Sommer, Sonne, Sonnenschein – da bekommt man Durst! Viele greifen dann zur Flasche und trinken Literweise Mineralwasser oder Limos, die mit CO2 angereichert sind. Wir haben uns mal gefragt: Ist das zu Zeiten, in denen alle Welt über Treibhausgase redet, nicht total sinnlos? Oder kann man bedenkenlos Getränke mit „Kohlensäure“ genießen?

lifeCYCLE Chefredakteur Martin ist der Sache mit dem CO2 im Mineralwasser mal auf den Grund gegangen…

Werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Geschichte des Blubberns. CO2 wird Getränken nämlich schon lange künstlich zugesetzt. Erfunden hat’s 1772 der englische Theologe Joseph Priestley, dem es erstmals gelang, Sodawasser herzustellen. Auch heute noch trinken Menschen gerne „Sprudel“. Für dessen Herstellung wird CO2 unter hohem Druck ins Getränk gepumpt. Ein ganz kleiner Teil des CO2 reagiert tatsächlich mit dem Wasser zur Kohlensäure. Der Rest (der umgangssprachlich aber meist als Kohlensäure bezeichnet wird) ist eigentlich nur in Wasser gelöstes CO2. Der ursprüngliche Sinn war, das Wasser dadurch haltbarer zu machen. Tatsächlich erfrischt das CO2 aber auch, indem es die Geschmacksnerven stimuliert.

Joseph Priestley, Erfinder des Soda-Wassers. Foto: Thomas Edward Thorpe

Wir haben uns nun aber gefragt, ob es nicht total dämlich ist, mit CO2 versetztes Mineralwasser beziehungsweise Limo zu trinken. CO2 in die Luft zu rülpsen, nur damit es beim Trinken schön prickelt – das muss doch wirklich nicht sein, oder? Also sind wir mal auf die Suche gegangen und haben folgende Informationen gefunden.

Es gibt scheinbar zwei Möglichkeiten, wie das Sprudeln ins Wasser kommt: Entweder ist es ab Quelle natürlich darin enthalten, oder es wird beim Abfüllen zugesetzt. In diesem Fall wird anscheinend in der Regel CO2 genutzt, das bei anderen Prozessen, wie zum Beispiel dem Bierbrauen, übrig bleibt. Ob das wirklich so ist, können wir natürlich nicht nachprüfen, es würde aber immerhin Sinn ergeben. So gesehen wäre das Wasser jedenfalls nicht primär „schuld“ an zusätzlichem CO2, sondern man müsste woanders ansetzen (zum Beispiel weniger Bier brauen). Realistisch betrachtet wird das wohl eher nicht passieren. Vielleicht wäre es sogar besser, das dabei entstehende CO2 direkt in die Atmosphäre zu blasen – immerhin würde man sich die Energie der weiteren Verarbeitung sparen. Das ist jedoch reine Mutmaßung und auch nicht Thema dieser Geschichte.

Ein Schluck frisches Wasser kommt gerade jetzt im Sommer gut. Aber sollte man es sich mit Blick auf seine Auswirkungen lieber verkneifen? Foto: Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM)

Wie „schlimm“ ist es denn nun, Mineralwasser zu trinken – über welche Dimensionen reden wir überhaupt? Wir haben eine Beispielrechnung gefunden, die davon ausgeht, dass jeder Deutsche am Tag zwei Liter Mineralwasser trinkt, das pro Liter 150 Gramm Kohlensäure enthält. Der Rechnung nach kommt man auf rund 80 Gramm CO2 pro Einwohner und Jahr durch die „Kohlensäure“ im Mineralwasser. Was ungefähr 0,5 Kilometer Autofahrt entspräche – wenn sich niemand verrechnet hat. Das klingt jetzt erstmal relativ wenig, man sollte jedoch auch bedenken, dass diese Rechnung vom möglicherweise nicht vollends objektiven Bundesumweltamt stammt.

Was diese Rechnung außerdem nicht berücksichtigt ist das ganze „Drumherum“, das weniger mit der Kohlensäure an sich, als mit der Tatsache zu tun hat, wie das Wasser zu uns kommt. Das Wasser wird abgefüllt, transportiert, Flaschen werden hergestellt und gespült und am Ende wird alles mit dem Auto nach Hause gekarrt. Alles zusammengenommen hat Leitungswasser also immer meilenweit die Nase vorn – was aber für so ziemlich jedes Getränk aus dem Getränkemarkt gelten dürfte. Leitungswasser wird in der Regel immer lokal gewonnen und kommt über ein bestehendes Leitungsnetz zu euch nach Hause.

Wenn Flasche, dann bitte wiederverwertbare Pfandflaschen, möglichst aus Glas. Getränke aus Einweg-PET-Flaschen sollte man sich, auch wenn’s bequem ist, tunlichst verkneifen.

Ihr seht schon: Auch wenn Leitungswasser in Sachen Nachhaltigkeit die beste Lösung ist, ist das Prickeln im Mineralwasser aus dem Getränkemarkt an sich nicht das Problem, sondern viel mehr der Aufwand, der durchs Abfüllen und durch den Transport entsteht, der genau so aber auch für stilles Wasser anfällt. Wenn es unbedingt Getränke in der Flasche sein müssen, kann jeder etwas dafür tun, um so nachhaltig wie möglich zu agieren:

  • Wählt Getränke von einer regionalen Quelle. Der Transportaufwand ist ein enormer Faktor in Sachen CO2-Bilanz. Hier könnt ihr Mineralbrunnen in eurer Nähe suchen.
  • Entscheidet euch für Mehrwegflaschen aus Glas.
  • Last but not least: Kauft möglichst ohne Auto ein. #einautoweniger
  • Eine ökologisch ganz ordentliche Alternative zu gekauftem Wasser in Flaschen ist übrigens die Herstellung von „Sprudel“ mit entsprechenden Wassersprudlern. Insbesondere in Sachen Transport keine schlechte Option.
  • Ohne Zweifel am besten ist und bleibt es, wenn ihr einfach Leitungswasser trinkt – und ganz nebenbei auch am billigsten!

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