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Der „Overnighter“: Erfahrungsbericht eines Mini-Urlaubs per Rad

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Was, wenn einen mal wieder alles nervt, der Alltag einen erdrückt und man beginnt, aus Faulheit, Bequemlichkeit oder Unmotiviertheit Dinge sein zu lassen, die einen eigentlich mit Freude erfüllen? Genau dann ist es an der Zeit, auszubrechen. Es muss ja nicht der lange geplante Urlaub sein. Ich stolperte über den Begriff des „Overnighters“. Ein Fahrrad-Kurztrip-Konzept, das mit gleich überzeugte und das ich unbedingt einmal ausprobieren musste.

Inhalt

Das Prinzip Overnighter

Mobil sein, wie andere Urlaub machen

Der Name ist Programm: „Overnighter“ – der neudeutsche Begriff für ein extrem einfaches Konzept: Man fährt los, übernachtet irgendwo und kommt am nächsten Tag am Ziel oder wieder zu Hause an. Es ist so simpel, dass ich mich frage, warum ich nicht schon eher auf die Idee kam. Also packe ich meine sieben Sachen (oder lieber doch nur fünf?!) und fahre los. Dienstag Abend, 18:30 Uhr.

Die Bikepacking Ausrüstung: Da kommt doch einiges zusammen. Doch am Ende sieht es mehr aus, als es ist…

So sieht das Ganze doch schon etwas aufgeräumter aus. Bis alles zusammen war, hat es immerhin eine habe Stunde gedauert, was aber immer noch kurz genug für einen spontanen Abendplan ist

In so eine Rolle passen locker Schlafsack und Isomatte. Die zusätzliche Fronttasche eignet sich, um Geld, Handy und sonstige Dinge, auf die man schnell zugreifen will, zu verstauen

In solche Satteltaschen passen längliche Dinge, wie ein Zelt

Overnighter: Der Weg ist das Ziel

Das Ziel ist klar: ich habe einen Termin. Am nächsten Tag in der Frühe, rund 60 Kilometer entfernt. Damit meine Abendfahrt etwas länger dauert und mein Gravelbike auch mal was zu tun bekommt, plane ich eine „MTB“ Tour, die mir Komoot bereitwillig ausspuckt.

Keine 20 Minuten dauert es, bis ich bekanntes Terrein verlassen. Es ist einfach toll, wie man – sicher auch dank moderner Hilfsmittel – seine Heimat immer wieder neu entdecken kann. Ich fahre mitten durch den Ruhrpott und bin dennoch völlig allein und in wunderschöner Natur unterwegs. Auf meinem komoot-Profil findest du die gefahrene Route.

Bikepacking: Tipps & Tricks & Packliste

Wichtiges auf großer und kleiner Tour

Es beginnt zu regnen. Gut, dass ich eine Regenjacke dabei habe und gut, dass die Taschen wasserdicht sind. Es gibt einfach ein paar Dinge, die absolut Sinn machen, wenn man auf große oder auch auf kleine Tour geht.

Die Brücke über den Harkortsee bei Herdecke. Bis hierher kenne ich mich noch aus…

Tipps & Tricks für den Overnighter

  • Entdecke deine Heimat! Das macht die Sache viel einfacher und du kannst viel spontaner agieren, auch mal unter der Woche losfahren. Und du wirst erstaunt sein, welche Überraschungen deine Heimat für dich bereithält.
  • So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Du brauchst keine fünf Umzieh-T-Shirts und auch keinen Ersatzreifen. Packe nur ein, was unbedingt sein muss. Das spart Zeit und Kraft. Hier findest du meine Packliste zum Downloaden.
  • Keine Angst vorm alleine Fahren. Für mich hatte es etwas meditatives. Wenn du jemandem mitteilen willst, wo du dich aufhältst, kannst du vorher deine Route kommunizieren oder einfach die Live-Tracking Funktion vieler GPS Online Dienste wie Strava oder Garmin nutzen
  • Plane deine Route. Du hast nicht viel Zeit, da willst du dich nicht verfahren. Ich habe mit Komoot hervorragende Erfahrungen gemacht. Außerdem werden dir so möglicherweise Wege vorgeschlagen, die du noch gar nicht kanntest. Wenn du Fragen zu komoot hast, schau dir doch mal unsere Ratgeber dazu an.
  • Essenzielles Gepäck: Regenbekleidung sollte dabei sein. Wer kein Zelt braucht, kann sich auch einen anderen Unterschlupf zum Schlafen suchen, eine leichte Isomatte und ein Schlafsack sollten aber drin sein. Hängematten könnten eine Option sein. Auf alle Fälle solltest du in deine Packtaschen investieren, die wasserdicht sein sollten. Licht darf nicht fehlen, sowohl zum Fahren, als auch z.B. zum Aufbauen eines Zeltes. Und natürlich darf etwas Notfallwerkzeug, ein Ersatzschlauch und eventuell ein Telefon und etwas Geld für den Notfall nicht fehlen. Wenn du abends selber kochen willst, sollte ein Mini-Campingkocher dabei sein. Alternativ kannst du aber auch einfach leckere Rohkost mitnehmen. Wenn du mehr Inspiration suchst und gleich noch eine Checkliste dazubekommen willst, lad dir doch unsere Bikepacking Packliste herunter!

Anreise mit Abenteuer

Langsam wird es dunkel. Ich bin froh, als ich endlich auf die Wiese einbiege, die ich als Zielort festgelegt hatte. Da ist auch schon der Bach und der kleine See, der schon auf der Karte vielversprechend aussah. Ich baue mein Zelt auf und als der letzte Hering sitzt, ist es auch schon dunkel. Ein kleiner Nachtsnack und ich bin müde und erschöpft genug, um mich vom Zirpen der Grillen in den Schlaf singen zu lassen.

Am nächsten Tag wache ich um halb 6 auf. Natur kann ganz schön laut sein. Das ist nicht schlimm: so habe ich genug Zeit, mich etwas frisch zu machen, etwas zu frühstücken und dann pünktlich zu meinem Termin zu erscheinen.

Overnighter: Eindrücke & Fazit

Gut, günstig und besser, als jeder Urlaub.

Es war ein perfekter Abend. Obwohl ich quasi vor meiner Haustür herumgefahren bin, war in binnen Minuten in einer Art Urlaubsmodus, konnte komplett abschalten und den nächsten Tag mit frischem Kopf beginnen. Dieses Abenteuer hat nichts gekostet, außer etwas Zeit und Anstrengung. Wer’s nicht probiert, ist es selber schuld!

Gravel Bikes sind so vielseitig! Und solche Trails einfach zu schön, um sie nicht zu befahren…

Gerade an kleinen Fahrrädern mit Dropbar kann es schnell eng werden mit all den Taschen…

Wer öfter auf Tour gehen will, sollte unbedingt über hochwertiges Material nachdenken. So ein Zelt wiegt nur etwas über ein Kilo und ist trotzdem 100% wasserdicht!

Ein tolles Bike: das Sequoia von Specialized kommt mit Stahlrahmen und ist als „Abenteuerrad“ ausgeschrieben

Weiter geht´s: Taschen packen und auf ins nächste Abenteuer!

Wer braucht einen teuren Urlaub, wenn er eine Fahrradtour wie diese machen kann?

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Martin Donat

Martin Donat

Erfahren im Abenteurern. Seit 20 Jahren in der bunten Fahrradwelt unterwegs. Aus der Leidenschaft wurde ein Job: Seit zwei Jahrzehnten ist Martin als Redakteur, Fotograf und „Mädchen für alles“ tätig. Rennräder, Gravel- oder Mountainbikes sind seine Welt und das Thema Nachhaltigkeit ist für ihn mehr, als ein Modewort.

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