nur aus Aluminium. Hier kannst du dich allenfalls für die etwas schwerere Version aus zweifach konifiziertem Alurohr entscheiden, die aber auch nur halb so teuer ist und mit rund 50 Euro schon fast als Schnäppchen durchgeht. 

Ich muss ehrlich sagen: Die 50 Gramm jucken mich persönlich nicht. Beide Lenker fühlen sich sehr leicht an und sehen sehr edel aus. So edel, dass ich glatt zweimal hinschauen musste, ob es sich hierbei wirklich um Alulenker handelt. Zur Sicherheit habe ich sogar extra nochmal auf der Herstellerseite nachgesehen, wo noch einmal die Bestätigung zu finden ist: Der Beacon ist nur als Alulenker erhältlich.

Darüber hinaus ist sein auffälligstes Merkmal ohne Zweifel der markante Flare von 36 Grad – nochmal 12 Grad mehr, als beim Venturemax. Drop und Reach sind mit 80 mm beziehungsweise 65 mm ebenfalls extrem kurz. Im Gegensatz zum Venturemax besitzt der Beacon einen runden Querschnitt von 31,8 mm und hat ebenfalls eine leichte Biegung nach hinten (4,5 Grad Backsweep im Vergleich zu 4 Grad beim Venturemax), was besonders ergonomisch sein soll.

Klar erkennbar: der große 36-Grad-Flare am Ritchey Gravel Lenker Beacon WCS (oben).

306 Gramm bringt unser Ritchey Beacon WCS Dropbar in 440 mm Breite auf die Waage. 27 Gramm Unterschied auf der Waage bedeuten 189 Euro Unterschied im Portmonee… 

279 Gramm attestiert Martins Waage dem Ritchey Venturemax WCS in 420 mm Breite.

Beide Ritchey Gravel Lenker sind übrigens für den Einsatz elektronischer Schaltgruppen optimiert und besitzen kleine „Kanäle“ (die am Beacon allerdings deutlich dezenter ausfallen) für die Verlegung der Leitungen sowie Bohrungen an den Lenkerenden. Beide Gravel Lenker sind in den Breiten 400, 420, 440 und 460 mm erhältlich. Ich bin den Venturemax in 420 mm, den Beacon in 440 mm Breite gefahren.

Der „Kanal“ für die Bremsleitungen beziehungsweise für die Schaltzüge oder die elektronische Verkabelung fällt am Ritchey Venturemax deutlich tiefer aus, als am Beacon, wo man sie kaum erkennen kann. Optisch ist der fertig montierte Venture Max Dropbar einfach noch ein bisschen eleganter.

Der Ritchey Beacon WCS Gravel Lenker ohne Lenkerband – so erkennt man gut die recht spezielle Form mit enormem Flare und leichtem Backsweep am Oberlenker.

Ritchey Gravel Lenker – Facts

Zunächst einmal wollte ich wissen: Hat man bei Ritchey richtig gewogen? Um das herauszufinden, habe ich beide Gravel Lenker in ausgebauten Zustand auf meine Küchenwaage gelegt und geschaut, was diese anzeigt. Dabei kamen folgende Werte heraus: Beim Venturemax (440 mm Breite) zeigt die Waage 279 Gramm an, beim Beacon sind es 306 Gramm (wobei ich den Lenker in 440 mm Breite gefahren bin, während Ritchey das Gewicht für das 420-mm-Modell angibt). Es gibt also durchaus minimale Abweichungen, die aber so klein sind, dass man es auf gewisse Toleranzen der benutzen Waagen zurückführen kann. Beiden Lenkern ist dennoch gemein, dass sie ziemlich leicht sind und dass sie in etwa ähnliche Gewichte haben (wenn man mal die unterschiedlichen Breiten außen vor lässt.

Nach dem Gewicht habe ich mir noch die Lenkerbreite vorgeknöpft, weil mich mal interessierte, wie Ritchey das misst. Die Antwort ist: Ritchey misst in etwa an der Stelle, wo der Dropbar beginnt, sich nach unten zu biegen. Also eigentlich ganz klassisch, wobei klassischerweise eben hier die breiteste Stelle eines Rennradlenkers ist, der keinen Flare besitzt. Im Falle der beiden Testlenker lohnt es sich also, noch zwei weitere Maße zu ermitteln: die effektive Breite des Oberlenkers, also die tatsächlich vorhandene Grifffläche. Sowie die Breite des Unterlenkers, wobei ich hier die wirklich breiteste Stelle gemessen habe, also genau an den Lenkerenden. Die Unterschiede zwischen beiden Lenkern sind schon recht deutlich, sodass ich gespannt war, wie sich das beim Fahren auswirkt.

 

Venturemax

Breite (angegeben): 420 mm

Breite Oberlenker (effektiv): ca. 340 mm

Breite Unterlenker: ca. 515 mm

 

Beacon WCS

Breite (angegeben): 440 mm

Breite Oberlenker (effektiv): ca. 370 mm

Breite Unterlenker: ca. 565 mm

Der Test: Ritchey Beacon WCS Gravel Lenker

Um dem Dropbar Test etwas Struktur zu verleihen, versuche ich einmal, die unterschiedlichen Griffpositionen zu beschreiben. Warum es im Falle des Beacon am Ende vielleicht gar nicht so sinnvoll ist, die Positionen einzeln zu betrachten, dazu später mehr.

 

Der Obergriff

Der Unterschied zwischen beiden Lenkern ist markant, was zum einen an der unterschiedlichen Breite, vielmehr aber an den verschiedenen Formen der Gravel Lenker liegt. Der Venturemax besitzt einen Aero-Querschnitt, während der Beacon einen runden Querschnitt mit durchgehend 31,8 mm Durchmesser hat. Eigentlich fahre ich ganz gerne eine leichte Aero-Form. Dabei ist mir das Aero einigermaßen egal, aber ich mag die Möglichkeit, meine Hände auf der größeren Fläche „abzulegen“ und auf diese Weise einfach mal die Griffposition zu verändern. Darum war ich zunächst etwas enttäuscht, dass der Beacon diese Möglichkeit nicht bietet.

Auf einer langen Radreise nach Norddeutschland stellte ich dann aber fest, dass ich den Beacon ebenfalls sehr gerne „obenrum“ greife. Vor allem der leichte Backsweep ist sehr angenehm und sorgt dafür, dass meine vom Mountainbiken etwas geschundenen Hände eine sehr komfortable Position einnehmen. Ein klares Plus im Vergleich zum Venturemax ist die spürbar breitere Griffläche. Praktisch ist auch, dass mehr Platz für Zubehör wie Licht, Navi und so weiter ist, weil der Lenker Durchmesser gleich dem Klemmdurchmesser ist. Am Venture Max wurde es zuvor doch einige Male ganz schön eng.

Beim Einbau ist mir aufgefallen, dass die Schaltzüge und Bremsleitungen im Venturemax besser „verschwinden“, weil die Einkerbungen/Kanäle dafür viel tiefer sind. Beim Beacon hingegen bleibt eine kleine „Delle“ im Griffband, was aber allenfalls ein minimaler optischer Mängel ist.

Einer der waschechten Vorteile von so viel Flare: Es ist richtig viel Platz vorhanden für Lenkerrolle und anderes Bikepacking Zubehör. 

Der Untergriff

Auch hier war ich zunächst etwas enttäuscht, hatte ich doch die spezielle „Bio-Bend“-Form des Venturemax Untergriffs sehr zu schätzen gelernt. Bis dato bin ich noch keinen Lenker so gern im Untergriff gefahren, wie den Venturemax. Der Beacon besitzt zwar im Ansatz eine ähnliche Form, aber eher ein „Bio-Bent-light“. Dafür ist der ganze Untergriff des Beacon total kompakt und das merkt man sofort.

Besonders macht sich die Kombination aus kurzen Drop und Reach bemerkbar. Während man bei einem normalen Rennradlenker im Untergriff fast zwangsläufig in eine äußerst gestreckte „Rennposition“ gerät, die im Wiegetritt oder für kurze Attacken durchaus Sinn macht, keineswegs aber für lange Strecken, gerät dieser Effekt beim Beacon in den Hintergrund. Der Untergriff ist hier nicht die sportliche Angriffs-Position, sondern vielmehr eine weitere Alternative, die es möglich macht, einfach mal die Position zu verändern. Das ist vor allem auf langen Strecken richtig gut! So gut, dass ich mich dabei ertappe, viele Kilometer am Stück im Untergriff zu fahren, einfach nur, weil es sich im Moment gut anfühlt. Und wenn mir mal wieder nach etwas Abwechslung ist, greife ich einfach um. Dazu später mehr.

Eine weitere Funktion erfüllt der Untergriff des Beacon ganz hervorragend: Vorn gegriffen, mit Bremshebel am Zeigefinger, ergibt sich eine richtig gute „Trail-Position“, die mir vor allem auf technischen Abfahrten sehr viel Sicherheit gibt. Normalerweise würde ich so eine Umschreibung eher in einem Mountainbike-Test verwenden. In diesem Fall passt es aber super. Und wer von euch noch John Tomac kennt, wird mit mir einer Meinung sein, dass der sich damals über genau so einen Lenker an seinem Bike gefreut hätte. (Für alle, die ihn nicht mehr kennen: John Tomac war einer der schnellsten Biker in den „early Days of MTB“. Und er fuhr damals selbst in Downhill-Wettkämpfen mit einem Dropbar an seinem Mountainbike.)

Griff Kombinationen

Nun komme ich dazu, was den Beacon meiner Meinung nach vor allem ausmacht: Die Kombination aus allen Griffvarianten funktioniert einfach richtig gut und ist perfekt für alle, die gern richtig lange im Sattel sitzen und die gern auh Große Bikepacking Abenteuer gehen. Dadurch, dass der Lenker so kompakt ist, „flutschen“ die Hände quasi wie von selbst von einer Griffposition in die nächste. Es ist eigentlich gar kein Umgreifen, eher ein Umgleiten. Und das ist genial, je länger du unterwegs bist, denn dadurch variiert man intuitiv die Sitzpositionen, der Körper bleibt in Bewegung und die Schmerzen bleiben fern. Womit ich schon zum Fazit meines Tests komme…

Klingel, Navi, Licht… dank durchgehendem Durchmesser von 31,8 mm ist am Beacon genug Platz für allerlei Zubehör vorhanden.

Unterm Strich

Ritchey Beacon WCS – das Fazit

Ich will einmal damit beginnen, zu beschreiben, für wen der Beacon nicht so gut geeignet ist: Wer die aggressive Sitzposition schätzt, die normalerweise im Untergriff entsteht, wird enttäuscht sein. Wer eine sportlich-aggressive Griffalternative haben will, um zum Beispiel im Rennen einen ordentlichen Sprint abzuliefern, sollte lieber zu einem anderen Modell greifen. Wer sich nicht sicher ist, ob der das alles gut findet, für den ist der Venturemax eine gute Alternative. Er trifft ziemlich gut den Spagat aus Sportlichkeit und Komfort, zudem ist er in seiner „WCS Carbon“-Variante auch in super leicht und super teuer zu haben. Der Beacon hingegen ist eher für den gemütlichen Langstreckentyp. Wenn du gern ausdauernd im Sattel sitzt und zudem viel lieber auch mal jenseits von aalglattem Asphalt unterwegs bist, dann liegst du mit dem Beacon genau richtig. Viel Platz für Bikepacking-Zubehör zeichnet ihn ebenso aus, wie variable Griffpositionen, die allesamt eher komfortabel als sportlich sind. Last but not least ist der Alulenker kaum schwerer, als das Carbon Modell, aber um einiges günstiger.

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