#einautoweniger Michael Hokkeler: Wir fahren mit euch zur Arbeit – Tag 2, Frühschicht

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Michael Hokkeler ist ein wahrer Power-Commuter: Jeden Tag pendelt er mit seinem Fahrrad zwischen Köln und Bonn – und hat total viel Spaß dabei!

Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Anziehen, das schmutzige Rad aus dem Hotelzimmer schmuggeln und weiter. Meinen ersten Termin des Tages hatte ich in Köln, wo ich Michael treffen wollte. Genau genommen hatte Michael gestern Abend vorgeschlagen, dass er mir entgegenfährt und wir uns unterwegs treffen und so passierte es dann auch: Irgendwo in einem Vorort von Köln kam mir ein sportlicher Radler im Teamdress entgegen. Ein lautes „Martin?“ – „Jawoll, Michael?“ durch die Dunkelheit gerufen und wir hatten uns gefunden. Dass Michael mich hier eingesammelt hat, war durchaus bemerkenswert, denn sein Weg zur Arbeit ist mit 36 Kilometern ohnehin schon recht lang. Heute kamen nochmal rund 20 dazu. Doch, wie sich herausstellen sollte, für Michael eher eine Randbemerkung. Denn der 48-Jährige ist Radsportler durch und durch, sitzt seit über 30 Jahren im Sattel und bezeichnet sich selbst als Langstreckenfahrer. Und seit nunmehr sieben Jahren ist er vor allem eines: Radpendler.

„Wir holen noch kurz am Bahnhof den Pascal ab“, erklärte mir Michael, während er mich gekonnt durchs morgendliche Kölner Verkehrschaos navigierte. Für mich war es eher etwas Besonderes, dass ich gleich zwei Radler auf ihrem Weg zur Arbeit begleitete. Für Michael war es hingegen eher etwas Besonderes, dass es nur zwei waren. Denn was Michael hier in den letzten sieben Jahren angeschoben hat, ist richtig cool. Irgendwann fiel ihm unterwegs auf, dass er auf seinen Fahrten irgendwie immer dieselben Leute trifft und so begann er, einfach alle anzusprechen, die so aussahen, als wenn es zusammenpassen könnte. Telefonnummern wurden ausgetauscht und eine Whatsappgruppe eingerichtet. Heute sind mehr als 20 potenzielle Fahrer in der Gruppe, die morgens von Köln nach Bonn und abends von Bonn nach Köln pendeln – stau- und emissionsfrei. Der „Radexpress“ hat mittlerweile feste Zeiten, jeder weiß genau, wann die Gruppe an welcher Brücke, an welcher Kreuzung vorbeikommt und kann sich so anschließen. Nur nicht heute. Weil ich ohnehin so früh raus musste, hatten wir uns eine Stunde später verabredet, weshalb uns heute nur noch Pascal begleitete – der Rest war sicher schon längst in verschiedenen Büros angekommen.

Das Pendeln ist für mich mehr als die Fahrt zur Arbeit. Es ist Teil meines Lebens geworden. Es hilft mir, gut in den Tag zu kommen und den Kopf nach einem Bürotag wieder ‚freizufahren‘.

Michael Hokkeler aus Köln, Produkt-Manager bei der Post und Radpendler

Pascal ist auch so jemand, der sich von Michael inspirieren ließ. Die beiden sind Kollegen bei der Post in Bonn, wo sie als Produktmanager arbeiten. Eines Tages beschloss Pascal, die Fahrt zur Arbeit auch per Rad zu erledigen, nur dass er nicht in Köln, sondern in Langenfeld wohnt. „60 Kilometer pro Fahrt, das ging nicht lange gut“, Michael lachte und erzählte weiter, wie Pascal danach erstmal krank war und ausfiel. „Heute fährt er mit der Bahn bis Köln Hauptbahnhof, von dort aus radeln wir gemeinsam“. Learning by doing. Fast 80 Kilometer am Tag reichen eben. Aus Köln heraus war die Strecke noch etwas unruhig, auch wenn sie – ein bisschen wie beim Sightseeing – am Ufer des Rheins das ein oder ander Highlight beinhaltete. Am Stadtrand von Köln passierten wir ein riesiges, hässliches Chemiewerk, dann führte der Radweg wieder am Rhein entlang. Ab jetzt keine Straße mehr – wir konnten wieder nebeneinander fahren und uns unterhalten. Gesprächsstoff hatte Michael zur Genüge. Nur die Themenauswahl war eher eingeschränkt, was mich jedoch keineswegs störte. 

Es ging ums Radfahren. Darum, dass er (sehr) viele Fahrräder hat (n+1 eben). Darum, dass er wirklich jeden einzelnen Tag mit dem Rad ins Büro fährt und dass die öffentlichen Verkehrsmittel und erst recht ein Auto absolut keine Option für ihn darstellen, sondern dass diese morgendliche Fahrt mit dem Rad in Fleisch und Blut übergegangen ist. Darum, dass er einen Radsportverein gegründet hat (den RTC dasimmerdabei 04 e.V.), in dem er 1. Vorsitzender ist und darum, dass er sich auch in der Initiative „Aufbruch Fahrrad“ engagiert. Darum, dass er schonmal für den WDR ein „Rennen“ gegen einen Autofahrer gefahren ist, von Köln nach Bonn im Berufsverkehr, und darum, dass er das Rennen – natürlich – gewonnen hat. Darum, wie sich einmal im Jahr im Sommer alle Pendler der Strecke Köln/Bonn in einer Eisdiele am Rheinufer treffen, auch die von der Gegenrichtung, die man jeden Tag maximal zweimal kurz trifft, mit denen man aber dennoch mehr gemeinsam hat, als mit so manchem Arbeitskollegen, der einem acht Stunden auf der Pelle hockt.

Vermutlich hätten wir uns noch lange weiter unterhalten können. Doch wir waren da! Der Post-Tower erschien vor uns und wir rollten in die Tiefgarage. Ich durfte als Besucher mit rein, obwohl das ganze Gebäude hier penibel bewacht wurde. In der Tiefgarage standen ganz schön viele Fahrräder. Aber hier arbeiten ja auch rund 2.000 Menschen. Pascal und Michael schlossen ihre Räder an, wobei Michael ein anderes ziemlich frech „zuparkte“. Ich fragte nach, ob derjenige kein Problem damit habe – bei der Antwort musste ich lachen: „Das ist mein Ersatzrad“ – ja nee, is klar. In den Umkleiden gibt es 200 Spinde – alle sind vergeben. Ursprünglich gab es nur 12 davon, die eigentlich für die Hausmeister gedacht waren. Immerhin ist man scheinbar bemüht darum, die Kapazitäten zu erhöhen und auf mich machte es den Eindruck, dass die Post-Angestellten hier ganz gute Bedingungen vorfinden. Bevor Pascal und Michael ihre Radfahrerbekleidung gegen schnieke Anzüge tauschten, verabschiedeten wir uns, denn ich hatte noch einen langen Weg vor mir. Danke Michael, danke Pascal für diesen intensiven Einblick in euer besonders ausdauerndes Rad-Pendler-Leben!

On Air

Das Rennen: Fahrrad gegen Auto

Die WDR Lokalzeit aus Bonn hat Michael auch schonmal begleitet und ein Rennen zwischen ihm und einem Autofahrer inszeniert. Für beide galt die Challenge 40 Kilometer Arbeitsweg so schnell es geht zu absolvieren. Wer gewonnen hat, erfährst du im Lokalzeit Video.

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