Enve SES 3.4 Test: Schwarzes Gold für die Straße

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Sie sind leicht, effizient und teuer: Enve Laufräder aus Carbon. Da macht auch der Allround-Aero-Laufradsatz SES 3.4 keine Ausnahme. Wir haben uns gefragt: Lohnt sich eine solche Investition? Und ist ein Carbon-Laufradsatz überhaupt mit dem Wunsch nach einem nachhaltigen Produkt vereinbar? Hier ist unser Enve SES 3.4 Test.

Enve Laufräder sind so ziemlich das edelste (und teuerste), was man seinem geliebten Fahrrad gönnen kann. Da kommen sofort Fragen auf: Lohnt es sich überhaupt, für einen Laufradsatz so viel Geld auszugeben? Wir als lifeCYCLE Magazin fragten uns auch: Muss ein Laufradsatz aus Carbon denn wirklich sein? Schließlich haftet dem Verbundfaserwerkstoff nicht unbedingt ein besonders „grünes“ Image an. Viele Fragen – wenig Antworten: Wenn man versucht, im Fahrradbereich so etwas wie einen ökologischen Fingerabdruck zu erstellen oder Lieferketten zu hinterfragen, steht man ziemlich tief im sprichwörtlichen Wald. Es gibt schlichtweg keine Normen oder Prozesse, die Licht ins Dickicht der Fahrradindustrie bringen. Für meinen Enve SES 3.4 Test waren also nicht nur die Fahreigenschaften wichtig, sondern ich wollte auch einen Blick auf die Entstehung des Produkts werfen.

Hinterfragt

Carbon und Nachhaltigkeit?

Muss ich mich also auf typische Aussagen verlassen wie: Stahl ist nachhaltiger als Aluminium und Carbon geht gar nicht? Oder lohnt es sich, die Sache doch etwas differenzierter zu betrachten? Ich habe die Anfrage von Enve, ob ich nicht mal einen ihrer Laufradsätze ausprobieren wolle, jedenfalls zum Anlass genommen, mal etwas tiefer in diese Problematik einzusteigen. Und weil es eben keine Normen und auch keine wirklich verlässlichen Studien in diesem Bereich gibt, blieb mir nichts weiter übrig, als ganz viele Fragen zu stellen. Diese habe ich einerseits direkt an Enve gerichtet, weil ich gerne wissen wollte, wer eigentlich hinter dieser Firma steckt und wie sie so tickt. Zum Anderen wollte ich aber auch mal ein paar eher Objektive Informationen zum Thema bekommen, weshalb ich mich an einen Experten für „Sustainable Supply Chains“ – also nachhaltige Lieferketten – gewendet habe: Prof. Dr. Karsten Kieckhäfer von der Fernuni in Hagen. Beide wirklich interessante Interviews findest du in unserer Ausgabe #12, passend zum Enve SES 3.4 Test auf dieser Seite. So kannst du dir selber eine Meinung bilden und dir die Frage beantworten, ob so ein sündhaft teurer, aber zugegebener Weise auch ziemlich hübscher Laufradsatz von Enve für dich infrage kommt.

lifeCYCLE Magazine #12

In unserer Ausgabe 12 findest du ausführliche Interviews zum Thema Enve/Carbon und Nachhaltigkeit: Wir haben bei Enve direkt nachgefragt und uns mit Prof. Dr. Kieckhäfer, einem Experten in Sachen „Nachhaltige Lieferketten“ von der Fernuni Hagen getroffen. 

Technische Infos

Enve SES 3.4 Test: die Facts

Nun aber mal Butter bei die Fische. Um welchen Laufradsatz geht es überhaupt? Es ist Enve’s SES 3.4, sozusagen der Klassiker unter den Enve-Rennrad-Laufradsätzen mit aerodynamischem Profil und breit gefächertem Einsatzbereich – genau richtig für einen Hobby-Allround-Rennradler wie mich. Diesen Laufradsatz stecke ich in mein „altes“ Giant TCR, das immerhin schon acht Jahre auf dem Buckel hat und dessen Originallaufräder ziemlich durch sind.

Bevor es losgeht, werfen wir mal einen Blick auf die „Facts“. Da wäre zum einen das Gewicht: 1.469 Gramm bringt der Satz auf die Waage, mit edlen Enve Carbonfelgen und mindestens genauso edlen Chris King Naben. Die Felgen sind 27,5 mm (außen) beziehungsweise 21 mm (innen) breit und besitzen ein tiefes Aero-Profil: Vorn sind es 38 mm, hinten sogar 42 mm. Der Laufradsatz ist mit leichten Sapim CX Ray Speichen aufgebaut, die vorn radial eingespeicht sind. Dort sind sie 272 mm lang, hinten sind es 276 mm/274 mm. Ich fahre den Laufradsatz passend zu meinem Bike in der Version für Felgenbremsen und Schnellspanner. Zusammen wechseln dafür rund 2.500 Euro den Besitzer – uff!

Edel, schön und einfach hübsch: Naben von Chris King. Wenn sie dann noch radial eingespeicht werden – ein Träumchen!

Die Felgen kommen mit Aero-Profil. Vorn ist die Felge 38 mm tief, hinten sogar 42 mm.

Dafür bekommt man aber auch einiges geboten. Schon der Einbau macht Spaß – wie könnte es auch anders sein, wenn man solch edle Teile in den Händen hält? Alles passt, die Reifen flutschen sicher ins Felgenbett  und mein Giant sieht aus wie ein neues Fahrrad! Es ist der Wahnsinn, was so ein Laufradsatz optisch ausmacht. Ratet mal, wie lange es dauerte, bis ich die erste Tour fuhr? Genau: Keine fünf Minuten.

Okay, „hässliches kleines Entlein“ ist vielleicht etwas zu hart. Aber „vorher“ sieht man Martins TCR schon die Jahre an, die es auf dem Buckel hat…

Nachher ist es der wunderschöne Schwan, oder etwa nicht? Was so ein neuer Laufradsatz (und ein besseres Foto) ausmachen können…

Testeindrücke

Enve SES 3.4 Test: On the Road!

Schnell umgezogen – und ab gings. Allerdings beschlich mich schon nach wenigen Metern das ungute Gefühl, dass ich mir vielleicht doch etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen, um wenigstens kurz die Einbauanleitung zu lesen. Dann wäre mir nämlich aufgefallen: Ich hätte nicht nur die Laufräder, sondern auch die Bremsbeläge tauschen müssen. Zum einen ist das Teil der Garantiebedingungen: Man muss die passenden Enve-Pads fahren. Zum anderen wäre mir dann dieses richtig peinliche, extrem laute Quietschen erspart geblieben, das dafür sorgte, dass ich möglichst die Finger von den Bremsen ließ. Am Ende war ich noch glücklich, weil ich keinen Platten hatte. Passende Schläuche mit entsprechend langem Ventil hatte ich nämlich aufgrund der großen Euphorie auch nicht dabei.

Die nächste Runde für meinen Enve SES 3.4 Test ging ich also ein bisschen strukturierter an. Und siehe da: Mit gutem Gefühl (weil ein Schlauch im Gepäck war) und ohne Quietschen konnte ich die Fahrt nun vollauf genießen. Und wie: Allein dieses Geräusch beim schnellen Rollen. Oder dieses Geräusch beim Bremsen. Oder dieses Geräusch vom Chris King Freilauf! Es war eine Synfonie der mechanischen Geräusche, die nicht nur mir gefiel: Es dauerte nicht lange, bis einer meiner Mitfahrer mich mit glänzenden Augen anstrahlte, als wir es mal wieder laufen ließen: „Chris King Name?“ – „Jau, wie kommste drauf?“ – „Ja hömma, der Sound!“. Okay: Mir war ja schon klar, dass der Sound gut klingt. Aber dass er echte Fans besitzt, die ihn aus zig anderen Freilaufgeräuschen heraushören können, beeindruckte mich dann doch ein bisschen.

Eine der zahrleichen Fahrten für seinen Enve SES 3.4 Test führte Martin ins Sauerland zur „Bikemeister Nachtschicht“, einem Ersatzevent zum 2020er Rad am Ring. Auch dazu gibt es eine kleine Story in unserer Ausgabe 12.

Eine nächtliche Runde um den Möhnesee? Richtig gut!

Radfahren, wo andere spazieren gehen. Nur halt Nachts. Dann hat man die Straße auch für sich allein und kann sich auf den schönen Sound des surrenden Chris-King-Freilaufs konzentrieren.

Unterm Strich

Enve SES 3.4 Test: das Fazit

Es ist verdammt schwer, als Hobby-Allround-Rennradler, wie ich es nun mal bin, ein vernünftiges Fazit zu so einem Laufradsatz zu formulieren. Ich will es trotzdem mal versuchen. Fakt ist jedenfalls: Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß auf meinem alten TCR. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen fühlen sich diese Laufräder einfach unglaublich präzise und ebenso effizient an. Absolut kein Vergleich zu meinen alten Serienlaufrädern von Giant. Ob ich wirklich schneller damit war, das weiß ich nicht. Es fühlte sich aber so an. Dazu kommt der emotionale Part: Natürlich macht es Spaß, mit so einem Laufradsatz zu fahren. Einem Auto-Nerd macht es ja auch Spaß, mit einem super teuren Sportwagen durch die Gegend zu flitzen. Es wäre jedenfalls vermessen, auf die Suche nach etwas „zum Meckern“ zu gehen, nur damit mein Testergebnis authentischer rüberkommt. Denn ganz ehrlich: Da ist nichts. Dieser Laufradsatz hat mir uneingeschränkt Spaß gemacht.

Ich kann verstehen, dass man nach einfachen Antworten sucht. Aber ich glaube, das Erste, was wir alle begreifen müssen ist: Es gibt keine einfachen Antworten.

Prof. Dr. Karsten Kieckhäfer (im lifeCYCLE Interview, Ausgabe 12)

Vor allem aber ist da noch ein dritter Punkt: Denn nicht nur der Laufradsatz allein hat mir Spaß gemacht. Mit diesem Upgrade steht mein alten Giant wieder wie neu da. Es stand wirklich lange ungenutzt im Keller und ich hatte ernsthaft überlegt, es zu verkaufen. Nun habe ich es neu lieben gelernt und weiß zu schätzen, was es immer noch für ein heißes Eisen ist. Mit so einem Laufradsatz spräche absolut nichts dagegen, es noch lange zu fahren. An den Rädern sollte es jedenfalls nicht scheitern – so ist zumindest mein Gefühl: Enve sichert eine „5-Jahre-Ohne-Ärger-Garantie“ sowie ein „Crash Replacement“ auf Lebensdauer zu. Dem Kleingedruckten nach bedeutet das zwar nicht, dass du immer und ohne Nachfragen alles ersetzt bekommst, aber Enve erweckt doch glaubhaft den Eindruck, dass man sehr darum bemüht ist, seine Kunden auch langfristig fair zu behandeln und so dafür zu sorgen, dass die „Teil der Enve Familie“ bleiben.

Ohne Zweifel: Dieser Laufradsatz ist gut und macht richtig viel Spaß. Aber ist er auch das, was wir unter nachhaltig verstehen? In unserer Ausgabe #12 sind wir auf Spurensuche gegangen…

Last but not least ist da die Sache mit der Nachhaltigkeit. Auch wenn Enve so gut wie gar nicht damit „wirbt“, habe ich dennoch das Gefühl, dass die Firma – vielleicht sogar ohne explizit das Thema Nachhaltigkeit auf dem Schirm zu haben – eine ganze Menge echt gut. Wenn man bedenkt, wie viel man auch in Sachen Alu und Stahl „falsch“ machen kann, komme ich zu einem Schluss: Vielleicht ist gar nicht da Material selbst der springende Punkt, sondern das gesamte Handeln einer Firma. Wo kommen Rohstoffe her? Wie werden sie weiterverarbeitet? Wie ist am Ende die Qualität der Produkte? Viele Fragen, die man sich stellen muss, wenn man Wert auf ein möglichst nachhaltiges Produkt legt. Eine ganze Menge Antworten findest du in unserer Ausgabe #12.

Abschließend meckere ich doch noch kurz: Der Preis dieser Laufräder ist einfach derbe. Ich denke zwar, dass der Gegenwert absolut gegeben ist – trotzdem muss man sich diese Laufräder schlichtweg erstmal leisten können. Abgesehen davon kann ich mir kaum vorstellen, dass man die Anschaffung eines SES 3.4 Laufradsatzes bereuen wird.

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