Das Fahrrad fürs Leben Teil 4 – Busch & Müller Fahrradlicht

Auf der Suche nach einer Beleuchtungsanlage fürs Fahrrad kommt man an einem Namen kaum vorbei: Busch & Müller. Aber sind deren Leuchten auch eine Option, wenn man ein besonders „nachhaltiges“ Rad aufbauen möchte? Und wie sie das sind, soviel vorab! Wir haben Busch + Müller in ihrem Firmensitz am Rande des Sauerlands besucht und spannende Einblicke in ein Unternehmen bekommen, für das der Begriff „Nachhaltigkeit“ alles andere als ein Modewort ist.
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Das Fahrrad fürs Leben Teil 4 – Busch & Müller Fahrradlicht

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Auf der Suche nach einer Beleuchtungsanlage fürs Fahrrad kommt man an einem Namen kaum vorbei: Busch & Müller. Aber sind deren Leuchten auch eine Option, wenn man ein besonders „nachhaltiges“ Rad aufbauen möchte? Und wie sie das sind, soviel vorab! Wir haben Busch + Müller in ihrem Firmensitz am Rande des Sauerlands besucht und spannende Einblicke in ein Unternehmen bekommen, für das der Begriff „Nachhaltigkeit“ alles andere als ein Modewort ist.
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    Busch & Müller: Fahrradlicht mit Geschichte

    Ihr Herz schlägt für das Sauerland...

    Der letzte Anstieg hat es ganz schön in sich. Oben angekommen, werde ich von einer muhenden Kuhherde freundlich begrüßt und habe beste Sicht auf Meinerzhagen. Meinerzhagen? Von der kleinen Stadt am Rande des Sauerlands hast du noch nie etwas gehört? Das wundert mich nicht. Und trotzdem gibt es einen guten Grund für jeden Radfahrer und jede Radfahrerin, sich diese Stadt zu merken: Busch & Müller Fahrradlicht. Ich sage den Kühen „tschüss“, rolle noch ein Stück bergab und freue mich auf einen spannenden Besuch beim wohl bekanntesten Hersteller für Licht am Rad.

    Wer aus dieser Richtung nach Meinerzhagen kommt, kann den Firmensitz nicht übersehen. Direkt am Ortseingang begrüßt „BUMM“ die Einwohner und Besucher der Stadt mit einer großen LED- Anzeige und mit einer beeindruckenden, modernen Firmenfassade. Ich darf mein Rennrad direkt im Flur parken, neben dem Rad vom Chef, das allerdings eher ein Museumsstück ist, mit dem er wohl kaum selber umherfährt. Immerhin: Ein erstes Indiz auf eine lange Firmenhistorie. 

    Ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Sauerland nicht mehr fern ist: Wenn man von Kühen in Empfang genommen wird… Im Hintergrund: Der Firmensitz von Busch & Müller Fahrradlicht.

    Es begann mit einer Kuh...

    Davon können mir Sebastian Feßen-Fallsehr und Sebastian Göttling, die mich heute umherführen werden, ein Lied singen: „Busch & Müller gibt es schon seit 1925. Damals gründeten Willy Müller und August Busch die Firma aus der Not heraus, weil sie nach abgebrochenen Lehren keinen Job fanden. Also wollten sie auf eigene Faust versuchen, irgendwie Geld zu verdienen. Startkapital war eine Kuh, die ihnen Opa Busch überließ. So lief das damals…“

    Und so legten die beiden los. Sie produzierten alles Mögliche, mit dem man damals Geld verdienen konnte. Eines der ersten Produkte: Katzenaugen aus Glas für Fahrräder. „Damals waren das richtig dicke Glasbausteinklunker. Sie verließen neben Handwaschtrommeln und Bakelitprodukten wie Helmen und Dosen die Firma, für die recht bald elf Leute arbeiteten“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Produktportfolio etwas spezifischer: Man begann Spiegel zu bauen, unter anderem für Motorräder. Das ist heute noch eines der beiden Geschäftsfelder.

    So entstand die Brücke zu Zweirädern. Als die Firma Union in Konkurs ging, nutzte man die Gelegenheit, um die entstandene Lücke zu füllen: Seit den 1980ern baut Busch & Müller Fahrradlicht – damals noch die guten, alten Halogenfunzeln. Seither konzentriert man sich im Wesentlichen auf diese beiden Sparten: Motorradrückspiegel sowie ‚Licht & Sicht‘ für Fahrräder.

    Nabe, Steuersatz & die ersten Schweißnähte

    Wie es weitergeht mit unserem Projekt „Fahrrad fürs Leben“ kannst du in unserer Ausgabe 13 nachlesen. Darin findest du auch viele weitere spannende Geschichten rund ums Gravelbike, Bikepacking und einen nachhaltigen Lebensstil.

    • lifeCYCLE Magazine Ausgabe #13

    Das ist unsere zentrale Firmenphilosophie: Wir machen das selbst. Und alles, was wir nicht selbst machen können, holen wir uns nicht auf dem günstigsten, sondern auf dem kürzest möglichen Weg aus der unmittelbaren Umgebung. Was wir insourcen können, das holen wir uns in unsere eigene Produktion. Im Prinzip machen wir genau das Gegenteil von dem, was die meisten anderen Firmen tun.

    Sebastian Göttling, Busch & Müller

    Fahrradlicht kann auch sexy: Busch & Müller als LED Pioniere

    Die Erfindung der indirekten LED

    „Seit den frühen 1960ern ist Busch & Müller hier auf dem Bamberg ansässig“. Sebastian Feßen-Fallsehr zeigt mir ein Luftbild, auf dem man prima erkennen kann, wie alles anfing. Von oben betrachtet sieht man gut, wie aus einer kleinen Montagehalle der durchaus große Komplex entstanden ist, den ich mir gleich genauer ansehen darf. Die ganze Firma ist langsam gewachsen und mit der Zeit zu dem geworden, was sie heute ist. Dank der Fahrradsparte nahm dieses Wachstum allerdings in den letzten 15 Jahren rasant zu. 

    „Spätestens unsere Erfindung der indirekten LED Beleuchtung sorgte für einen regelrechten Schub“, erzählt mir Sebastian. Obwohl das anfangs gar nicht abzusehen war: „Scheinwerfer für 70 bis 100 Euro, das wird wohl eher ein Nischenprodukt sein. Da waren sich damals eigentlich alle einig“. Von wegen: Diese Leuchten schlugen derart in der Fahrradwelt ein, dass Busch & Müller richtig durchstartete. „Licht am Fahrrad wurde auf einmal etwas Schönes, Ästhetisches – Etwas, auf das man stolz war. Die Zeiten waren vorbei, in denen Licht ein hässliches, unpraktisches, aber notwendiges Übel war.“

    DIY als Geschäftsmodell

    Heute arbeiten beinahe 300 Mitarbeiter bei Busch & Müller Fahrradlicht. Hier, in Meinerzhagen. Busch & Müller ist „made in Germany“ und das aus voller Überzeugung: „Das ist wirklich unsere zentrale Firmenphilosophie: Wir machen das selbst. Und alles, was wir nicht selbst machen können, holen wir uns nicht auf dem günstigsten, sondern auf dem kürzest möglichen Weg aus der unmittelbaren Umgebung.

    Was wir insourcen können, das holen wir uns in unsere eigene Produktion. Im Prinzip machen wir genau das Gegenteil von dem, was die meisten anderen Firmen tun. Aber es ist uns einfach wichtig, sagen zu können: Wir machen das selbst, wir machen das in Deutschland und wir halten die Wege so kurz wie möglich. So halten wir auch die Kommunikationswege kurz und haben unmittelbaren Einfluss auf die Dinge.“

    Plastik ade: Neue Busch & Müller Leuchten werden künftig in regional hergestellten Pappkartons ausgeliefert.

    Kleine Museumstour: So sahen zu Beginn der Firmenhistorie Fahrrad-Reflektoren aus echtem Glas aus…

    Egal, wie viel Platz es braucht: Busch+Müller macht es selbst! Das gilt auch für das Überprüfen der Lichtkegel, was auf dieser 50 Meter langen Teststrecke passiert.

    Busch & Müller: Made in Germany!

    Der Region treu – das schweißt zusammen!

    BUMM arbeitet mit vielen Firmen in der Umgebung zusammen. Das schweißt zusammen, regional besitzt das Unternehmen einen super Ruf. Und es ist praktisch: „Wenn wir mal schnell was brauchen, werden wir nicht vertröstet, sondern uns wird geholfen“. Dementsprechend will man aber auch was zurückgeben. Ganz aktuell, ein tolles Beispiel: „Zur Eurobike fahren wir vor allem auch mit Blick auf unseren langjährigen Messebauer aus der Gegend. Wenn wir dem unseren Stand auch noch absagen, kann er seine Türen abschließen. Bei uns läuft es gerade gut, darum ziehen wir das durch, auch wenn in diesem Jahr die Eurobike aufgrund von Corona ja nicht wie gewohnt stattfindet.“ 

    Ich frage mich, ob das nicht ein ganz schöner Luxus ist. Macht man das hier so, weil man es sich leisten kann oder funktioniert dieses Prinzip wirklich? Die Antwort ist ziemlich eindeutig: „Das funktioniert! Die ganze Firma ist mit dieser Philosophie aufgeladen. Wir sind ‚made in Germany‘ und das ist etwas, was die Leute auch im Handel schätzen. Das heimisch hergestellte Produkt ist ein Pfund, mit dem können und wollen wir wuchern. Und das wollen wir auch niemals anders haben. Es ist absolut undenkbar, dass wir doch mal irgendwie eine Schrauberbude in Asien eröffnen würden.“ Klare Worte.

    Hochmodern: Die hauseigene Spritzgießerei. Hier werden aus feinem Kunststoffgranulat passgenaue Kunststoffteile hergestellt.

    Gelebte Nachhaltigkeit

    Bis jetzt fiel während meines Besuchs bei Busch & Müller Fahrradlicht noch nicht einmal der Begriff „Nachhaltigkeit“. Mir scheint es beinahe, dass das auch gar nicht notwendig ist. Vielmehr finde ich hier eine Art natürliche, traditionelle und gelebte Nachhaltigkeit, die hier einfach praktiziert wird, weil es immer schon so war. Trotzdem spreche ich das Thema nun einfach mal an, insbesondere auch im Hinblick auf ökologische Gesichtspunkte.

    Und tatsächlich macht man sich auch hierzu eine ganze Menge Gedanken: „Das Thema ist natürlich immer präsenter und wir strengen uns von Jahr zu Jahr mehr an. Vor zwei Jahren haben wir unsere Umweltzertifizierung (nach ISO 14001 Umweltzertifizierung, Anm. d. Red.) bekommen. Wahrscheinlich hätten wir das schon viel früher beantragen können. Wir arbeiten hier sehr nachhaltig und das ist auch immer einer der ersten Gedanken, der in Produkte und Verfahren mit einfließt. Wir sitzen jetzt hier im Neubau, der 2016 entstanden ist, der ist ein gutes Beispiel dafür. Der Neubau wird mit dem Kühlwasser aus unserer Kunststoffspritzerei geheizt und dieses Kühlwasser ist Regenwasser, das wir in einem großen Tank sammeln. Ein anderes Beispiel sind unsere Verpackungen: Endlich geht es auch unseren Verpackungen mit Kunststoffblistern an den Kragen. 

    Die sind einfach eine Sauerei. Künftig kommen deshalb FSC zertifzierte Pappkartons zum Einsatz, die von einem Faltschachtellieferanten kommen, der ein paar Kilometer weiter auf dem nächsten Berg ansässig ist. Unser neuer IQ XS Scheinwerfer wird aus kompostierbarem Kunststoff hergestellt. Es sind viele kleine Schritte, die wir künftig in unsere neue ‚Friendly‘-Kampagne bündeln. Friendly besagt: Wir sind als Busch & Müller nachhaltig. Das kann ein Produkt sein, das kann aber auch generell unser Verhalten hier sein. Es ist ein ganzheitliches Konzept, das wir 2020 offiziell vorstellen. Wo wir nur können, wollen wir nachhaltig agieren, was künftig durch ‚Friendly‘ zum Ausdruck gebracht werden soll. Es gibt natürlich immer noch Dinge, die verbessert werden können. Aber solange man das im Blick hat, geht es voran. Wir sind sehr offen für Neues. Wenn Mitarbeiter Ideen haben, dann hören die Chefs zu. So wurden zum Beispiel schon viele unnötige Plastiktütchen wegrationalisiert, Maschinen und Verfahren effizienter gemacht.“

    Die weißen Kugeln waren die Idee eines Mitarbeiters: Sie isolieren die Flüssigkeit in der hauseigenen Galvanik und helfen so dabei, Energiekosten einzusparen.

    Reparieren statt kassieren

    Zum Schluss möchte ich noch wissen, ob Busch & Müller seine Produkte als Wegwerfprodukte auslegt, oder ob man sie reparieren lassen kann. Auch hier ist die Antwort ziemlich eindeutig: „Ja, wir reparieren, wann immer es möglich ist! Da sind wir schon seit Jahren extrem kulant geworden. Wir sehen zu, dass wir alles, was man uns einschickt, reparieren können. Es ist uns eine Ehrensache, dass wir defekte Produkte verwerten und nicht einfach wegwerfen und dass wir jede Rücksendung genau anschauen und auf Herz und Nieren überprüfen. Wir führen Listen, in denen aufgeführt ist, welcher Fehler bei welchem Scheinwerfer wie oft aufgetreten ist. Ziel ist natürlich, diese Fehler auszumerzen.“

    Busch & Müller Fahrradlicht: Der Hausbesuch

    Führung durch die „Heiligen Hallen“

    Endlich folgt der praktische Teil meines Busch & Müller Besuchs. Sebastian Feßen-Fallsehr führt mich durch den Betrieb. Ich bin froh, dass er mich herumführt, denn hier ist es wirklich verwinkelt. Man merkt dem Gebäude an, dass es gewachsen ist und dass hier und da immer mal wieder etwas dazu kam – allein würde ich mich garantiert verlaufen. Hinter jeder Tür verbirgt sich ein anderes spannendes „Universum“: Ein kleines Fotostudio, ein Licht-Labor mit allerlei Testeinrichtungen.

    Sogar ein kleiner Museumsraum ist dabei, in dem ich einen Blick auf die Produkthistorie des Unternehmens werfen kann. Am beeindruckendsten sind aber ohne Zweifel die unterschiedlichen Produktionsräume. Ich staune nicht schlecht, als wir durch die Stanzerei gehen, in der Busch+Müller selber aus Kupferband die kleinen Elektroklemmen stanzt, die zur Verbindung von Elektrokabeln dienen. Sie sind ein sehr anschauliches Beispiel dafür: Hier wird wirklich jedes kleine Teil selbst gemacht.

    Eine von vielen kleinen Maßnahmen bei Busch & Müller Fahrradlicht für den Umweltschutz: Die kleinen „Schaumflocken“ für die Verpackung kommen aus dem Münsterland und werden aus Maismehl hergestellt.

    Made in Meinerzhagen – Ein Werkzeugbau für alle Fälle

    Um das überhaupt zu können, hat Busch & Müller einen ziemlich großen eigenen Werkzeugbau. Hier entstehen mithilfe von hochmodernen Maschinen alle Werkzeuge, Formen und Maschinen, die benötigt werden und die man selber bauen kann. Im Keller darunter darf ich einen Blick in das beeindruckende Archiv von Formen für den Spritzguss werfen. Ein Wahnsinnswert, der hier einlagert und ein beeindruckender Beleg dafür, was Busch & Müller unter ‚made in Germany‘ versteht. 

    Ganz nebenbei lerne ich auch noch eine Menge. Zum Beispiel, wie man mit Ultraschall wasserdichte Schweißverbindungen herstellt und wie kleine Kunststoffplättchen mit einer monströsen Maschine verspiegelt werden, damit sie aus einer kleinen LED einen gleichmäßigen, straßenverkehrsordnungskonformen Lichtkegel erzeugen. Muss ich noch erwähnen, dass natürlich auch eine eigene, 50 Meter lange Teststrecke vorhanden ist, auf der eben jene Lichtkegel geprüft und optimiert werden?

    Busch & Müller – Fahrradlicht fürs Leben?

    Nach meinem Besuch bei Busch & Müller bin ich mir sicher: Eine Leuchte aus Meinerzhagen ist genau richtig für mein „Fahrrad fürs Leben“. Ich freue mich sehr über meine neue „IQ-X“ Frontleuchte und ein schlankes „Line Small“ Rücklicht. Vielen Dank für die spannenden Einblicke!

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