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Test: Cannondale Topstone Lefty 3 – Federung am Gravelbike?

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Gemeinsam mit Paul Voss haben wir eine schöne Hauptstadt-Gravelrunde gedreht. Im Anschluss daran konnten wir das Cannondale Topstone Lefty 3 noch eine Weile behalten und es richtig auf die Probe stellen. Was dabei herauskam, gibt’s nach und nach in unserem Test zu lesen...

Inhalt

Mit einem ehemaligen Tour de France Profi Rad fahren zu gehen ist schon etwas Besonderes. Wenn diese Tour dann aber nicht auf Asphaltfräsen, sondern auf amtlichen Gravel-Pellen stattfindet und das Gefährt, auf dem wir uns fortbewegen, beinahe die Bezeichnung „Fullsuspension“ verdient, dann wird es langsam richtig speziell. Kurzum: Meine Tour mit Paul Voß vor den Toren von Berlin war alles, nur nicht normal. Genau diese Bezeichnung trifft wohl auch für Cannondales „Topstone Lefty 3“ zu, das ich während der Berlintour erstmals intensiv ausprobieren konnte. In diesem Test Bericht erfährt du alles, was man über dieses Gravelbike mit dem gewissen Extra wissen muss. Du erfährst, wie es sich bei seinen ersten Einsätzen geschlagen hat, außerdem füge ich weitere Eindrücke hinzu, sobald ich etwas mehr Kilometer darauf gesammelt habe. Wie die Fahrt mit Paul Voß war und was er zukünftig in Sachen Gravel geplant hat, das erfährt du übrigens im ausführlichen Paul Voß Interview, das du in lifeCYCLE Magazin #14 nachlesen kannst.

Cannondale Topstone Lefty 3 – Übersicht

Einfach anders: Cannondales Lefty

Es gibt wenige Gravelbikes, die so offensichtlich anders sind als andere Räder, wie das Topstone von Cannondale. Das markanteste Merkmal ist wohl seine „Lefty“-Gabel. Das Prinzip ist alles andere als neu: Cannondale vertraut schon seit Urzeiten auf sein einarmiges Federgabelkonzept, das im Mountainbikebereich absolut bewährt ist. Im Topstone steckt sozusagen eine abgespeckte Version mit straffen 30 mm Federweg. Sie verleiht dem Bike Komfort, Sicherheit und zudem eine äußerst futuristische Optik. Was die Gabel noch alles kann, dazu später mehr…

Da fehlt doch was? Nein, natürlich nicht. Die „Lefty“ hat halt nur links ein Rohr. Im Mountainbike-Einsatz hat sich dieses Prinzip seit Jahrzehnten absolut bewährt – nun überträgt es Cannondale auf eine abgespeckte Gravel Version.

„Kingpin Suspension“ am Hinterbau: Federung ohne Klimbim

Wie soll denn dieser Hinterbau bitte 30 mm Federweg bieten? Rein optisch sieht der Rahmen beinahe aus, wie ein normales Hardtail ohne Federung. Nur der obere „Drehpunkt“ in der Verbindung zwischen Sitzstreben und Sitzrohr macht neugierig. Wozu ist dieser Drehpunkt da, wenn ansonsten keinerlei Lager, keine Feder und kein Dämpfer zum Einsatz kommen? Die Antwort auf diese Frage ist im Prinzip ganz simpel (was für die technische Umsetzung sicherlich nicht gilt): Der Rahmen selbst sorgt für die Federung. Im Sitzrohr, in den Sitzstreben und im hinteren Oberrohrbereich sind sogenannte „Flezonen“ eingearbeitet, die dafür sorgen, dass sich der Rahmen in einem genau definierten Bereich gewollt verwinden kann. Carbon macht’s möglich: Der Werkstoff ist an den entsprechenden Stellen so dimensioniert, dass der Rahmen flexen kann, ohne dass darunter das Material leiden soll. Zugegeben: Cannondale ist längst nicht mehr der einzige Hersteller, der diese Eigenschaft des Carbons nutzt. Sie an einem Gravelbike derart auszureizen, das ist aber durchaus ziemlich besonders.

Ein „Drehpunkt“ an einem starren Rahmen – macht das Sinn? Beim Cannondale Topstone schon, denn in Wirklichkeit ist der Rahmen gar nicht so starr. „Flex“-Zonen in den Carbonrohren und besagter Drehpunkt sorgen für immerhin 30 mm Federweg!

Cannondale Topstone Lefty 3: die „inneren Werte“

Neben diesen ganz offensichtlichen Highlights hat das Topstone allerlei Features zu bieten, die man natürlich auch von außen sehen kann, für die man aber etwas genauer hinsehen muss. Bleiben wir mal zunächst beim Rahmen. Der ist nämlich ziemlich durchdacht und auch für richtige Abenteuer gerüstet: Er besitzt allerlei Befestigungspunkte für Trinkflaschen (sogar am Unterrohr) und für eine Oberrohrtasche. Wenn du magst, kannst du sogar Schutzbleche montieren (per abnehmbarem Adapter). Alle Züge und Leitungen sind fein innen verlegt und der Rahmen ist sogar für die Montage einer Dropperpost (eine absenkbare, hydraulische Sattestütze) vorbereitet. Letzteres ist an einem Gravelbike mit 30 mm Federweg ja gar nicht mal so abwegig und würde seine Offroad-Eigenschaften bestimmt noch ein bisschen herausarbeiten. Die Sattelstützenklemmung ist quasi unsichtbar zwischen Oberrohr und Sitzrohr versteckt und es kommt ein integrierter Steuersatz sowie ein BB30 Pressfit Innenlager zum Einsatz. „Pragmatisch“ ist ganz gewiss anders, technisch und optisch ist der Rahmen dafür ganz weit vorn.

Sieht nicht so aus, als bekäme man hier Schutzbleche dran, oder? Bekommt man aber. Die Gewinde für den notwendigen Adapter befinden sich fast „unsichtbar“ an der Unterseite der Sitzstreben.

Apropos „unsichtbar“: Selbiges trifft auch auf die Sattelstützenklemmung zu. Beinahe jedenfalls: In dieses unscheinbare Loch ist ein 4 mm Inbusschlüssel einzuführen, um die Sattelhöhe zu verändern. Nicht mega praktisch, aber optisch absolut tadellos.

650B: Kleiner Durchmesser, großer Spaß?

Diese Frage versuche ich später noch zu beantworten. Fakt ist: Das Cannondale Topstone Lefty 3 rollt auf 650 B Laufrädern. Der gewonnene Platz wird sogleich in 47 mm breite Gravelreifen von WTB „investiert“: Vorn ist es ein „Venture TCS Light“ von WTB, hinten der fast schon slick-mäßige, aber nicht weniger breite „Byway TCS Light“ aus demselben Hause. Eine Kombination, die optisch ziemlich was hermacht, die allerdings auch neugierig auf den funktionellen Aspekt macht… Die Laufräder sind übrigens von Haus aus tubeless ready, im Testrad auch tubeless aufgebaut.

650b ist das eine – quasi kein Profil das andere. Beides ist zweifelsohne Geschmacksache und ebenfalls Abhängig vom Ort und von der Art des Einsatzes. Sofern dieser Ort feucht oder gar matschig ist, geht der Grip am Hinterrad jedenfalls flöten…

Geometrie und andere Details...

Cannondale sagt, die Geometrie des Topstone sei vor allem für lange Distanzen ideal: „Aufrecht genug für die Langstrecke, trotzdem ausreichend aerodynamisch und vortriebsorientiert“. Das gilt es natürlich noch zu überprüfen. Interessant ist die Info, dass jede Rahmengröße eigens angepasst und abgestimmt wurde. Die Carbonlayer und die Rohrdurchmesser werden also für jede Größe so angepasst, dass das Fahrgefühl für jeden Fahrer und für jede Fahrerin optimal sein soll. Für Techniknerds sei noch erwähnt, dass das Topstone mit einem Sensor ausgestattet ist, der das Bike auf Wunsch mit der kostenlosen Cannondale-App verbindet. Die zeichnet nicht nur gefahrene Strecken auf, sondern erinnert dich zum Beispiel auch an Service-Intervalle oder unterstützt dich bei der Suche nach passenden Ersatzteilen.

Optisch macht die einseitige Vorderradaufhängung definitiv was her! Außerdem hat man so sehr guten Blick auf den Cannondale-Sensor, der das Bike auf Wunsch mit der hauseigenen App verbindet.

Cannondale Topstone: Die Modelle

Insgesamt gibt es acht Topstone Carbon Modelle. Drei davon mit Lefty, diese sind mit 650b Laufrädern ausgestattet. Eines davon ist das „Topstone Carbon Women’s Lefty 3“, der Name verrät es: es ist extra für Frauen. Die fünf weiteren Modelle kommen in unterschiedlichen Preisklassen daher, besitzen aber alle 700c Laufräder und eine starre Carbongabel. Auch hier ist ein Frauenmodell dabei.


Bei den „Lefty“-Modellen gibt es das Top-Modell „Topstone Carbon Lefty 1“ für satte 8.399 Euro – damit ist Paul Voß unterwegs. „Mein“ Testbike, das „Lefty 3“, kostet etwas mehr als die Hälfte davon (4.399 Euro) und ist für Cannondale-Verhältnisse durchaus als erschwinglich zu bezeichnen. Der große Preisunterschied ist durch die Ausstattung begründet: Während das Lefty 3 recht bodenständig aufgebaut ist, kommen am Lefty 1 nur teuerste High Tech Parts zum Einsatz. Superleichte Carbonparts gehören ebenso dazu, wie SRAMs elektronische Wireless-Gruppe „Force AXS“.

Der Einstieg ins Lefty-Glück: das Cannondale Topstone Lefty 3. Dank bodenständiger Ausstattung ist es fast um die Hälfte günstiger, als das Top Modell.

Beim Cannondale Topstone Lefty 1 ist alles eine Nummer (oder auch zwei) edler, teuer und mehr High Tech. Das hier ist übrigens Pauls Bike und an dem ist einiges natürlich auch ganz persönlich umgebaut…

Cannondale Topstone Video

Wenn ein Gravelbike mit Vollfederung ausgestattet ist, dann muss die Frage erlaubt sein: Wie viel Gelände darf es denn bitte sein? Wir sind der Frage einmal auf den Grund gegangen und haben das Topstone im Bikepark Willingen einem kleinen Härtetest unterzogen. 

Zum Video auf Youtube.

Cannondale Topstone Lefty 3 – Technische Daten

Cannondale Topstone Lefty 3 – Der Test

Cannondale Topstone Lefty 3: Setup

Wenn’s mal wieder schnell gehen muss: Das Topstone Lefty 3 kam genau am Vortag meiner Zugfahrt nach Berlin, wo ich mit Paul Voß eine Tour fahren und ein Interview führen wollte. Doch so technisch das neue Topstone auch ist, so einfach und unkompliziert ist es in der Handhabung. Der einzige wirkliche Unterschied zum Aufbau eines „normalen“ Gravelbikes ist ohnehin bedingt durch die Lefty-Federgabel. Zum einen muss der Luftdruck aufs Fahrergewicht abgestimmt werden, zum anderen sollte man sich kurz mit dem Radeinbau und dem Schnellspannmechanismus der vorderen Bremse vertraut machen. Die Einstellung der Sattelhöhe funktioniert gut, allerdings bietet der verstecke Klemmmechanismus allenfalls optische Vorteile. Obacht: Möchtest du den Sattel ausbauen (zum Beispiel für den Transport), solltest du die Klemmkeile im Sitzrohr vor dem Herausfallen sichern. Der Luftdruck der Gabel ist schnell eingestellt, die auf dem Rohr der Gabel platzierte Gewichtstabelle ist sehr hilfreich beim Finden eines sinnvollen Grundsetups. Und das war es auch schon: Das Cannondale Topstone Lefty 3 ist ready to go!

Bevor das zu verwirrend wird, schreibt Cannondale lieber auf die Gabel, wie man sie am besten abstimmt…

Cannondale Topstone Lefty 3: Erster Eindruck

Der erste Eindruck ist doch immer der wichtigste, oder nicht? Da ich das Topstone ja bereits in seiner ersten Auflage gefahren bin, war mein persönlicher erster Eindruck keine wirklich große Überraschung: Das Gefühl auf dem Rad ist sehr gut, ich sitze angenehm komfortabel und dennoch sportlich und das Gesamtpaket fühlt sich auf den ersten Metern hochwertig und effizient an. Und doch gibt es ein paar Veränderungen: Ich rolle auf 650b Laufrädern (im Gegensatz zu 700C) und vorn steckt eine Federgabel drin. Beides spürt man natürlich. Die superbreiten Reifen mit etwas kleinerem Durchmesser verleihen dem Bike einen etwas verspielteren Charakter – die Straße ist ziemlich sicher mit diesen Reifen nicht das Lieblings-Terrain des neuen Topstone! Die Federgabel verhält sich hingegen erstaunlich unauffällig. Sie ist sehr straff abgestimmt und nicht auf super softes Ansprechen ausgelegt, sondern fürs Grobe. Wenn es vorn richtig rumst (zum Beispiel bei einer Bordsteinkante, einem Stein oder einer dicken Wurzel), dann sorgt sie spürbar für Entlastung. Mit diesen ersten Eindrücken biege ich gemeinsam mit Paul auf den ersten Trail im Grunewald ab…

Welches Bike ist schneller: Topstone Lefty 1 oder Topstone Lefty 3? Diese Frage ist schnell beantwortet: Das Lefty 1 ist vieeeel schneller. Was aber ausschließlich daran liegt, dass Paul Voß darauf saß…

Die ersten Wurzeln und Steine...

Eines ist schnell klar: Das neue Topstone Lefty hat dieselben Gene, wie sein Vorgänger. Dank Federgabel und 650b Laufrädern werden die spaßigen Eigenschaften des Gravelbikes noch weiter herausgearbeitet. Besonders cool sind die fast schon Mountainbikeartigen Eigenschaften beim Überspringen von Hindernissen. Die Gabel und der flexende Hinterbau produzieren eine Art „Rebound“, der dabei hilft, aktiv abszuspringen. So lassen sich kinderleich zum Beispiel dicke Wurzeln oder umgefallene Bäume überspringen. Vor allem aber sorgt das für richtig viel Spaß! Erstaunlich: Trotz so viel Flex geht das Bike nach vorne wie eine Rakete! Es fühlt sich steif und effizient an und ich wünsche mir zu keinem Zeitpunkt, doch lieber keine Federung zu haben. Eine innere Stimme sagt mir zwar, dass nur noch ein gerader Lenker fehlt, bis ich wieder auf einem Mountainbike sitze – der Fahrspaß aber widerlegt diese Skepsis: Man mag darüber streiten, ob so viel Technik sein muss. Fakt ist aber, dass dieses Bike total viel Spaß macht.

Soweit meine ersten Eindrücke. Sobald ich weitere Erfahrungen gesammelt habe, werde ich diesen Testbericht noch ein wenig ergänzen.

Wie habe ich getestet?

Wie bei all unseren Tests gebe ich mir größte Mühe, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Bei uns gibt es aber keine Labortests. Unser Test-Prinzip lautet stattdessen: fahren, fahren, fahren! Mit dem Topstone war ich in Berlin unterwegs und bin eine Trainingsrunde gemeinsam mit Paul Voß gefahren. Weiterhin habe ich mit Cannondales Gravelbike den Ruhrpott unsicher gemacht. Hier gibt es ideale Bedingungen für Touren mit dem Gravelbike: Von endlosen Bahntrassen Radwegen bis hin zu ausgewachsenen Mountainbike Trails bekam das Topstone hier die volle Packung Gravel Spaß. Da unser Anspruch ist, mit jedem Testbike mehrere hundert Kilometer zu absolvieren, werde ich diesen Testbericht noch ergänzen, da noch einige Touren mit dem Topstone geplant sind.

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