„Das GRANDURANCE definiert den Begriff Straße neu.“ – Eine vollmundige Behauptung der Bikecompany vom Kiez, der wir einmal auf den Grund gehen wollen. Natürlich auf lifeCYCLE-Art: Wir fahren das Grandurance über Stock und Stein zurück nach Hamburg. Hier gibt’s alle Infos und unseren Testeindruck vom knallblauen Alleskönner „Grandurance CX Team.

Inhalt

  1. Optik und Details
  2. Ausstattung
  3. Technische Daten: Ausstattung und Geometrie
  4. Der Fahrt: bring me back home – zurück zum Hersteller nach Hamburg!
  5. Der Test

Optik und Details

Das Modell „Grandurance“ ist noch nicht einmal brandneu. Tatsächlich gab es das Konzept schon seit der Modellreihe 2017. Da hieß es noch „Prime Grandurance“ und war im Vergleich zur 2018er Auflage mehr graue Maus als Rampensau. Mit der Neuauflage kamen auffällige Designs und eine klarere Unterteilung der vielseitigen Plattform in Cross-, Gravel- und Reisemodelle. Grundlage ist eine Allround-taugliche Geometrie, die auf der Straße und im Gelände einen guten Job machen will. Dazu kommt ein aufgeräumt wirkendes Rahmenkonzept, das dennoch viele Optionen bietet, wie zum Beispiel die Montage eines Gepäckträgersystems oder von Schutzblechen. Unser Testbike, ein „Grandurance CX Team“, kommt ohne solche Anbauteile aus. Trotzdem fällt es ins Auge: Die knallblaue Lackierung mit nicht weniger knalligen Gelb-Akzenten ist richtig gut gelungen, viele kleine Design-Elemente zeugen von Liebe zum Detail. „CX“ steht natürlich für Cyclocross und somit repräsentiert dieser Grandurance-Ableger eher den sportlichen Part, was sich im eher agressiven Design und natürlich bei der Ausstattung widerspiegelt.

 

2017 hieß das „Grandurance“ noch „Prime Grandurance“ und war im Vergleich zur 2018er Auflage mehr graue Maus als Rampensau. Mit der Neuauflage kamen auffällige Designs und eine klarere Unterteilung der vielseitigen Plattform in Cross-, Gravel- und Reisemodelle.

 

Bergamont hat einige durchdachte Details in den Rahmen integriert. So zum Beispiel die verschraubten und austauschbaren Einsätze für die interne Zugverlegung. Oder die schöne  Integrierung der Steckachsen vorn wie hinten. Genial Einfach ist die kleine Aussparung unterhalb der Gabelkrone, die ein Mini-Schutzblech aufnimmt. Sieht gut aus und macht Sinn. Alternativ lässt sich eine Lampe befestigen, wie es beim Modell „Grandurance RD“ gemacht wird, das stattdessen mit einem vollwertigen Rundum-Spritzschutz ausgestattet ist. Trotz schöner Details und hochwertigem Carbonrahmen wie aus einem Guss bleibt man in Hamburg preislich auf dem Teppich: Unser Testbike, das „Grandurance CX Team“, schlägt mit 2599 Euro zu Buche, der Einstieg in dieser Kategorie beginnt mit dem „Grandurance CX 6.0“ für 1199 Euro. Noch ein Level darunter liegt das „Grandurance 5.0“ für 999 Euro, allerdings sind hier keine Crossreifen montiert. Der Rahmen ist aber identisch mit dem des „Grandurance 6.0“.

 

 

Ausstattung

Die Ausstattung des „CX Team“ ist nordisch cool. Also: Äußerst zweckmäßig aber nicht verschwenderisch. Schön ist die 1 x 11 „Apex“ Schaltung von SRAM, die im Grunde keine Wünsche offen lässt. Zu erwähnen wären noch der etwas klobig geratene Selle Italia „X-Base“ Sattel und die crossigen Schwalbe Reifen. Vorn entschied man sich für den bissigen „X One bite“ für besten Grip am führenden Vorderrad. Hinten kommt der etwas schwächer profilierte „X One allround“ zum Einsatz. Eine durchdachte Kombination, die man rein vom Prinzip her so aus dem Mountainbike Bereich kennt.

Der ganze Rest, das ist relativ einfach gesagt, kommt aus dem Hause Bergamont. Diese Parts funktionieren, sind absolut zweckmäßig, sehen gut aus aber sind nicht unbedingt über die Maße gewichtsoptimiert. Irgendwie muss man ja den Preis realisieren. Gut 9 kg wiegt das Rad also. Für den Racer sicher zu viel. Für den Spaß-Crosser dürfte dieses Gewicht aber noch absolut im Rahmen sein.

 

Bleiben noch ein paar technische Daten, die erwähnt werden sollten:

  • Bergamont bietet 5 verschiedene Rahmengrößen an: 49, 53, 55, 57 und 61 cm. Nach Adam Riese würde „55“ also dem klassischen „M“ entsprechen. In Wirklichkeit erscheint uns dieses „M“ aber ein wenig groß auszufallen. Wer also sonst immer alles in „M“ kauft, sollte in diesem Fall lieber mal einen Blick auf die kleinere Rahmenhöhe werfen.
  • Rahmen und Gabel besitzen dezent angebrachte Gewinde zur Aufnahme von Schutzblechen und Gepäckträger.
  • Das Bike nimmt bis zu 37 mm breite Reifen auf
  • vorn und hinten kommen 12 mm Schraubachsen zum Einsatz
  • Die Zug- bzw. Leitungsverlegung erfolgt sauber durch den Rahmen

 

 

Technische Informationen

Mehr Infos zum Bergamont Grandurance CX Team gibt´s unter bergamont.com

  • Preis: 2599 €
  • Gewicht: ca. 9,0 kg
  • Rahmen: 700c Grandurance, Ultra Lite High Strength Carbon
  • Rahmengrößen: 49, 53, 55, 57, 61 cm
  • Gabel: Grandurance Carbon, Carbon Steuerrohr, Tapered, 12x100mm Achse, Schutzblechaufnahme
  • Lenker: BGM Pro Road, Drop: 125mm, Reach: 70mm, Flare: 6°
  • Griffe: BGM Race Lenkerband Anti-Slippery
  • Vorbau: BGM Pro Road, -6°
  • Sattel: Selle Italia X-Base
  • Sattelstütze: BGM Pro Road, 15mm setback
  • Bremsen: Sram Apex, hydraulische Scheibenbremse, Flat Mount, Centerline Rotor: 160/160 mm
  • Schaltung: Sram Apex, 1×11-fach
  • Kurbeln: Sram Apex 1, 42t
  • Schaltwerk: Sram Apex 1
  • Kassette: Sram PG-1130, 11-42t
  • Kette: Sram PC-1110
  • Naben: BGM Road, Center Lock, Disc
  • Felgen: BGM Road, 28h, Disc
  • Reifen: Vorne: Schwalbe X-One Bite, Faltreifen, 33-622
    Hinten: Schwalbe X-One Allround, Faltreifen, 33-622
49 53 55 57 61
Reach 365 mm 370 mm 383 mm 392 mm 400 mm
Stack 534 mm 557 mm 581 mm 602 mm 623 mm
Oberrohr effektiv 515 mm 530 mm 555 mm 570 mm 590 mm
Kettenstrebe 425 mm 425 mm 425 mm 425 mm 425 mm
Tretlager Überhöhung 72 mm 70 mm 70 mm 70 mm 70 mm
Lenkwinkel 71 Grad 71,5 Grad 71,5 Grad 72 Grad 72,5 mm
Sitzwinkel 74,5 Grad 74 Grad 73,5 Grad 73,5 Grad 73 mm
Radstand 998 mm 1005 mm 1026 mm 1036 mm 1046 mm

 

Die Fahrt: Bring me back home nach Hamburg

Unser Testprinzip: wir fahren dem Hersteller das Bike nach Hause! In diesem Fall geht´s also direkt nach Hamburg, quasi mitten auf den Kiez, denn da kommen Bergamont Bikes her. Was wir auf der Fahrt erlebt haben und wen wir in Hamburg alles so getroffen haben, erfährst du in Ausgabe 2 unseres Print Magazins. Soviel können wir schonmal verraten: es war sauanstrengend, saulustig und echt spannend! Hier gibt’s für dich alle Tourdaten und mehr Fotos. Die Tour war wirklich schön und ist sehr zur Nachahmung empfohlen. Kann man übrigens auch in mehreren Etappen fahren 😉

 

 

 

 

 

Der Test

 

Erster Eindruck und Setup

 

Der erste Eindruck ist ja der wichtigste, sagt man. In diesem Fall kann das nur Gutes bedeuten. Denn das Rad sieht einfach nur gut aus! Die Farbgebung haut richtig rein, die Formgebung passt und beides zusammen ergibt einen modernen, sportlichen Look, der mir gut gefällt. Ehrlich gesagt ist es kein Wunder, dass ich das Bike erst jetzt so recht wahrnehme. Denn das Grandurance gibt es prinzipiell schon seit der letzten Saison. Da war es nur mausgrau und niemand hat es so recht beachtet. Nun strahlt es in bunten Farben und ist mein Star für die nächsten Tage.

 

Sticht ins Auge: blau-gelb gefällt uns gut.

 

Beim ersten Aufsitzen fällt mir auf, dass es sich tendenziell um ein eher sportliches Rad handelt. Die Geometrie dürfte im Gelände richtig Spaß machen. Ich bin gespannt, was mein Rücken auf der Fahrt nach Hamburg dazu sagt. Mein Hintern äußerst sich sogleich: Der verbaute Sattel ist viel zu dick/weich und muss vorsorglich meinem gewohnten Reisesattel von SQ Lab weichen.

 

Eine Frage habe ich aber noch. Wie ist am Hinterbau die Befestigung von Anbauteilen gedacht? Ich verstehe die Position der oberen Gewinde nicht so ganz. Kurz nachgefragt und schon ist die Antwort parat: „Im Lieferumfang enthalten sind normalerweise die beiden kreisförmigen Bleche, wie auf dem Bild anbei. Einmal verschraubt, nehmen diese die Schutzblechbefestigung auf, sofern die passende Winkelbefestigung vorhanden ist.“ Eine eher pragmatische, als hübsche Lösung. Zum Glück fahre ich mit großer Bikepacking Satteltasche und muss mir darüber keine Gedanken machen.

 

Diese formschönen Bügel werden am Hinterbau verschraubt und können dann ein Schutzblech aufnehmen.

 

Long Distance

 

Eigentlich ist es klar: das „Grandurance CX Team“ ist das sportlichste unter den Grandurance Modellen und ist vor allem für den Einsatz im Gelände gedacht. Darum wäre es einfach unfair, die Crossreifen zu bemängeln. Deshalb lasse ich es auch und lobe sie stattdessen: Ich hätte nicht gedacht, wie gut so ein grob bestollter Reifen rollt. Vor allem aber bietet er einen wahnsinns Grip, was mir immer dann positiv auffiel, wenn ich durch Überbleibsel der Überschwemmungen der letzten Wochen fahren musste. Wenn ich noch länger mit dem Bergamont fahren würde, wäre aber ein Wechsel auf ein etwas schwächer profiliertes Modell nicht schlecht. Bis 37 mm Reifenbreite passen in den Hinterbau – für ein Gravelbike schon beinahe etwas schmal.

 

Ein schöner Hinterbau kann auch entzücken – oder so… 😉

 

Wie eingangs erwähnt, ist die Geometrie eher sportlich. Aber scheinbar ist der Kompromiss gut gelungen: Ich fühle mich auch nach 100 und selbst nach 200 Kilometern noch gut auf dem Rad. Keine Rückenschmerzen, keine bösen Verspannungen. Dafür ist immer dieser Hauch von „Agressivität“ da. Keine Spur von trägem Reiserad. Mit dem Bergamont kannst du Gas geben. Das finde ich grundsätzlich sehr gut so. Aber klar ist auch: Wer ein komfortables Long-Distance-Bike sucht, ist hiermit sicher nicht optimal bedient. Apropos: Bergamont bietet ja mit den „Grandurance RD“ Modellen eine auf Reise und Commuting optimierte Linie mit Alurahmen an. Die kommen dann schon mit Schutzblechen, Beleuchtung und „G-One“ Bereifung.

 

 

Offroad

Wenn CX drauf steht, wird auch CX getestet. In Hamburg habe ich dazu die passende Location gefunden. Schnell die ganzen Taschen ab und los gehts. Und wie! Auf einmal geht das Bike richtig nach vorne. Ich kann richtig reintreten, jede Pedalumdrehung wird in Schub umgewandelt. Vor allem aber ist das Handling wirklich gut. Es macht richtig Spaß, die engen, kurvigen Trails der Location zu befahren, die Stufen hochzuspringen und über die Startgerade zu sprinten. Auch auf der anschließenden Tour durch ein nahegelegenes Moor macht das Rad richtig Spaß. Ein echter Allrounder, der sehr gut zu meinem Fahrstil passt. Ich will mich auch nie festlegen – da passt ein Bike, das überall Spaß macht.

 

 

Vollgas! Das Bergamont zieht mit.

 

 

Fazit

 

Gejammert wird auf hohem Niveau. Am meisten stört mich die eher geringe Reifenfreiheit. Bei 37 mm ist Schluss – ein bisschen mehr wäre schön. Der eher überschaubare Spritzschutz des vorderen Schutzbleches gerät aufgrund der schönen Optik beinahe ein bisschen in den Hintergrund. Ist aber so: Einen Tick länger/breiter könnte nicht schaden. Ansonsten eine super Idee. Apropos Schutzblech. Die von Bergamont beworbenen Optionen für Anbauteile sind am Carbonrahmen sehr überschaubar und beschränken sich im Prinzip auf die eher nicht so hübsche Schutzblechlösung. Last but not least wäre es cool, wenn man die kleine Kettenführung am Tretlager so umsetzen würde, dass sie auch bei einem 1 x 11 Antrieb was bringt.

 

Auf einer gemütlichen Tour muss man sich eher ein wenig am Riemen reißen. Ohne Gepäck hat das Grandurance auch nichts dagegen, Gas zu geben.

 

Genug gemeckert. Denn es gibt viel mehr Gutes zu berichten. Das Konzept an sich geht voll auf. Das Bergamont trifft den Nagel auf den Kopf für Fahrer/Innen, die so unterwegs sind wie ich. Bloß nicht festlegen, Hauptsache Spaß haben! Das Bergamont ist im Gelände spritzig und aggressiv. Selbst auf anspruchsvollen Trails hatte ich richtig Spaß und immer ein sicheres Gefühl. Bremse auf, laufen lassen, Spaß habe. Hier kommt auch der 1 x 11 Antrieb perfekt zur Geltung. Die Gänge sitzen sicher, die Schaltung ist knackig und präzise. Vor allem aber schlägt die Kette so gut wie gar nicht, wenn man über Wurzeln und Steine rappelt. Kein Vergleich zu einem herkömmlichen 2 x 11 Antrieb, wie ihn der klassische Crosser gern nutzt.

Auf großer Tour ist das Bike gerade eben komfortabel genug, um entspannt zu reisen. In der Stadt oder auf einer kürzeren Ausfahrt freut man sich über den direkten, effizienten Rahmen und kann auch mal richtig Gas geben.

 

Straight from St. Pauli

 

Klingt irgendwie nach der Eierlegenden-Woll-Milch-Sau, oder? So in die Richtung geht das auch. Das Bergamont macht in allen Lebenslagen Spaß. Von Straße bis Offroad, von der Schanze bis zum Pott.

 

 

lifeCYCLE Magazin ausgabe 2

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