Fahrrad und Elektro-Roller, beides Formen der nachhaltigen Mobilität?
Alte und (vermeintlich) neue Formen der nachhaltigen Mobilität. Foto: Daniel van Appen

Was ist denn bitte ein PARK(ing) Day und wofür steht DIY? Die wichtigsten Begriffe erklären wir in unserem ABC der nachhaltigen Mobilität

Text: Martin Staffa. Am Anfang denkt man, man habe den Überblick. Am Ende ist es dann nur noch durcheinander. Wer sich mit dem Thema „nachhaltige Mobilität“ auseinandersetzt, der wird zwangsweise mit einer großen Anzahl neuer Vokabeln und Trends bombardiert. Schnell bleibt dann der eigentliche Inhalt auf der Strecke. Um dem entgegenzuwirken und mal einen Überblick zu geben, haben wir hier unser kleines ABC der nachhaltigen Mobilität angelegt. Darin stehen allerlei Wörter, die uns zwischendurch im Kontext nachhaltiger Mobilität begegnen und unserer Meinung nach mal erklärt werden müssen. Die Liste ist nicht fix, sondern wird immer wieder angepasst und wenn ihr einen Begriff vermisst, schreibt uns doch, dann schauen wir mal, ob wir ihn hier aufnehmen können.

Mehr Teilen und weniger Konsumieren. Das wollen viele Bewegungen um Nachhaltige Mobilität unterstützen.
Egal ob Straßen oder Fahrräder, Teilen ist die Grundlage vieler Bewegungen um nachhaltige Mobilität. Foto: Pop Zebra

Das ABC der nachhaltigen Mobilität


Bike Kitchen

Rad kaputt? Einfach selber machen! Bike Kitchens bieten allen, die gern selber an ihrem Rad Hand anlegen möchten, Platz sowie Werkzeug dafür und das Ganze unentgeltlich beziehungsweise auf Spendenbasis. Wer nicht weiter kommt oder sich verfriemelt hat, kann auch die Menschen vor Ort fragen. Alle Infos zu den Selbsthilfe-Werkstätten gibt es unter diesem Link.

Wenn man zu Hause nicht so gut ausgestattet ist, bieten Bike Kitchens die ideale Grundlage um sein Fahrrad selbst zu reparieren.
ABC der nachhaltigen Mobilität: B wie Bike Kitchen. Keine Angst vorm selber machen. Bike Kitchens helfen dir beim Reparieren. Foto: Tom Conway

Critical-Mass

Nicht nur Philosophen fragen sich: Wann ist die kritische Masse erreicht? Auf den Straßenverkehr wenden diese Frage unterschiedliche Nicht-Motorisierte-Fahrzeuge (vor allem Fahrräder) an jedem letzten Freitag im Monat, in vielen Städten der Welt an. Sie treffen sich an einem bestimmten Ort und fahren unorganisiert aber gemeinsam im öffentlichen Straßenverkehr umher. Die Aktionsform Critical Mass will vor allem auf die Rechte der Radfahrer aufmerksam machen, ebenso wie gegen die Verdrängung und die Gefahren durch den motorisierten Individualverkehr protestieren. Die Szene ist dezentral und über verschiedene Netzwerkformen wie Twitter, Instagram und Facebook organisiert, aber auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir finden jedenfalls die Critical Mass gut und wichtig und darum hat sie ihren Platz sicher in unserem ABC der nachhaltigen Mobilität.

Critical Mass Augsburg
Critical Masses gibt es in vielen Städten. So auch in Augsburg, wo dieses Bild entstanden ist. Die Geschichte dahinter findet ihr in unserer Ausgabe 10. Foto: Martin Donat

Cycling Logistics

Fangen wir mal ganz vorne an: Globale Wirtschafts-Ketten und die weltweite Arbeitsteilung und Spezialisierung führen dazu, dass viele Güter irgendwo hergestellt werden und dann für uns transportiert werden müssen. Innerhalb der Logistikbranche gibt es dann das Schlagwort „Die letzte Meile“. Dabei geht es eben um das letzte Glied der Transportkette, beispielsweise das Handy in den Laden, oder die Kurbel zu dir zu bekommen. Cycling Logistics ist in diesem Rahmen eine Initiative, die mit verschiedenen Maßnahmen dafür sorgen will, dass die letzte Meile von Lastenrädern und speziellen Cargo Bikes übernommen wird. Hier gibt es alle Infos dazu. Daneben versuchen auch viele gewerbliche Anbieter wie UPS und DHL auf Lastenräder umzusteigen, um die Endkunden damit zu beliefern.

Sogar gekühlte Lebensmittel lassen sich einfach per Lastenrad transportieren.
In vielen Ländern Asiens schön völlig normal: Gütertransport per Lastenrad. Foto: Peter Peng
ABC der nachhaltigen Mobilität
Selber bauen und schrauben. Die DIY-Bewegung will aber noch mehr. Foto: Sneaky Elbow

DIY-Bewegung 

Die Bezeichnung Do-it-yourself hat verschiedene Bedeutung-Stränge. Natürlich geht es im Wesentlichen immer darum selbst etwas zu machen, statt zu kaufen oder machen zu lassen. Allerdings kommt dieses Ideal nicht von Pinterest oder irgendwelchen Baumärkten, sondern entsprang aus verschiedenen Untergrundbewegungen aus Musik und Protestbewegungen. Die Maxime stellt der Anspruch nach Eigeninitiative und Selbstermächtigung. Das reicht vom selber bauen eines Lastenrades, über die Verschönerung des eigenen Stadt-Viertels bis hin zum eigenständigen Veröffentlichen von Musik (Indie-Labels). DIY ist in unserem ABC der nachhaltigen Mobilität also ein durchaus weitläufiger Begriff.

Sieht so der städtische Verkehr der Zukunft aus?
Wenn ganz viele #einautoweniger fahren, könnten Innenstädte so aussehen, wie hier. In diesem Fall handelt es sich alledings noch um eine Rad-Demo, die im Sommer 2019 in Bochum stattfand. Foto: Martin Donat

#einautoweniger

Ein Auto mehr oder weniger, das macht doch keinen Unterschied, oder? Doch! Und genau deswegen setzt die „onelesscar“ beziehungsweise „einautoweniger“ Mentalität genau da an. Im Prinzip ist „onelesscar“ einfach ein Leitsatz für alle, die zeigen wollen, dass es auch ohne Auto geht. Ob es darum geht, die Kinder in die Kita zu bringen, den Einkauf zu erledigen, oder zur Arbeit zu kommen. Für nichts davon braucht es ein Auto. „einautoweniger“ ist vor allem eine Lebenseinstellung, als eine organisierte Bewegung. Wer mehr darüber erfahren will, oder allen zeigen will, dass er/sie Teil davon ist, der folgt diesem Link.

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien sind das Gegenteil von fossilen Energiequellen. Damit sind sie ein wesentlicher Baustein der Nachhaltigkeit. Erneuerbare Energien gelten im Kontext des menschlichen Zeithorizonts als unerschöpflich . Beispiele sind die Wind-, Wasser und Sonnenkraft, oder auch Geothermie.

Nachhaltige Mobilität

Nachhaltige Mobilität ist ein konfuses Konstrukt unterschiedlicher Ideale und Leitbilder. Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs-Paares. Nachhaltige Mobilität generell setzt das Ziel, aller Formen der Mobilität, also Verkehr, Transport etc., so zu gestalten, dass diese umweltverträglich sind. Dazu werden Maßnahmen vorgeschlagen, die dieses Ziel erfüllen sollen. Dazu zählen die Vermeidung von Verkehr, eine Erhöhung der Energieeffizienz, oder auch die Nutzung postfossiler Energieträger. Unklarheit besteht allerdings bei der konkreten Umsetzung dieser Maßnahmen. Als Beispiel kann hier die E-Mobilität angeführt werden, welche zwar oft als Nachhaltige Mobilität angesehen wird, nach verschiedenen Erhebungen aber nicht dazu zählen kann, oder nur in Auszügen.

Nicht jeder Form „nachhaltiger Mobilität“ macht auch wirklich Sinn...
Bike- und Roller-Sharing zählt in Städten als Form der nachhaltigen Mobilität. Letztere wollen wir zumindest mal in Frage stellen. Besser, als ein Auto, sind aber selbst diese Roller. Foto: Lucian Alexe

PARK(ing) Day

Der öffentliche Raum ist für alle da! So könnte man das Motto des weltweiten Aktionstages PARK(ing) Day zusammenfassen. Es geht darum an einem Tag im Jahr (immer am dritten Freitag im September) den öffentlichen Verkehrsraum umzunutzen. Zum Beispiel werden Parkplätze benutzt, um ein Picknick zu veranstalten oder sogar komplett bepflanzt. Die Aktionen sind dezentral organisiert. Wer einen Einblick bekommen möchte, der kann hier beim Aktionsnetzwerk Stuttgart mal reinschauen. Viele andere Gruppen präsentieren und vernetzen sich bei Facebook.

Beim Parking Day werden öde Parkflächen einfach mal anders genutzt, indem sie bepflanzt oder zur Tanzfläche umgestaltet werden. Hier wagen die Anwohner von Wuppertal zaghafte Versuche, alternative Flächennutzung zu demonstrieren. Foto: Patrick Kruse

Lust auf mehr Geschichten rund ums Radfahren und um einen nachhaltigen Lebensstil? In unserer Ausgabe 10 gibt’s jede Menge davon.

lifeCYCLE Magazine Ausgabe #10

Reclaim the Streets

Wem gehört der öffentliche Raum? Allen! Dieser Leitspruch befeuert die „Reclaim the Streets“ Bewegung und gilt als übergeordnete Aktionsform anderer Movements wie Critical Mass, Park(ing) Day und anderen Widerstandsbewegungen. Verschiedene Aktionen finden im öffentlichen Raum statt, um zu zeigen, dass eben jener Raum allen gehört. Aktionsformen können Tanzen, Spazieren, Fahrradfahren und Hinsetzen sein.

shared economy

Teilen ist das neue Besitzen. So der Leitsatz dieser Bewegung. Das Prinzip ist so einfach wie sinnvoll. Jeder besitzt einen Haufen Kram. Das meiste brauchen wir nicht täglich, sondern nur einmal im halben Jahr. Warum also die Bohrmaschine nicht mit anderen teilen? Genau da setzt das Konzept an. Über unterschiedliche Gruppen und Foren lassen sich sämtliche Dinge mit anderen teilen. Vom Zelt über Kochtöpfe bis hin zum Lastenrad. Es gibt aber auch gewerbliche Anbieter mit denen Autos, Arbeitsplätze und Fahrräder geteilt werden können. Wo da jetzt genau die Grenze liegt zum klassischen Verkauf beziehungsweise Verleih, ist nicht immer ganz klar. 

Auch eine Form des Teilens: Co-Working Spaces. Foto: Austin Distel.

Street Transformation

Die Mission: Die Straße zu einem besseren Ort machen, mit dem Ziel, dass sich die Gesellschaft ändert und zwar zu einem Besseren. Ganz schön ambitioniert, wenn an ehrlich ist. Aber wenn man sich die Wirkungskette ansieht auch irgendwie verständlich: Auf einer schönen Straße mit angenehmer Atmosphäre hält man sich viel lieber auf, als auf einer hässlichen stark befahrenen. Wenn sich viele Menschen dort aufhalten, kommen sie miteinander ins Gespräch und die Anonymität verschwindet. So wird die Gesellschaft offener. In der Praxis versuchen Aktivisten deswegen auf unterschiedlichste Art und Weise Straßen in ihrer Nachbarschaft auszuwerten. Das passiert durch Urban Gardening, Müll sammeln, oder eine „Kost-Nix-Ecke“.

Die Straße zu einem besseren Ort machen, das wollen die Street-Transformation-Aktivisten. Foto: Tom Sekula
Jetzt aber los! Die Transition-Town-Bewegung will Klimaschutz, jetzt! Foto: Jasmin Sessler
Unverpackt einkaufen ist voll Gangster!
Im Unverpacktladen einzukaufen vermeidet Plastikmüll und macht Spaß!
Das Fachgeschäft für Stadtwandel in Essen.
Das Fachgeschäft für Stadtwandel in Essen ist aus der Transition-Town-Bewegung heraus entstanden. Es ist ein wunderbarer Ort, um sich zu treffen, tolle Pläne auszuhecken, kreativ zu sein oder um einfach einen Kaffee zu trinken.

Transition-Town-Bewegung

Die Transition-Town-Bewegung ist eine weltweite Initiative mit dem Umgang des Klimawandels und dem Ende der fossilen Energieträger. Im Wesentlichen versuchen die vielen lokalen Gruppen aktuelle umwelt-ökologische Probleme aufzuzeigen und auf verschiedene Arten damit umzugehen, beziehungsweise Lösungsansätze darzustellen. Dazu bieten die Gruppen unterschiedliche Werkzeuge an. Organisiert sind die weltweiten „Transition Initiativen“ innerhalb von Städten und Ländern. Für den D-A-CH Raum gibt es hier alle wichtigen Informationen. In unserer Ausgabe 10 waren wir in Essen und konnten Einblicke die Transition-Town-Bewegung bekommen.

zero waste

Habt ihr auch schon mal beim Einkaufen Bananen in eine Tüte gepackt und euch zu Hause darüber gewundert? Gut so! Denn bei der Banane – wie bei dem meisten Obst und Gemüse –wächste eine äußerst robuste Verpackung ja gleich mit! Genial, oder? Bei dem Ansatz von Zero Waste geht es sogar noch etwas weiter: So wenig Müll wie möglich produzieren, das ist die Philosophie dahinter. Das sind aber nicht nur verpackungsfreie Lebensmittel und reparieren statt wegschmeißen, sondern sogar Maßnahmen, die komplett auf Konsum verzichten. Bei der „Zero Waste International Alliance“ erfahrt ihr alles, was ihr noch darüber wissen müsst. Wir haben außerdem eine Anleitung erstellt, wie man Zero Waste im Alltag umsetzt, dort findet ihr auch jede Menge Unverpacktläden in ganz Deutschland.

Hier fehlt ein wichtiger Begriff in unserem ABC der nachhaltigen Mobilität? Dann schreib uns doch, damit wir ihn hier ausnehmen können.


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