Der BX4 Evo von Ergon ist ein großer Mountainbike Rucksack, der für besten Sitz auf langen Mehrtagestouren konzipiert wurde. Wir haben ihn mal ein bisschen zweckentfremdet und ihn auf einer langen Bikepacking-Tour als Fotorucksack mißbraucht. Ein intensiver Test mit einem klaren Ergebnis…

Vor allem das Rückenteil unterscheidet den Ergon Rucksack von anderen. Hier wurde insbesondere Wert auf perfekte Ergonomie gelegt.

Wenn man von Bikepacking redet, denkt man in der Regel an ein robustes (Gravel-) Bike oder ein leichtes Mountainbike, ausgestattet mit allerlei Taschen, die sich – befestigt an Rahmen, Lenker oder Sattel – möglichst unauffällig der Form des Bikes anpassen und die trotz eingeschränktem Platzangebot möglichst viel Laderaum bieten. Ein Rucksack wie der Ergon BX4 Evo ist eher zu vermeiden, beziehungsweise wenn, dann sollte er klein und leicht sein. Denn Gepäck auf dem Rücken – das musste ich auf meiner allerersten Bikepackingtour schmerzhaft lernen – ist nicht gut. Es engt ein und im schlimmsten Fall macht es Rücken- und Nackenschmerzen und schränkt somit den Fahrspaß nachhaltig ein. 

Mit Hilfe dieser griffigen Schlaufen wird der Hüftgurt gleichmäßig verzurrt – danach sitzt der Rucksack wie angegossen.

Ich weiß es eigentlich besser – dennoch kommt es immer wieder vor, dass ich mit Rucksack auf Tour gehe. Der Grund ist ganz einfach: Ich möchte beziehungsweise muss einfach zu viele Dinge mitnehmen. Meist ist daran die Tatsache schuld, dass ich meine Reisen fotografisch dokumentieren möchte und das lieber mit der „guten“ Kameraausrüstung, als mit der kleinen Notlösung. So war es auch dieses mal. Eigentlich wollte ich zum Hansegravel definitiv keinen Rucksack mitnehmen. Zu lang die Etappen, zu schade, wenn ich sie mit Schmerzen ertragen müsste, statt sie zu genießen. Doch es erwartete mich eine wunderschöne Landschaft und die frühlinghafte Natur blühte auf. Es wäre einfach eine Schande gewesen, das nicht vernünftig abzulichten. Die Kamera in den alten, unkomfortablen Fotorucksack zu packen war keine Option, da beginnt der Nacken nach zwei Stunden schon zu schmerzen. Und so griff ich zum Ergon „BX4 Evo“.

Nicht unbedingt der typische Anblick eines klassischen Bikepackers – in Martins Fall aber oftmals nicht zu vermeiden. Dann aber doch bitte so komfortabel wie möglich. 🙂

Eigentlich ist der Ergon BX4 Evo ein Mountainbikerucksack. Und eigentlich hat er mit Fotografie nichts am Hut. Dennoch entschied ich, meinen Fotokram sicher darin zu verpacken und dem Rucksack auf meiner Bikepacking-Tour eine Chance zu geben. Denn der große Rucksack ist ausdrücklich auf eine gute Ergonomie und hohen Tragekomfort ausgelegt. Ich würde diese Eigenschaften in den kommenden Tagen auf Herz und Nieren prüfen: Drei Tage á 220 Kilometer Bikepacking über Trails und Schotterwege durch Norddeutschland. Wenn der Rucksack das mitmacht, dann ist er auch auf einer normalen Biketour gut!

Wer möchte, kann den BX4 Evo noch mit einer Trinkblase bestücken.

Vorab mal ein paar Fakten zum neuen Rucksack aus dem  Hause Ergon: Mit 30 Liter Volumen wird er als Raumwunder für Mehrtages- und Transalp-Touren verkauft. Für mich besonders interessant: die ergonomische Passform, die sich noch passgenau auf den Fahrer anpassen lässt. Ein breiter Hüftgurt soll die Schultern entlasten und dafür sorgen, dass der Rucksack eng anliegt und nicht pendelt. Natürlich bietet er viel Platz, der sich auf diverse Fächer verteilt. Die „Frontflap“ bietet nochmal zusätzlichen Stauraum, zum Beispiel für einen Helm oder die versifften Klamotten nach einem Regenschauer. Wer die einzelnen Features im Detail anschauen möchte, kann das einfach auf der Seite des Herstellers tun: ergonbike.com. Das Ganze kostet nach Herstellerempfehlung 199,95 Euro – ist also nicht ganz günstig. 

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An Platz mangelt es dem Ergon Rucksack freilich nicht.
Praktische Seitentaschen nehmen zusätzliche Kleinteile auf.

Mein erster Eindruck war: Ganz schön schwer das Teil. Mit rund zwei Kilo ist der leere Rucksack definitiv kein Leichtgewicht. Nachdem ich ihn entsprechend der beiliegenden Anleitung auf meine Körpermaße angepasst hatte, ging es ans Packen. Mein Fotokram, noch das ein oder andere Tool und ein paar Ersatzschläuche wurden verstaut und ich war mir ziemlich sicher, dass der Schuss nach hinten losgeht. Es lastete ein ganz schönes Gewicht auf meinen Schultern und ich wusste, wie empfindlich mein alterndes Knochengerüst darauf reagiert.


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Super praktisch: Seitlich im Hüftgurt verschwinden kleine Teile, auf die man gern schnellen Zugriff hätte. Ein Schlüssel zum Beispiel, Geld oder das Smartphone.

Lange Rede – kurzer Sinn: Rund 650 Kilometer nach dem Start des Hansegravel in Hamburg kam ich in Stettin an. Natürlich war ich erschöpft und fertig. Doch meine Befürchtungen blieben aus. Klar, ein leichtes Zwicken im Nacken ab und an ließ sich nicht vermeiden, aber es war alles im Rahmen und ich kann ganz einwandfrei behaupten: Dieser Rucksack sitzt mir perfekt und verteilt seine Last so, dass es offenbar sehr rückenschonend ist. Gerade der breite Hüftgurt fühlt sich sehr angenehm an. So wird ein Großteil des Gewichts vom Becken getragen und nicht von den Schultern, was diese wirksam schont. Damit hätte ich niemals gerechnet und dafür gibt’s beide Daumen hoch. Leider ist der BX4 Evo nunmal so gar nicht als Fotorucksack konzipiert – das Handling der empfindlichen Technik war einfach schwierig. Das kann man dem Produkt nicht anlasten, es aber als Wunsch für die Zukunft formulieren: Ein Ergon-Rucksack auf Basis des BX4 Evo, nur eben als Fotorucksack – das wär mega! 

Übrigens durfte ich noch etwas auf meiner Tour lernen: Manchmal lohnt es sich, die Bedienungsanleitung bis zum Ende zu lesen. Dann hätte ich nämlich gewusst, dass sich im Boden des Rucksacks ein großer Regenschutz befindet – und wäre auch während der Regenschauer unterwegs noch entspannter geblieben.