Ritchey Outback Test: Ein Gravelbike aus Stahl mit dem Zeug zur Legende?

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Wenn einer der Erfinder des Mountainbikes nach 40 Jahren immer noch seine eigene Firma leitet und immer noch selber wie verrückt in die Pedale tritt, dann trifft das nur auf einen Namen zu: Tom Ritchey. Mit Erfahrung und Leidenschaft baut er neben vielen modernen Parts auch eigene Rahmen aus Stahl. Die neueste Auflage seines Gravelbikes „Outback“ konnten wir während der Ausfahrten für unsere Ausgabe 12 in aller Ruhe ausprobieren. Hier ist unser Ritchey Outback Test.

Wenn man wie ich schon „ein bisschen länger“ Fahrrad fährt, denn kennt man einfach den Namen Tom Ritchey. Er war einer DER Mountainbike Pioniere, ist seit jeher selbst aktiver Radfahrer und nach wie vor Eigentümer seiner eigenen Marke – was allein schon ziemlich einzigartig ist. Bemerkenswert ist, dass Ritchey sich niemals auf seinen Lorbeeren ausruht und am Puls der Zeit bleibt, obwohl die Marke sich in Bezug auf ihre Rahmen ganz oldschool auf Stahlrohrsätze verlässt. Hier ist er also: Mein Ritchey Outback Test.

Inhalt

Übersicht

Unser Ritchey Outback im Detail

Das neue Outback macht in Sachen Stahl keine Ausnahme. Doch ich erwarte kein Bike vom alten Eisen: Immerhin reißt Tom Ritchey immer noch 10.000 Meilen (ca. 16.093 Kilometer) im Jahr auf zwei Rädern ab und greift auf 40 Jahre Erfahrung zurück, wenn es darum geht, Bikes zu entwickeln und zu verbessern. Es ist wohl eher so, dass das relativ hohe Erwartungen weckt – zumal der dezente Stahlrahmen des Outbacks im Kit mit Gabel und Steuersatz mit 1.449 Euro nicht gerade günstig ist für einen Serienrahmen. Randnotiz für Technik-Nerds: Der Rahmen bringt rund 2,27 Kilo auf die Waage (bei Größe XL), während die Gabel nochmal 473 Gramm obendrauf packt. Das Kit ist einzig und allein in der gezeigten Farbe namens „Guacamole“ erhältlich.

Was also hat das 2020er Outback zu bieten? Vor allen Dingen ist es ein sehr vielseitiges Bike. Es bietet allerlei Montagemöglichkeiten, sodass problemlos Gepäckträger und Schutzbleche, aber auch einiges anderes Bikepacking Zubehör montiert werden kann. Auch in Sachen Laufrad- und Reifenwahl ist man maximal flexibel: Der Rahmen nimmt 650B Laufräder mit bis zu zwei Zoll breiten Mountainbikereifen auf, oder alternativ bis zu 48 mm breite Reifen in 700C Rennradgröße. Moderne Akzente wie die Flatmount Scheibenbremsaufnahme, Steckachsen und nicht zuletzt die neue Adventure Gabel stehen im Kontrast zum klassischen Stahlrahmenlook mit komplett außen angebrachter Zug- und Leitungsführung und richtig hübschen Details wie den filigranen Zugösen oder der unauffällig integrierten Sattelklemmung. Vor mir steht ein interessanter Mix aus Alt und Neu, der danach schreit, auf ein paar langen Fahrten ordentlich getestet zu werden!

Ritchey Outback Test
Specs

Die Ausstattung

Vorab: Wie schon erwähnt, ist das Outback nur als Rahmenkit erhältlich. Das heißt: Du bist selber der Chef, wenn es um sämtliche Anbeuteile geht. Trotzdem möchte ich kurz darauf eingehen, welche Parts bei uns im Ritchey Outback Test verbaut sind.

Um ehrlich zu sein, ist auch das schnell erzählt: Denn der Großteil aller Anbauteile kommt aus Ritcheys hauseigener WCS-Serie. Das verspricht also sehr hochwertige und leichte Parts, größtenteils aus Carbon. Besonders gespannt bin ich auf den „Venture Max“ Lenker, der mit seiner eigenwilligen Form neugierig macht. Auch die Reifen kommen von Ritchey: Die „Speedmax“ sind 40 mm breit und mit eher moderatem Gravel-Profil ausgestattet. In Sachen Schaltung und Bremsen verlässt sich Ritchey am Testrad auf eine GRX Gravel-Gruppe von Shimano, nur die Kurbel und das Innenlager stammen von Praxis.

Das war es auch schon. Zusammengenommen steht ein richtig hübsches, irgendwie dezentes und trotzdem auch modernes Bike vor mir, das mich sehr neugierig macht!

Ritchey „Outback“

Preis

1.449 Euro (Rahmenkit bestend aus Rahmen, Gabel und Steuersatz)

Größen

XS, S, M, L, XL

Rahmen

Ritchey Logic Rohrsatz, dreifach konifiziert, 142 mm Achsbreite, 27,2 mm Sattelstützendurchmesser, 68 mm BB, Reifenfreiheit bis 48 mm (700C) bzw. 2 Zoll (650B), Rahmengewicht 2.175 g

Gabel

Carbongabel, 100 mm Achsbreite, 12 mm Steckachse

Steuersatz

Pivot Precision Sealed Integrated Cartridge

Vorbau

WCS C220 84D 31,8 mm/80 mm

Lenker

Ritchey WCS Venture Max

Schaltwerk

Shimano GRX

Schaltgriff

Shimano GRX

Bremsgriffe

Shimano GRX

Bremsen

Shimano GRX

Sattel

Ritchey WCS Skyline

Sattelstütze

Ritchey WCS 27,2 mm

Laufräder

Ritchey WCS

Kurbeln

Praxis Zayante Carbon, 172,5 mm, 40 Z.

Kassette

Shimano GRX 11-42

Kette

Shimano

Reifen

Ritchey Speedmax 700C 40 mm
Maße & Größen

Die Geometrie

XS S M L XL

Sitzrohr (cm)

44,0
46,5
49,0
51,5
54,0

Oberrohr (cm)

52,59
54,06
55,65
56,98
58,06

Steuerrohr (cm)

11,5
13,0
15,0
17,0
19,0

Lenkwinkel (Grad)

69,5
70,0
70,5
71,0
71,0

Sitzwinkel (Grad)

74,0
73,5
73,0
73,0
73,0

Kettenstrebenlänge (cm)

45,3
45,3
45,3
45,3
45,3

Tretlager Überhöhung (cm)

7,0
7,0
6,8
6,8
6,8

Überstandshöhe (cm)

75,35
77,28
79,55
81,78
83,91

Radstand (cm)

104,65
105,26
106,04
106,96
108,11

Stack (cm)

53,17
54,77
56,65
58,74
60,63

Reach (cm)

37,3
37,8
38,3
39,0
39,5
Die Testfahrt

Unterwegs zum Ritchey Outback Test

lifeCYCLE Magazine #12

Wo sich unser Test Gravelbike, das Ritchey Outback, beweisen musste, erfährst du in unserer Ausgabe 12, die du gleich hier bestellen kannst.

Wenn wir testen, dann richtig – das ist unser Motto. Und darum sind wir auch dieses Mal nicht einfach ein paar Runden um den Block gerollt, sondern haben uns ein ordentliches Abenteuer ausgedacht. Die lange Version findest du in unserer Ausgabe #12.

Mein Outback-Abenteuer begann damit, dass ich mal wieder nach Berlin musste. Ich wollte für unsere neue Ausgabe Bengt Stiller und Raphael Albrecht treffen. Das sind die beiden Männer hinter der Orbit 360 Gravel Rennserie – ich wollte mit den beiden ein Interview führen. Also dachte ich mir eine schöne Bikepacking-Route in drei Akten aus, die auch einen Teil des Sachsen-Anhalt-Orbits beinhaltete. Um aber auch noch einen Eindruck vom Outback ohne die ganze Bikepacking Ausrüstung zu bekommen, fuhr ich später auch noch den NRW-Orbit mit dem Gravelbike von Ritchey. Auf diese Weise kamen am Ende wieder fast 550 Kilometer zusammen, sodass ich mir ein gutes Urteil über das schicke Stahlbike bilden konnte.

Auf unserem komoot Profil kannst du dir unsere Tour anschauen und sie zum Nachfahren herunterladen.
Der Test

Ritchey Outback Test – unsere Testeindrücke

Das Setup. Viel gab es vorab nicht zu tun: Es passte einfach – draufsetzen und wohlfühlen. Allenfalls die Sattelhöhe, die Lenkerneigung und den Luftdruck musste ich anpassen. Weiterhin habe ich Bikepacking Taschen von Ortlieb montiert (Satteltasche und Rahmentasche). Und – vielleicht noch interessant – etwas neues Zubehör aus dem Hause Wolftooth: Mit dem „Double Bottle“-Set in Kombinaton mit der „B-Rad-Mountingbase“ lassen sich zwei Trinkflaschen nebeneinander montieren. Und die „B-Rad Roll Top Bag“ passte prima an die Gabel. Darin verstaute ich Ersatzschläuche, eine Pumpe und ein Minitool.

Langstrecke. Hier habe ich das Outback wirklich unter vielseitigen Bedingungen getestet: Bei Hitze auf unendlich langen Landstraßen, an zermürbenden Uphills, auf Highspeed-Abfahrten und auf richtig guten Gravelroads und bei Bedingungen wie aus dem Bilderbuch.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass das Outback gerade dann genau richtig aufgehoben ist, wenn man schön weit weg von der Zivilisation richtig lange Touren fährt. Das liegt zum einen daran, dass das ganze Bike einfach total zuverlässig ist. Da klappert nichts, da kann kein Akku leer sein und da geht auch nichts kaputt. Zum anderen passt die Geometrie einfach. Ich würde sie als „ausgewogene Abenteuer Geometrie“ bezeichnen. Das bedeutet: Dieses Bike fährt sich angenehm ruhig. Perfekt, um auf „Standby“ zu schalten und einfach in Gedanken schwelgend vor sich hin zu pedalieren.

Ich sitze sehr angenehm auf dem Bike und verspüre auch nach vielen Stunden keine außergewöhnlichen körperlichen Beschwerden. Das Bike hat dieses typische „Stahl-Feeling“, also irgendwie einen angenehmen Mix aus „hart“, aber „komfortabel“. Die neue Carbongabel trägt ihren Teil dazu bei, dass mir vor allem der relativ hohe Komfort in Erinnerung bleibt. Zumindest die vielen kleinen Schläge und Vibrationen schlucken Rahmen und Gabel offenbar sehr effizient weg.

Richtig gut gefallen hat mir der „Venture Max“ Lenker von Ritchey. Der ist zwar nicht im Rahmenkit enthalten, aber dennoch ist er eine Erwähnung wert. Die Lenkerform ist meiner Meinung nach ausgesprochen gut gelungen. Im Obergriff fühlt er sich angenehm komfortabel an und entlastet die Hände. Der Untergriff sorgt mit mehreren „Wellen“ für perfekten Grip, was insbesondere auf Abfahrten sehr angenehm ist. Mit reichlich Flare ausgestattet, bietet der Lenker zudem eine Menge Platz für eine Lenkerrolle, die ich allerdings dieses Mal gar nicht dabei hatte.

 

Trails & Co.

Mit diesen Gravelbikes kommt man ja durchaus öfter mal in die Versuchung, sich in waschechtes Mountainbike Terrein zu verirren. Und gerade auf den Orbit-Touren ist eben solches Gelände vorprogrammiert. Mit meinem Hintergrund als Mountainbiker habe ich natürlich immer einen besonderen Blick auf die Traileigenschaften eines Gravelbikes. Wie also schlägt sich das Outback in meiner Paradedisziplin?

Grundsätzlich merkt man dem Bike seine etwas „klassischere“ Geometrie an, sobald es auch enge, anspruchsvolle Trails geht. Es ist definitiv nicht so verspielt, wie beispielsweise das Revolt von Giant. Außerdem spürt man hier natürlich auch die sehr direkten Fahreigenschaften eines Stahlrahmens. Übersieht man eine Wurzel oder einen Felsbrocken, dann rappelt es eben. Ich würde die Trail-Eigenschaften des Outback daher eher mit den Eigenschaften eines flinken Crossbikes vergleichen – kombiniert mit denen eines komfortablen Endurance-Renners: Es ist sportlich und direkt, aber nicht so verspielt und agil, wie einige andere neue Gravelbikes. Ich hatte auch auf Trails sehr viel Spaß mit Ritcheys Gravelbike, wie man im Video gut erkennen kann. Seine Lieblingsdisziplin sehe ich trotzdem eher im Bereich der Langstrecke und beim echten „Abenteurern“.

Allerdings bietet das Bike noch eine tolle Möglichkeit, um es etwas agiler zu machen: Man könnte 650B Laufräder mit dicken MTB-Reifen montieren. Wenn du es generell etwas verspielter magst, wäre das eine Überlegung wert.

Die Parts. Auch, wenn sie nicht Teil des Rahmenkits sind, will ich ganz kurz auf die verbauten Parts eingehen, die allesamt einen unspektakulär guten Job gemacht haben. Ritcheys Zubehörprogramm kann sich wirklich sehen lassen und man merkt schon, dass viel Erfahrung und Know-how in den Teilen steckt. Besonders positiv ist mir, wie schon erwähnt, der Lenker aufgefallen. Ebenfalls ein Extralob bekommen die Reifen, die guten Grip, vor allem aber offenbar eine hohe Pannensicherheit bieten. Last but not Least bekommt die robuste GRX Schaltung von Shimano noch einen Fleiß-Stempel: Sie ist stabil, langlebig und passt vom Konzept her perfekt in ein Abenteuerbike wie dieses.

Testergebnis

Ritchey Outback – das Fazit

Tom Ritchey hat vor vielen Jahrzehnten colle Bikes gebaut – und er macht es auch heute noch! Das Outback gefällt mir vor allem auf Grund seiner gut gelungenen Symbiose aus „oldschool“ und modern. Der klassische Stahlrahmen mit seinen filigranen Details ist ein echter Hingucker und harmoniert perfekt mit der modernen Carbongabel. Aber auch in Sachen Fahreigenschaften funktioniert das Konzept: Das Outback fährt sich angenehm gutmütig und nicht so agil, wie manch modernes Gravelbike aus Carbon. Aber genau das ist perfekt für echte Abenteuer-Fans, die sich auf komfortable, langstreckentaugliche Fahreigenschaften und ein extrem zuverlässiges Bike freuen können. Und genau dieser Art von FahrerIn dürfe es ziemlich wurscht sein, dass das Outback ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt.

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