Pivot Vault Test: Gravel Deluxe und Abenteuer pur

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Ist es ein spaßiges Rennrad, ein komfortables Crossrad oder doch eher ein fixes Gravelbike? Was dabei herauskommt, wenn ein Mountainbike Spezialist ein Dropbarbike baut, ist jedenfalls alles, aber kein Bike von der Stange. Für unseren Pivot Vault Test haben wir uns das Traumbike aus den USA geschnappt und einfach alles ausprobiert – Straße, Gravel, Trails und den Sand der Lüneburger Heide.

Pivot hat seine Wurzeln eigentlich im Mountainbikesport. Die Firma mit Sitz in Phoenix wurde 2007 von Chris Cocalis gegründet, sein Ziel seit jeher nicht unbescheiden: die leistungsstärktsten Bikes zu bauen, die es gibt. Ob ihm das gelingt? Die Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Fakt ist: Aus dem Hause Pivot kommen absolute Highend Bikes zu absoluten Highend Preisen. Und eben in der Regel Mountainbikes. Bis auf eine Ausnahme: Das Vault. Ob Cyclocross-, Rennrad- oder Gravelbike – so genau will man sich bei Pivot offenbar nicht festlegen. Muss man auch gar nicht, denn man behauptet einfach, dass dieses Bike alles gut kann. Ob es nun also das spaßigste Rennrad, das komfortabelste Crossrad oder das schnellste Gravelbike ist – wir haben es uns vorgeknöpft und es hunderte von Kilometern über Straße, Trails, Gravel und… durch die Lüneburger Heide gefahren. Hier ist unser Pivot Vault Test.

Inhalt

Unser Pivot „Vault Team Force - 700C“ im Detail

Edel, edler, Pivot. Beim Preis von 7.549 Euro ist aber alles andere eigentlich auch keine Option. Also: Einmal tief durchatmen. Und dann auf eine Ausstattungs- und Feature-Liste freuen, die sich sehen lassen kann. 

Es beginnt mit dem superleichten Rahmen (unter einem Kilo in der kleinsten Rahmengröße), der nicht nur schick aussieht, sondern auch was zu bieten hat. Natürlich bekommt man alles, was heute Stand der Technik ist: interne, einfach zu wartende Zug- und Leitungskanäle, Steckachsen und ein absolut edles Finish. Aber das „Vault“ ist auch mit ein paar Besonderheiten ausgestattet, die man nicht überall findet. Die enorme Reifenfreiheit ist zum Beispiel erwähnenswert: Bis zu 47C Reifen passen drauf, wenn du dich für 700C Laufräder entscheidest. Und ja: 650B passt auch – dann sogar bis zwei Zoll Breite. Breitere Reifen sorgen natürlich für mehr Komfort, der von einer weiteren Eigenheit aber zusätzlich verstärkt werden soll: Die Sattelstütze ist sozusagen „schwimmend“ im Rahmen aufgehängt (was man bei Pivot „Iso Flex“ nennt). Somit kann sie ein wenig nachgeben und kleine Schläge sowie Vibrationen reduzieren – zumindest in der Theorie. Was man dem Bike auf den ersten Blick gar nicht ansieht: Es lassen sich sogar Schutzbleche montieren.

Zum edlen Rahmen gesellt sich eine ebensolche Ausstattung. Man kann Fan sein oder nicht und über den Sinn und Unsinn prächtig streiten – trotzdem ist SRAMs Force AXS eTap 12-fach Schaltung wohl mit des edelste und teuerste Hightech-Zubehör, was man zurzeit verbauen kann. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die elektronische Wireless-Schaltung in der Praxis bewährt.

Die Ausstattung

An diesem Bike erwartet man sicher keine Kompromisse und die findet man auch nicht. Schaltung und Bremsen entstammen der Top-Gruppe aus dem Hause SRAM, die Force eTap-Schaltung markiert wohl die Spitze dessen, was zurzeit geht. Ansonsten ist so ziemlich alles aus Carbon, was geht. Selbst die Felgen vom hochwertigen Reynolds-Laufradsatz sind aus dem teuren und in Sachen Nachhaltigkeit durchaus fragwürdigen Material gefertigt. Das Ergebnis ist dennoch ein echter Augenschmaus: Das Bike wirkt wie aus einem Guss und macht einfach nur Lust darauf, es endlich auszuprobieren. Bevor es losgeht, kannst du noch ein paar detaillierte Blicke auf dieses sündhaft teure, aber ziemlich schicke Edelbike werfen…

Pivot „Team Force - 700C“

Preis

7.549 Euro

Größen

XS, SM, MD, LG, XL

Rahmen

Ab 998 g leichter Carbonrahmen mit großer Reifenfreiheit und vielseitiger Geometrie

Gabel

Pivot Vault Carbon Disc

Steuersatz

Pivot Precision Sealed Integrated Cartridge

Vorbau

Phoenix Team 31,8 mm

Lenker

Easton EC70 AX CARBON - Breite: 40 cm (XS), 42 cm (SM), 44 cm (MD), 46 cm (LG, XL)

Schaltwerk

Sram Force AXS eTap 12-fach

Schaltgriff

Sram Force AXS eTap 12-fach

Bremsgriffe

Sram Force DISC

Bremsen

Sram Force DISC, Center Lock, 160 mm

Sattel

Phoenix WTB Pro Volt

Sattelstütze

Phoenix Pro Carbon 27,2 mm

Laufräder

Reynolds ATRx 23 mm Carbon

Kurbeln

Sram Force 1 DUB 36 Z. - Länge: 165 mm (XS), 170 mm (SM), 172.5 mm (MD), 175 mm (LG, XL)

Kassette

Sram Force XG-1270 10-33 Z.

Kette

Sram Force 12-fach

Reifen

Maxxis Rambler 700c x 40 mm TR Skinwall EXO, tubeless mit Stans Tubeless Kit

Geometrie

XS SM MD LG XL

Sitzrohr (cm)

45,8
52,8
54,8
56,8
58,8

Oberrohr (cm)

51,5
53,8
56,5
57,8
59,0

Steuerrohr (cm)

10,5
13,0
15,5
17.0
19.5

Lenkwinkel (Grad)

70,0
71,5
72,0
72,0
72,0

Sitzwinkel (Grad)

74,8
74,0
73,5
73,0
73,0

Kettenstrebenlänge (cm)

42,0
42,0
42,0
42,0
42,0

Tretlager Überhöhung (cm)

7,0
7,0
7,0
7,0
7,0

Überstandshöhe (cm)

70,5
76,6
78,7
80,5
82,5

Radstand (cm)

100,0
100,2
102,0
102,8
103,8

Stack (cm)

52,0
54,9
57,4
58,9
61.2

Reach (cm)

37,4
38,1
39,5
39,8
40,0

Die Testfahrt

lifeCYCLE Magazine #11

Was wir mit Pivots „Vault“ auf unserer Fahrt in die Lüneburger Heider erlebt haben, kannst du in unserer Ausgabe #11 nachlesen, die du gleich hier bestellen kannst.

Wenn wir testen, dann richtig – das ist unser Motto. Und darum sind wir auch dieses Mal nicht einfach ein paar Runden um den Block gerollt, sondern haben uns ein ordentliches Abenteuer ausgedacht. Die lange Version findest du in unserer Ausgabe #11.

Die kurze Version: Aufgrund von Corona sind ja alle Events ausgefallen. Also haben wir uns überlegt, was trotzdem geht. Herausgekommen ist eine kleine Sternfahrt: Los ging’s in Wetter an der Ruhr beziehungsweise in Weimar. Treffpunkt war die Lüneburger Heide, wo wir in einer schicken Schutzhütte übernachteten. Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Hamburg. Das Pivot radelte gemeinsam mit mir in einem 320-Kilometer-Nonstop-Ritt aus dem Pott in den hohen Norden und wurde dabei nicht nur auf seine Langstreckentauglichkeit überprüft. Wo genau wir hergefahren sind, kannst du in unserer komoot Collection nachsehen (und nachfahren). Klick einfach aufs Bild unten und schon kommst du zur Collection. 

Auf unserem komoot Profil kannst du dir unsere Tour anschauen und sie zum Nachfahren herunterladen.

Der Pivot Vault Test

Neues Bike – neues Setup. Bevor es auf die Reise ging, musste erstmal alles eingestellt und vorbereitet werden. Da wir einen Overnighter geplant hatten, musste entsprechendes Gepäck montiert werden. Und da zumindest die erste Etappe mit 320 Kilometern Länge schon ganz ordentlich sein würde, legte ich auch Wert darauf, alles so einzustellen, dass es sich auch auf lange Sicht gut anfühlen würde. Nach ein paar kleinen Testrides daheim war aber schnell klar: Viel muss ich nicht verändern. Im Grunde war es sogar nur eine Kleinigkeit. Ich tauschte den sehr langen 100-mm-Vorbau gegen ein kurzes Modell, das ich noch im Keller ausfindig machen konnte. Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass mir auch der Rahmen in Größe SM gut – vielleicht sogar etwas besser – gepasst hätte. Mit meinen 175 Zentimetern Körpergröße und 77 Zentimetern Schrittlänge bewege ich mich scheinbar genau zwischen beiden Größen. Der kürzere Vorbau erfüllte jedenfalls seinen Zweck, sodass ich angenehm komfortabel Platz nehmen konnte

Jetzt noch das Gepäck: Zum Einsatz kam eine Bikepacking-Ausstattung von Evoc. Die fällt insgesamt sehr klein aus, sodass es keinerlei Montageprobleme gab. Schnell noch die Akkubeleuchtung montiert und ich war einsatzbereit. Freitag Abend um 22 Uhr, pünktlich zur dunklen Nacht, machte ich mich auf den Weg, um am nächsten Tag meinen Kollegen Martin und seinen Kumpel Christian zu treffen und mit ihnen eine schöne Tour durch die Heide zu fahren.

Langstrecke. Wenn diese erste Etappe für etwas gut ist, dann um herauszufinden, ob ich mich lange am Stück auf diesem Fahrrad wohlfühle. Was das betrifft, so gibt es eine klare Antwort: Ja! Es kommt selten vor, dass mich so gar keine Schmerzen in der Nackengegend ereilen oder ich mich irgendwie unkomfortabel fühle, wenn ich so lange unterwegs bin. Auf dem Pivot war bis zum Ende alles gut. Die einzigen Wehwehchen kamen vom Allerwertesten, was ich dem ungewohnten Sattel und der fehlenden Gesäßcreme zuschreibe. Ansonsten fuhr sich das Vault bemerkenswert komfortabel. Vor allem auf Schotter fühlt sich das Pivot so ganz anders an, als man es erwartet. Eigentlich wirkt es nämlich zwar nicht bocksteif, aber sehr direkt und „sportlich“. Trotzdem kommt von all den kleinen Schlägen nichts ungefiltert bei mir an. Das Rad fühlt sich beinahe an, als sei es etwas gefedert – ist es aber ja eigentlich nicht. Die Auslegung der Carbonfasern sowie das Iso-Flex-System sorgen aber dafür, dass es sich genau so anfühlt. 

Trails & Co. Was mir auf einer 320 Kilometer Tour eher wurscht ist, kommt zum Tragen, wenn ich auf Trails losgelassen werde. Dort brauche ich keinen komfortablen Dauerrenner, sondern ein flinkes, verspieltes Spaßbike. Also quasi das genaue Gegenteil. Am nächsten Tag in der Heide erwarten uns genau solche Wege. Vom tiefen Sandbett, das man nur mit vollem Tempo schafft, bis zum engen, technischen Singletrail inklusive kleinen Wurzelsprüngen war wirklich alles dabei. Und zu meinem Erstaunen wirkte auch diese Umgebung, als sei das „Vault“ exakt hierfür gebaut worden. Gibt es sie doch, die Eierlegende Wollmilchsau? Falls ja, dann muss sie sich in etwa so anfühlen, wie das Pivot. Ja, es macht echt Spaß, damit durch die Heide zu heizen!  „Schuld“ daran sind die offenbar sehr gelungene Geometrie, das gute Carbon-„Design“ und sicherlich auch die guten Reifen, die an dieser Stelle ein kleines Extralob abstauben: Ich war die „Rambler“ von Maxxis zuvor noch nie gefahren – auf diesem Trip hinterließen sie aber einen klasse Eindruck. Sie rollen okay, bieten dabei aber hohen Komfort, richtig guten Grip und sind offenbar auch noch ziemlich pannensicher. Außerdem finde ich die Skinwall-Optik ziemlich cool. Bestimmt besorge ich mir diese Reifen mal für mein privates Gravelbike! 

Schaltung. Als SRAMs eTap Schaltung herauskam, hatte ich vor allem einen Wunsch: Diese einmal montieren zu dürfen. Denn einfacher geht’s wohl wirklich nicht. Am Pivot war sie leider schon verbaut, dafür durfte ich ausprobieren, wie man diese Art Schaltung einstellt, da sie anfangs nicht ganz sauber lief. Und siehe da: Es ist extrem einfach! Danach rasselten die Gänge durch, wie am Schnürchen. Per Klick oder per „Dauerfeuer“ – einzeln oder in Folge: Die Schaltung funktioniert intuitiv und präzise. Aus rein funktioneller Sicht kann ich daran wirklich absolut nichts aussetzen. Die ganze Elektronik und vor allem die notwendigen Akkus und Einmal-Batterien (in den Griffen) sind natürlich vor allem eines: unnötig. Wenn ich ein Fahrrad haben möchte, das im Hier und Jetzt perfekt funktioniert, dann ist eTap eine gute Sache. Möchte ich dagegen eins, dessen Schaltung ich im Zweifel selber reparieren kann und das keinen Sondermüll hinterlässt, dann ist eine mechanische Schaltung die bessere Wahl. 

Fazit

Für mich ist vieles an diesem Fahrrad ziemlich klar – das hat unser Pivot Vault Test gezeigt. Zum Beispiel die Tatsache, dass es sauteuer ist und für viele unerschwinglich. Oder auch die Tatsache, dass es mit all seinen Carbonteilen und den elektronischen Schaltkomponenten wohl keinen Umweltpreis gewinnen wird. Aber zur Wahrheit gehört auch dazu, dass dieses Fahrrad einfach ein echtes Traumbike ist. Seine Fahreigenschaften sind der Hammer, vor allem seine Vielseitigkeit ist beeindruckend. Es vereint, wie wenige andere Räder, höchste Effizienz und hohen Komfort. Ich hatte mit Pivots „Vault“ auf der Langstecke immer ein gutes Gefühl, auf technischen Trails hingegen maximalen Spaß. Wenn es eine Eierlegende Wollmilchsau gibt, dann heißt sie „Vault“. Wer bereit ist, für sein Gravelbike 7.549 Euro auszugeben, wird mit diesem Schmuckstück ganz viel Spaß haben. 

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