Drei Taschen hängen außen, eine verbirgt sich im Inneren.
Unser Test-Setup von Wizard Works

Altes wiederverwenden – das ist doch eine gute Idee! Was dabei herauskommen kann, zeigen die Wizard Works Bikepacking Taschen aus London. Wir haben sie getestet getestet.

Text & Fotos: Martin Staffa

Inhalt – Wizard Works Bikepacking Taschen


1. Allgemeines

2. Setup

3.Shazam! Tasche für Lenker und Sattel

4. Rahmentasche

5. Voila Food Pouch

5. Werkzeugbeutel

6. Fazit

Allgemeines


Kaum ein Trend im Fahrraduniversum ist zur Zeit so stark wie Gravel-Bikes, in Verbindung mit Fahrradtaschen. Das ergibt zusammen die Schublade Bikepacking. Ein genaue Definition dieses Terms gibt es zwar nicht, dafür aber eine ziemlich konkrete Ausstattungsnorm. Die Hauptdarsteller beim Bikepacking heißen daher eigentlich immer „Arschrakete“, Rahmentasche und Lenkerrolle beziehungsweise Lenkertasche. Seit geraumer Zeit gehört auch eine sogenannte Snack-Bag zur Ideal-Ausstattung.

Typisches Bikepacking Setup.
So geht Bikepacking, aber geht es auch gut?

Daneben dominiert natürlich der Trend zum Custom-Design aktuell sehr. Jedes noch so kleine Bauteil am Fahrrad wird an das persönliche Wunschkonzept angepasst. Das reicht vom Speichennippel über die Lackierung, eben bis hin zur eigens kreierten Bikepacking-Tasche. Wizard Works aus London machen genau das: Custom-Design von Fahrradtaschen. Daneben haben sie aber auch ein paar vorgefertigte Produkte im Sortiment, die sich von der Masse durch Style und Funktion abheben. Wir sind auf Wizard Works Bikepacking Taschen aufmerksam geworden, weil sie einen nachhaltigen Ansatz in ihrer Taschenherstellung verfolgen. Mehr dazu steht in unserer Ausgabe #9. Wir haben uns mal ein paar Taschen von Wizard Works genauer angesehen und haben einige Kilometer mit den Taschen zurückgelegt.

Farbspritzer in Neon. Sieht man so vermutlich nirgendwo anders.
Vom Design her 90er mit Stil.
Auch auf ruppigem Untergrund bleibt alles am Rad.
Für Gravel Abenteuer wie gemacht.

Unser Test-Setup


Taschen kann man theoretisch nie genug am Rad haben. Praktisch kommen sich die verschiedenen Behältnisse aber ach gern mal in die Quere. Wir haben uns daher entschieden eine ziemlich besondere Wizard Works Bikepacking Tasche zu testen. Sie trägt den Namen Shazam und kann sowohl als Satteltasche, wie auch als Lenkertasche montiert werden. Das ist zum einen ziemlich cool, da man so unterwegs auch mal etwas am Setup ändern kann, zum anderen passt die Tasche so an verschiedene Räder. Wenn beim Rennrad der Lenker zu eng ist, macht man die Tasche einfach an den Sattel. Mit 180 britischen Pfund (rund 210 Euro, Stand November 2019) ist die Tasche allerdings auch nicht gerade billig.

Ergänzt wird unser Setup durch eine Rahmentasche in der größten Größe (L). Rahmentaschen sind vor allem genial, da sie den Fahrer und den Luftwiderstand kaum stören. Dazu kommt eine Snack-Bag aus der „Re-Use Re-Purpose“ Serie und damit im Thomson-Beutel-Design. Komplementiert wird unser Setup durch die Werkzeug-Rolle, ebenfalls aus der „Re-Use Re-Purpose“ Serie. Somit haben wir also eine große (Shazam-Bag), mittelgroße (Rahmentasche) und zwei kleinere Taschen für unseren Test am Rad.

Die Wizard Works Taschen passen optisch und von der Größe her optimal.
Die Taschen fügen sich hervorragend ins Gesamtbild des Rennstahl 853 Gravel ein.

Shazam! Riesentasche, viele Möglichkeiten.


Der Hauptdarsteller unseres Setups ist klar die Shazam Tasche. Ausgeschrieben ist sie als Satteltasche, aber mindestens genau so gut, wenn nicht so gar noch besser lässt sie sich zwischen den Lenker festbinden. Das Volumen der Tasche ist riesig. Deswegen wirkt sie im leeren Zustand auch erstmal ein wenig behäbig. Wieviel Liter genau reinpassen lässt sich seitens Wizard Works nicht ausmachen. Wir haben alle auffindbaren Trinkflaschen reingesteckt und hatte danach immer noch Platz für einen Helm. Sie dürfte also ganz grob geschätzt, voll ausgefahren um die 30 Liter fassen. Durch die insgesamt vier Verschlüsse lässt sich die große Hauptklappe halbieren, wenn man nicht das gesamte Volumen ausnutzen muss. Dadurch wird sie dann wesentlich kompakter.

Acht Trinkflschen passen locker rein.
Acht Trinkflschen mit 650 bis 950 ml…
Und für einen Helm war danach auch noch Platz.
… plus ein Helm, dann ist die Shazam! fast ganz voll.
In voller Größe ist sie schon wirklich groß.
So sieht die Shazam dann „voll ausgefahren“ aus.

Der große Vorteil gegenüber einer „Arschrakete“ ist, dass man in die Shazam nicht alles langwierig reinstopfen muss. Sie lässt sich durch ihr großes Hauptfach genau so gut wie eine normale Tasche befüllen. Durch die beiden Ösen an der Seite lässt sie sich auch so benutzen, wenn man dort einen Gurt anhängt. Neben dem Hauptfach bietet die Shazam noch zwei kleine Taschen an den Seiten und unzählige Laschen um Dinge daran zu befestigen.

Passt hervorragend zwischen die Lenker-Hörner.
Man sieht ihr gar nicht an, dass sie eigentlich nicht für den Lenker konstruiert wurde.

Apropos befestigen: Um die Tasche am Sattel zu befestigen bedarf es entweder eines kleinen Gestells, Sattellaschen oder einer anderen Vorrichtung. Allein trägt sich die Tasche nicht. Wir hatten die Shazam an einer Eigenkonstruktion (ein Gestell, welches ursprünglich für zwei Flaschenhalter am Sattel gedacht war) und an einem Brooks B17 befestigt. Mit dem Gestell lief es ziemlich gut, die Tasche sitzt fest. Wenn man die Satteltaschen nutzen will (welche man auch nachträglich an Sätteln installieren kann) ist es auf jeden Fall notwendig noch das untere Ende am Sattelrohr mit einem Klettband zu befestigen.

Die Befestigung am Sattel hat uns nicht so ganz überzeugt, der Aufwand, um die Tasche dort dran zu bekommen, ist schon relativ groß. Die meisten von uns fahren sicher keinen Sattel mit Laschen, oder haben Bock darauf, sich eine Haltekonstruktion an den Sattel zu bauen. Klar, damit reibt nichts am Rahmen oder anderen Radteilen, aber so 100-prozentig kann uns diese Lösung nicht überzeugen. Aber wenn mans einmal dran hat, gehts auch.

Die Shazam! mit einem zweckentfremdeten Flaschenhalter.
Wenn man die Shazam! an den Sattel bauen möchte benötigt man eine Haltevorrichtung, oder Sattelschlaufen.

Beim Lenker geht das alles schon viel einfacher. Mit dem mitgelieferten Gummibändern macht man die Tasche einfach dort fest. Wer unbedingt will, kann den Sitz auch noch verstärken, in dem das untere Ende am Fahrrad-Rahmen befestigt wird. In jedem Fall bekommt man die Tasche mit den mitgelieferten Straps richtig gut fest, auch wenn man schwere Lasten in der Tasche hat.

Insgesamt gefällt die Tasche vor allem durch ihre Größe und das super einfache Be- und Entladen. Der Rollverschluss ermöglicht zudem eine gute Anpassung an viele verschiedene Ladevolumen. Uns hat die Tasche am Lenker am besten gefallen. Dort war sie bombenfest und hat sich richtig gut ins Gesamtbild eingefügt. Am Sattel hat die Tasche auch funktioniert, allerdings nur wirklich dann wenn sie drei Haltepunkte hatte. Mit einem kleinen Sattel-Gepäckträger (wie Wizard Works es auch vorschlägt) sollte die Shazam hingegen am allerbesten funktionieren. Dann lässt sie sich auch am einfachsten an- und abmontieren. Kostenpunkt: etwa 210 Euro.

Passt vorn…
und hinten ans Rad.
Die robusten Gummischlaufen sind im Lieferumfang enthalten.

Rahmentasche


Bei der Rahmentasche kann man aus drei Größen auswählen. Die größte kommt mit einer Vielzahl an Laschen, mit der man die Tasche unter dem Oberrohr, am Sattelrohr und dem Steuerrohr befestigen kann. Alle nötigen Halteschlaufen dafür, sind um Lieferumfang enthalten. Bei Bedarf lassen sie sich super einfach auf die richtige Länge zurechtschneiden. Insgesamt gibt es zwei Fächer: Ein großes Hauptfach auf der rechten Seite und ein schmales Nebenfach auf der Linken Seite. Beide sind durch einen durchgängigen und wasserdichten Reißverschluss zu öffnen beziehungsweise zu verschließen.

Das große Hauptfach ist wirklich groß.
Da passt richtig viel rein: Das Stativ wirkt regelrecht verloren.
Handy, Schlüssel, Riegel, all das passt in die linke Tasche optimal.
Praktisch: Auf der anderen Seite ist das Fach für Spiddel un Kleinzeug.

In der Praxis gab es überhaupt nichts zu meckern an der Tasche, ganz im Gegenteil. Sie war auf jedem Trail und in jeder Situation in keiner Weise störend oder schlabberig. Auch die Breite ist super gewählt, weder Oberschenkel noch Wade schleift beim Treten. Die zwei Fächer und der Reißverschluss funktionieren hervorragend. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass das große Hauptfach bei vielen verstauten Kleinteilen schnell unaufgeräumt wirken kann. Eine weitere Verkleinerung durch ein extra Reissverschluss-Fach wäre hier praktisch. Kostenpunkt: 105 Euro (78 Britische Pfund).

Gut zu bedienen: Die beiden Reißverschlussbänder machen das Öffnen und Schließen super einfach.

lifeCYCLE Magazine #9

Diese Geschichte und viele weitere Stories rund ums Thema Fahrrad findet ihr in unserer Ausgabe #9, die ihr ganz einfach in unserem Shop bestellen könnt.

„Re-Use Re-Purpose“ Snackbag Voila


Der kleine Helfer für alle Fälle heißt bei Wizard Works Voila und weil er aus den Beuteln von Thomson-Bike-Parts besteht, ist er echt nachhaltig und außerdem ziemlich einzigartig. Die kleine Tasche lässt sich super leicht am Lenker und dem Vorbau montieren, dazu kommt ein Riemen für die Gabel. Die Tasche bietet eine Vielzahl an möglichen Funktionen. Entweder man bunkert darin Süßigkeiten, Kleinteile wie Handy und Schlüssel, Werkzeug, oder sogar eine Trinkflasche. Wir finden dieses Bikepacking-Utensil ist das wichtigste von allen und Wizard Works hat damit eine super Tasche konstruiert. Richtig gut gelöst ist zum Beispiel der Verschluss. Er lässt sich einhändig öffnen und schließen. Für etwa 65 Euro (54,99 Britische Pfund) bekommt man die Tasche.

Einhändig zu Schließen…
… und zu Öffnen. Bei Food-Pouches nicht selbstverständlich.

Werkzeug-Tasche


Die kleinste und billigste Tasche im Setup heißt Tool Roll, kostet etwa 33 Euro (28 Britische Pfund) und ist einfach dafür gedacht, dass benötigte Werkzeug zusammenzuhalten, damit man es im Fall der Fälle nicht lange Suchen muss. Es gehört ebenfalls zur „Re-Use Re-Purpose“ Serie und kommt daher ebenfalls im Thomson-Look daher. Es bietet drei Fächer und lässt sich durch den Clip-Verschluss auf ziemlich jede Größe einstellen. Da bis auf eine Luftpumpe wirklich alles in die Tasche reinpasst und dann immer alles zusammen bleibt, ist sie für uns zum guten Freund auf fast jeder Fahrt geworden. Wir hatten sie in der Trikotasche, in der Rahmentasche und sogar unter dem Sattel, mit zwei starken Klettbändern montiert.

Werkzeugtasche von Wizard Works, nicht von Thomson.
Diese Werkzeugtasche macht doppelt Sinn. Sie ist nachhaltig und praktisch.
Klein und fein. In der Größe aber variabel.

Fazit


Wizard Works macht einiges anders. Neben der Option auf Custom-Taschen für alle Arten von Fahrradabenteuern bieten die Londoner unterschiedliche Fahrrad-Taschen an. Qualitativ merkt man den Taschen in keiner Weise an, dass sie aus der heimischen Werkstatt und nicht aus der großen Fabrik kommen – im Gegenteil. Die Shazam! bietet viel Platz, bedarf allerdings, um ihr volles Potenzial ausnutzen zu können, etwas Herumprobieren und Üben. Dann allerdings hat man mit ihr eine vielfältige Radtasche. Die Rahmentasche funktioniert einwandfrei und bietet ein super Preis-/Leistungsverhältnis. Die Taschen aus der „Re-Use Re-Purpose“ Serie sind zwar keine Schnäppchen, allerdings bieten sie ein geniales Paket aus Style und Nachhaltigkeit.

Wer jetzt auch alle, oder nur ein paar Taschen bestellen möchte, oder sich seine ganz eigene anfertigen lassen will, den führt dieser Link zum Onlineshop in Richtung London.

Bunter Wald und bunte Taschen, das passt zusammen.
Draußen zu Hause. Die Wizard Works Taschen sehen super aus und sind absolut durchdacht.

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