lifeCYCLIST Martin hat mal wieder nachgedacht. Es gibt so viele Probleme. Und es gibt eine so einfache Lösung für viele davon: das Fahrrad. Warum es trotzdem keiner sieht? Hier ist eine gnadenlos subjektive Lobhudelei auf unser Lieblings-Verkehrsmittel.

 

Radfahren ist total super. Aber nicht nur das: Das Fahrrad ist die Lösung vieler Zivilisationsprobleme und ich lache mich regelmäßig darüber kaputt, wenn Politiker über schier ausweglose Probleme diskutieren, deren Lösung doch so einfach sein könnte. Grund genug, hier mal ein lockeres Sammelsurium von Lösungen zu liefern, die einzig und allein diese eine geniale Erfindung liefert: das Fahrrad.

 

Wo soll ich nur anfangen? Erstmal will ich mich ein bisschen aufregen. Das muss auch mal erlaubt sein. Man kommt ja schon kaum noch umhin, täglich mit Diskussionen über grüne, blaue, pinke und sonstwas für Plaketten bombardiert zu werden, die irgendwelche Luftprobleme lösen sollen.

 

Foto: https://www.flickr.com/photos/fahrradfritze

 

„Wir müssen die Feinstaubbelastung dringend senken, damit die Menschen – gerade in den Innenstädten – gesunde, saubere Luft atmen können”, sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes. „Möglichkeiten, die Feinstaubemissionen zu senken, gibt es. Sie müssen nun schleunigst Wirklichkeit werden.” (Quelle: Umweltbundesamt). Damit meint er leider nicht die naheliegendste Lösung…

 

Das Ding ist: Man braucht keine Plaketten. Man braucht auch keine neuen Dieselmotoren und keine Software-Updates. Und schon gar nicht braucht man irgendwelche „emmissionsfreien“ Elektrofahrzeuge. Habt ihr mal drüber nachgedacht, woher die Energie für so ein Elektroauto kommt? Wusstet ihr, dass ein normales Auto mit Verbrennungsmotor 8 Jahre lang fahren kann, bevor es die Umwelt so stark belastet hat, wie die Produktion eines Akkus für zum Beispiel einen Tesla Model S? (Quelle: Focus.de)

 

Foto: Sindre Wimberger / www.flickr.com/photos/sindre-wimberger

 

Habt ihr mal ausprobiert, was Google ausspuckt, wenn man nach Lithium- oder Kupferabbau sucht? Aber bestimmt ist das in echt alles nur halb so wild.

 

So dringend kann es ja auch nicht sein, etwas zu tun. Sonst würde man es ja machen. Denn die Lösung liegt auf der Hand. Wenn Millionen von faulen Wohlstands-Städtern ihre faulen Fettärsche für ihre innerstädtischen Kurz-Fahrten statt auf die Sitzheizung ihres SUV auf einen Fahrradsattel schwingen würden, wären gleich ein ganzer Sack voller Probleme gelöst. Ist aber ja zu anstregend, ich weiß.

 

„Ja aber ich bin doch so krank. Mit Rücken, Pumpe und/oder Übergewicht, das geht doch gar nicht. So kann man doch nicht Radfahren.“

 

Jaaaaa. Aber: Warum ist das denn so? Muss das so sein? Ich hab da mal was recherchiert, das eigentlich jeden irgendwie nachdenklich stimmen sollte.

 

Krankheiten sind ja nicht gut. Also fürs persönliche Wohlbefinden. Aber auch für uns alle. Denn Krankheiten richten volkswirtschaftlichen Schaden an. Laut statista.com ist dieser Schaden erschreckend. Ich hab hier mal die Top-3 Krankheiten aufgeführt. Ich kann die Zahlen schlecht überprüfen, darum glaube ich mal, dass zumindest irgendwas dran ist. Demnach beträgt der volkswirktschaftliche Schaden für Deutschland 2010:

 

  • 17,5 Milliarden (!) Euro durch Chronische Rückenschmerzen
  • 15,5 Milliarden Euro durch Depressionen
  • 11 Milliarden Euro durch Bluthochdruck

 

So gesehen ist krank sein etwas, das man schnellstens abschaffen sollte. Aber das geht ja nicht so einfach. Oder? Natürlich ist mir auch klar, dass man nicht jede Krankheit über einen Kamm scheren kann. Aber viele halt doch. Und jetzt kommt’s: Der ADFC hat sich mal die Mühe gemacht, die wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Auswirkungen des Radfahrens auf den menschlichen Körper zusammen zu tragen. Ein paar davon zitiere ich hier mal:

 

Rückenschmerzen

Radfahren gehört zu den Rücken schonenden Aktivitäten. Es kräftigt die Rückenmuskulatur, versorgt durch körperliche Bewegung die Bandscheibe und stabilisiert die Wirbelsäule durch Stärkung der kleinen Stützmuskeln um die einzelnen Wirbelkörper herum. So werden Verspannungen gelöst. Und regelmäßiges Radfahren kann, richtig angewendet und in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Gymnastik, sogar zur Prävention schwerer Rückenleiden beitragen.

 

Depressionen

Bei Ausdaueraktivitäten (wie dem Radfahren) werden nach 30 bis 40 Minuten Glückshormone – Endorphin und Adrenalin – ausgeschüttet. Depressiven Zuständen oder anderen psychischen Problemen wird so entgegengewirkt. Studien zeigten, dass Patienten Ängstlichkeit und Depressionen durch Ausdauersport reduzieren konnten.

 

Bluthochdruck/Herz-Kreislauf

Regelmäßige körperliche Rad-Aktivität verringert das Risiko einer im mittleren Lebensalter häufig auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankung um das 20fache. Zur sinnvollen Vorsorge empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO fünfmal in der Woche 30 Minuten Bewegung, um dem Bewegungsmangel und den daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen zu wirken.

 

„Ja aber, ich hab doch keine Zeit. Radfahren dauert doch viel länger, als mal eben schnell mit dem Auto was zu erledigen.“

 

Nun. Ich zitiere weiter. Welt Online hat Folgendes recherchiert:

 

„Durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr suchen Autofahrer in Deutschland nach einem Parkplatz. Wie eine aktuelle Auswertung von Inrix, einem Anbieter von Verkehrsanalysen, aufzeigt, summieren sich die verlorene Zeit, der Benzinverbrauch und die zusätzliche Abgasbelastung auf volkswirtschaftliche Kosten von rechnerisch rund 900 Euro pro Autofahrer oder hochgerechnet auf das Land rund 40 Milliarden Euro.“

 

Parkplatzprobleme dieser Art wären überwiegend ein gutes Zeichen. In Münster macht man vor, wie es funktionieren kann. Foto: Martin Donat

 

Laut Bundesumweltamt sind 40-50% der Autofahrten in Städten kürzer als 5 Kilometer. Auf dieser Entfernung ist das Fahrrad nachweislich das schnellste Verkehrsmittel. Mit dem Fahrrad sparst du Zeit und Geld. Und das nicht nur dir, sondern auch mir (siehe volkswirtschaflicher Schaden). Wenn ich das jetzt noch mit dem volkswirtschaftlichen Schaden addiere, der durch die ganzen Krankheiten entsteht, die man durch Radfahren reduzieren könnte, behaupte ich mal: Wer nicht Rad fährt ist nicht nur dumm, sondern aus asozial. Schließlich kostet man so auch seine Mitmenschen eine Stange Geld.

 

„Ja ok aber ich kann mir so ein teures Fahrrad doch gar nicht leisten.“

 

Ich hab da mal was ausgerechnet. Beziehungsweise habe ich rechnen lassen, hab ja auch nicht den ganzen Tag Zeit.

 

Autobild hat mal berechnet, was ein Auto wirklich kostet. Selbst bei einem Kleinstwagen ist es ja nicht mit der monatlichen Leasingrate von 49,99 Euro getan, auch wenn viele sich das so schönrechnen. Also, die Grundannahme: Ein Auto wird 5 Jahre lang genutzt und im Jahr werden damit 15.000 Kilometer zurückgelegt. Ein Renault Twingo (also selbst eine Karre, die noch nicht mal als Statussymbol durchgeht) kostet, alle Kosten zusammengenommen, 358 Euro im Monat oder 28,6 Cent Pro Kilometer. Und du wirst krank und fett.

 

So ein Fahrrad ist halt nicht nur total praktisch und günstig, sondern auch einfach geil 😉 Foto: Martin Donat

 

Auf http://turbohelden.de/kostet-eigentlich-radfahren/ habe ich einen Fahrradkostenrechner gefunden, der allerlei Faktoren realistisch in die Rechnung einbezieht. Selbst ein mit 3500 Euro schon recht teures Bike bringt es auf einen Kilometerpreis von 6,3 Cent. Und man wird fit, gesund und gutaussehend. (Übrigens: zieht man die Möglichkeit in Betracht, ein günstiges Fahrrad zu kaufen, wird es noch viel weniger.)

 

Also, ich fasse zusammen:

 

  • Der Autoverkehr kollabiert
  • Die Luftqualität ist grottig
  • Die volkswirtschaflichen Schäden durch Bewegungsmangel sind massiv
  • Menschen werden fett, krank und unglücklich/depressiv
  • Fahrräder sind oft schneller
  • Fahrräder sind vieeeel billiger
  • Fahrräder sind die Lösung aller oben genannten Probleme

 

Trotzdem kommt fast keiner darauf, diese Lösung vernünftig umzusetzen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Menschen vielleicht doch gar nicht so intelligent sind 😉