Wer nachhaltig reisen möchte, kommt um ein Dream-Team kaum herum: das Fahrrad in Kombination mit der Bahn. Wir haben uns mal gefragt, wie nachhaltig das wirklich ist und haben die besten Infos und Tipps zum (Rad-) Reisen mit der Bahn zusammengestellt.

Der Klimawandel und seine Ursachen ist ein unheimlich komplexes Thema. Man kann nicht pauschal sagen, was exakt welchen Einfluss aufs Klima hat und es gibt unglaublich viele Studien, die zu unglaublich vielen Ergebnissen kommen. Je nachdem, wie man eine Rechnung angeht oder wie man sich etwas schön rechnen möchte, kommt man auf völlig unterschiedliche Ergebnisse. Das gilt auch fürs Thema „Bahnfahren“. Die einen behaupten, Bahnfahren wäre DIE Lösung für die Mobilität der Zukunft, andere belegen glaubhaft das Gegenteil. Wir haben uns mal ein eigenes Bild gemacht und fassen ein paar Denkanstöße zusammen. Vor allem aber geben wir ein paar praktische Tipps, wie man die Bahn in Kombination mit dem Fahrrad zu einem ziemlich nachhaltigen Fortbewegungsmittel machen kann. 

Inhalt


Die Emissionen: Womit reist man am nachhaltigsten?

Noch ein Faktor für Effizienz: Die Infrastruktur

Geht nachhaltiges Reisen überhaupt?

Tipps und Tricks fürs Reisen mit der Bahn

Die Emissionen


Was hinten rauskommt, lässt sich im Grunde ziemlich einfach feststellen – außer man baut irgendeine Vertuschung-Software in die Fortbewegungsmittel ein. So kann man relativ einfach ein Ranking aufstellen, welches Fortbewegungsmittel welche Emissionen verursacht. Wichtig ist dabei natürlich die Frage, wie viele Personen ein Fahrzeug transportiert. Logisch: Ein Auto mit einer Person ist weniger effizient, als eines mit fünf Insassen. Ebenso ist ein prall gefüllter ICE effizienter, als ein fast leerer. Hier macht es also Sinn, mit möglichst realitätsnahen Mittelwerten zu rechnen. Einem Auto zu unterstellen, dass es immer voll besetzt sei, ist genauso falsch, wie davon auszugehen, dass ein Zug immer halb leer ist. Das Bundesumweltamt stellt solche Berechnungen auf, die könnt ihr euch hier anschauen. Die Werte für die Auslastung klingen für uns einigermaßen realistisch und man kann sich ziemlich leicht ausmalen, was passiert, wenn sie sich ändern. Fakt ist – egal für welches Fortbewegungsmittel: je besser die Auslastung, desto geringer die Emissionen pro Person. Wer sich solche Statistiken mit gesundem Menschenverstand anschaut, wird zu einem brauchbaren Ergebnis kommen.

Infrastruktur & Co


Ohne die passende Infrastruktur geht rein gar nichts… Auch nicht bei der Bahn.

Was offenbar gerne unterschlagen wird, sind die Spuren, die durch die Errichtung und den Unterhalt der Infrastruktur der einzelnen Fortbewegungsmittel verursacht werden. Ein Auto braucht Straßen, die Bahn braucht Schienen, Flugzeuge brauchen Flughäfen. Das alles muss gebaut und gepflegt werden. Und auch die Fahrzeuge selbst müssen gebaut, gepflegt, gewartet und irgendwann entsorgt werden. Rechnet man all diese Faktoren mit ein, stehen vermeintliche „Umweltschweine“ plötzlich deutlich besser da. Vor allem dem Flugzeug kommt das entgegen. Das benötigt nämlich nur Flughäfen – deutlich weniger Aufwand, als tausende von Kilometer langen Straßen oder Bahntrassen. Dazu haben wir eine interessante Studie mit interessanten Ergebnissen gefunden. Demnach steht die Bahn zum Glück für unser „Bauchgefühl“ immer noch gut da, das Flugzeug holt aber ganz schön auf. Autos hingegen stehen gar nicht gut da. Trotzdem ist eine Bahnfahrt, die eine nachvollziehbaren Grund hat tausendmal besser einzustufen, als ein sinnloser Billigflug, der einzig und allein dem Amüsement dient.

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Geht nachhaltiges Reisen überhaupt?


Die Schlussfolgerung all dieser Informationen lautet also keinesfalls: Nehmt die Bahn und alles ist gut. Vielmehr sollte man jede Reise in Frage stellen. Denn – irgendwie logisch – jedes Mal, wenn man sich mit großer Geschwindigkeit und ohne eigene Kraft aufzuwenden, fortbewegt, wird viel Energie benötigt. Also ist die Klima-freundlichste aller Varianten immer noch, gar nicht zu verreisen. Unserer Meinung nach lohnt es sich, einfach mal den Kopf einzuschalten und ein bisschen nachzudenken. Vor allem sollte man das scheinbar in den Köpfen verankerte „Grundrecht auf freie Mobilität“ hinterfragen. Ist es wirklich so, dass jeder Mensch jederzeit für 19,99 Euro nach Malle fliegen können muss? Ist es richtig, wenn jemand täglich stundenlang von seinem Wohnort zu Arbeit pendelt und ist das ein Verhalten, das jedem Menschen einfach so zusteht? Muss man mehrmals im Jahr in exotischen Reisezielen Urlaub machen? Muss es sein, den Weg zum Bäcker mit dem Auto zu erledigen? Wir könnten hier noch ohne Ende solcher Fragen aufzählen. 

Es ist der helle Wahnsinn, welche Dimensionen die Mobilität der Menschheit angenommen hat. Es geht weit über das hinaus, was sie sich eigentlich leisten kann. Dieses Bild veranschaulicht ziemlich gut, dass kaum jemand die nachhaltigste Fortbewegungsart überhaupt nutzt: das Fahrrad.

Wir kommen zu folgenden Schluss: Natürlich ist es total schön, dass jeder Mensch sich heute relativ frei entfalten und somit auch frei bewegen kann. Solange er damit niemandem schadet, gibt es überhaupt nichts dagegen einzuwenden. Trotzdem sollte sich jeder fragen: Handle ich so, dass ich mit gutem Gewissen meinen Mitmenschen und folgenden Generationen gegenüber agiere? Oder ist mein persönlicher ökologischer Fußabdruck ein echtes Problem? 


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Wer zum Beispiel jedes Wochenende aufwendig verreist, sollte sich durchaus mal fragen, ob das wirklich sein muss. Dabei ist es fast egal, ob mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug. Keine Bahnfahrt ist besser, als eine sinnlose Bahnfahrt. Wer jeden Tag stundenlang pendeln muss, der kann sich durchaus mal fragen, ob die Arbeit beziehungsweise der Wohnort wirklich optimal gelegen ist. Und wer seine Kinder jeden Morgen im SUV zur Schule fährt, könnte einmal in sich kehren und überlegen, wie Generationen von Schülern das vor 50 Jahren nur hinbekommen haben. 

Glücksmomente pur – vor der eigenen Haustür. Da braucht man kein Flugzeug und noch nicht Mal die Bahn. Ein kleiner Urlaub, den sich wirklich jeder leisten kann und der wirklich niemandem schadet.

Was wirklich sein muss und was purer Luxus ist – darüber lässt sich sicherlich mal wieder prima streiten. Worüber man hingegen eigentlich nicht mehr streiten kann ist, dass wir Menschen unsere Mobilität einschränken müssen, und zwar schnell. Wenn jeder versucht, seinen Mobilitätsdrang zu überdenken und hier und da zu optimieren, ist das ein erster Schritt und alles andere, als eine Strafe. Im Urlaub seine Heimat (neu) zu entdecken, kann total viel Spaß machen und ist keineswegs eine Einschränkung. Die Brötchen zu Fuß oder mit dem Fahrrad abzuholen statt mit dem Auto, wirkt total belebend und ist gesund – dass Bewegung dem persönlichen Wohlbefinden und der Gesundheit förderlich ist und somit am Ende sogar gut für die Wirtschaft ist, das ist mittlerweile hinreichend wissenschaftlich belegt. Mit der Bahn zu fahren hat unheimlich viele Vorteile gegenüber dem Autofahren – wer’s probiert hat, kann das vermutlich bestätigen. Wer kategorisch nichts ändern möchte und Argumente wie „das passt aber nicht in meinen Alltag“, „mit Kindern geht das doch nicht“ oder „das ist doch viel zu teuer“, verhält sich gegenüber Mitmenschen und vor allem gegenüber zukünftiger Generationen einfach unfair. 

Tipps & Ticks fürs Reisen mit Rad & Bahn


Das Fahrrad und die Bahn sind in Sachen nachhaltiger Fortbewegung ein gutes Team. Dabei holt vor allem das Fahrrad für die „erste und letzte Meile“ der Reise einiges raus. Ein paar Kilometer von zu Hause zum Bahnhof und zum Endziel der Reise kann jeder gesunde Mensch aus eigener Muskelkraft bewältigen. Allerdings erscheint diese Kombination vielen Reisenden sehr unpraktisch oder gar kompliziert, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Das Fahrrad spart zum Beispiel die umständliche Parkplatzsuche, den Stau in der City und alle Kosten, die eine Autofahrt mit sich bringt. Man kann die Zeit im Zug sinnvoll nutzen, zum Beispiel mit Arbeiten am Laptop oder indem man sich einfach mal entspannt. Zudem lernt man am Reiseziel die Stadt kennen und heimst frische Luft ein. Wir haben hier mal ein paar Tipps zusammengestellt, die das Mitnehmen des Fahrrads vereinfachen können.

Die Wahl des richtigen Fahrrads

Wenn du nur ein paar mal im Jahr mit Rad und Bahn verreisen möchtest, brauchst du kein spezielles Fahrrad. Dann geht es schon irgendwie mit dem Rad, das du eh hast. Wenn du das Fahrrad aber regelmäßig oder gar täglich mitnimmst, macht es Sinn, wenn es leicht ist, wenn du eine oder ein paar Taschen easy dran befestigen kannst und wenn es sich vielleicht sogar einfach demontieren lässt. Die Königsklasse der „Bahn-Räder“ sind Falträder, die du im Zug wie einen kleinen Koffer mitnimmst und mit denen es im Grunde keinerlei Einschränkungen gibt. Damit fährst du natürlich nicht auf Rennrad- oder Mountainbike Urlaub, für Pendler sind sie aber eine echte Alternative.

Auch ein Lastenrad kann eine gute Wahl sein. Zum Beispiel, um im Baumarkt ein paar größere Dinge einzukaufen oder um einen Großeinkauf zu meistern. Wenn die Bahn ein bisschen helfen kann, ist das definitiv besser, als der Großeinkauf per Auto.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist, ob du das Rad nur im Sommer nutzt, oder das ganze Jahr und bei jedem Wetter. Wenn das so ist, sollte dein Fahrrad gute Schutzbleche besitzen und am besten fest installiertes Licht (mit Nabendynamo). So bist du immer unabhängig und kommst auch bei Regen einigermaßen sauber und sicher am Ziel an.

Die Bahn und das Faltrad – ein echt praktisches Team!

Die Wahl der richtigen Zugverbindung

Wer morgens im Ruhrgebiet zur Rushhour auf einer der Hauptstrecken sein Rad mitnehmen will, wird vermutlich tatsächlich feststellen, dass es voll und ungemütlich ist. Es macht also Sinn, sich zu überlegen, wann man reisen will oder muss. Will man in den Urlaub fahren, kann man Stoßzeiten durch die richtige Planung leicht vermeiden. Wenn man täglich pendelt, ist das Faltrad eine klasse Option. Viele Städte bieten mittlerweile auch sichere Bike Boxen/Garagen zum Abstellen des Rads an. Auch das kann eine Alternative sein.

Fahrräder im Fernverkehr

Die ICE-Züge der neusten Generation haben ein (kleines) Fahrradabteil, in dem man einen Fahrradstellplatz buchen kann. Auch IC-Züge sind damit ausgestattet. Der Platz ist begrenzt und somit macht es Sinn, rechtzeitig zu buchen. Dafür fallen Extrakosten an. Für lange Zugfahrten lohnt es sich daher, über eine Alternative nachzudenken. Für uns hat sich das Verpacken des Fahrrads daher sehr bewährt. Wer sein Fahrrad in eine kompakte Form bringt und es mit einer Art Tasche verpackt, kann es nämlich normalerweise völlig problemlos als Gepäckstück mitnehmen.

Im neuen ICE4 können 8 (!) Fahrräder mitgenommen werden, die unbedingt vorab reserviert werden müssen. Immerhin ein Anfang… Foto: Superalbs

Was man beim Verpacken und im Zug beachten muss und welche Taschen es gibt, haben wir in einem kleinen Video zusammengefasst. Tipp: Buche dir vorher auf der Bahn-Webpage oder über die App einen Sitzplatz in der Nähe eines großen Gepäckabteils oder bei zwei Sitzreihen, die Rückenteil an Rückenteil angeordnet sind, wie wir es im Video zeigen. So musst du in der Regel nicht lange suchen und hast außerdem von deinem Sitzplatz aus dein Rad im Blick. Gerade bei stark benutzen Zügen wird dich das sehr entspannen. Zudem macht es Sinn, dir bereits am Bahnsteig von der App die exakte Halteposition deines gebuchten Wagens anzeigen zu lassen. So kannst du als einer der ersten einsteigen und musst dich nicht noch mit dem großen „Paket“ durch hundert andere Fahrgäste „kämpfen“.

Kompakt verpackt – so lässt sich ein Fahrrad auch auf langen Bahnreisen problemlos mitnehmen.

Kosten fürs Fahrrad im Zug

Im Fernverkehr kostet die Fahrradmitnahme inklusive Stellplatzreservierung 9 Euro. Im Nahverkehr hingegen sind die Kosten sehr unterschiedlich. In einigen Bundesländern kommt das Fahrrad zu bestimmten Zeiten immer kostenlos mit. Im öffentlichen Nahverkehr von Hamburg kannst du dein Rad unter der Woche vor 6 Uhr, von 9 bis 16 Uhr und ab 18 Uhr sowie am gesamten Wochenende kostenlos mitnehmen. Auch in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, in Hessen und in Baden-Württemberg werden Fahrräder meist kostenlos mitgenommen. Ansonsten benötigt man ein Fahrradticket, das in der Regel zwischen 4 und 6 Euro kostet. Im Nahverkehr gilt zudem: Fahrräder werden nur mitgenommen, solange genug Platz vorhanden ist. Es könnte also durchaus vorkommen, dass das Zugpersonal entscheidet: Der Zug ist zu voll. Das ist allerdings eher die Ausnahme. Übrigens: Wenn du es nicht eilig hast, lohnen sich spezielle Tages- oder Wochenendetickets (Länder-Tickets oder Quer-durchs-Land-Ticket) der Bahn für den Regionalverkehr. Damit bist du zwar nicht so flott unterwegs, wie mit IC oder ICE, dafür kannst du stressfrei und ohne Reservierung dein Rad mitnehmen. Die Tickets sind in der Regel sehr günstig und das Fahrrad ist inklusive. Infos dazu findest du hier: https://www.bahn.de/p/view/angebot/regio/index.shtml