SuperCross in München – das bedeutet nicht nur spannende Rennaction, sondern auch ein Expoarea, auf dem verschiedene Hersteller ihre neuesten Produkte zeigen. Viele davon kann man direkt vor Ort ausprobieren. Cannondale hatte unter anderem seine neue Aero-Rakete SystemSix dabei und Chaingang-Fahrer Tim konnte es kaum abwarten, eine Runde darauf zu drehen. Hier ist sein völlig subjektiver Testbericht.

SuperCross in München, das verbindet man mit Matsche, guter Laune und Waffeln am Cannondalestand. Erstes hatten wir aufgrund von sehr fiesem Regen tatsächlich genug. Eher untypisch für ein Crossevent war dann aber meine Radwahl – heiß wie Frittenfett war ich auf das neue Cannondale SystemSix, meine Wahl zum Wochenende, denn ich wollte mir das Crossrennen nur anschauen, dafür aber Cannondales neue Aero-Waffe selber in Ruhe ausprobieren. 

Cannondale SystemSix Hi-Mod Ultegra Di2 | 7499 Euro

Angekommen am Stand, ging es auch fast schon los: Pedalen festschrauben, Sattelhöhe einstellen und natürlich das bereits verbaute Powermeter mit meinem Wahoo „Elemnt“ koppeln. Das Powermeter wird ab Werk inaktiv ausgeliefert und muss, sofern es genutzt werden soll, über die Internetseite von Power2Max aktiviert werden. Dann fallen nochmal Kosten in Höhe von 490 Euro an – bei dem, was der Bock insgesamt kostet, ist das dann vielleicht auch egal?

Das dieses Fahrrad schnell ist, daran lässt schon seine stromlinienförmige Optik keine Zweifel.
„Disc only Design“ – konsequent auf den Einsatz von Scheibenbremsen ausgelegt.

Bei bestem Wetter (Dauerregen, Wind und 3-4 Grad) setzte ich mich dann aufs Rad. Eine Runden von 60 Kilometern im Münchener Norden stand auf dem Programm eine Ausicht, die bei Sonne und Temperaturen im zweistelligen Bereich wesentlich angenehmer erscheint. Zum Testen musste es aber auch so gehen.

Trotz Regen macht sich Tim auf den Weg zu einer kleinen Testrunde.

Das Rad selber machte durch sein Äußeres bereits vor dem Start einen recht schnellen Eindruck auf mich. „Aero is everything“ – das Teil sieht einfach schnell aus, nicht zuletzt aufgrund der 60 mm tiefen Carbon-Laufräder.

60 mm tiefe Carbonfelgen – schnell, aber windanfällig.
Effizienz in seiner Reinform.

Bereits auf den ersten Metern war eins zu meinem persönlichen Ärger klar: Shimanos „DI2“ schaltet deutlich schneller, als eine [meine] e-Tap von Sram. Nach dieser Erkenntnis, die Begehrlichkeiten weckte, konnte ich mich aber schnell mit dem neuen Schaltgefühl anfreunden, fühlte mich wohl auf dem Rad und ergriff folgerichtig den „G“unterlenker. Kleine Erklärung für alle Nicht-Kölner: Gunter ist ein Kölner Radfahrer, der nur den Unterlenker kennt, woraus der Kölsche Begriff „Gunterlenker“ entstanden ist. Trotz aggressiver Lenkerhaltung ließ ich es dennoch erstmal etwas ruhiger angehen, denn die verbauten Vittoria-Reifen waren mir als relativ pannenanfällig bekannt. So rollte ich eher langsam aber sicher aus München herraus.

Wie „ärgerlich“: Shimano’s Di2 kann Tim doch tatsächlich mit präzisen und vor allem schnellen Schaltvorgängen begeistern.

Das Rad zeigte aber auch schon beim lockeren Rausrollen, das Schnelligkeit nicht nur optisch existiert, sondern einfach Realität ist: erfreulich agil und mit ordentlich Vortrieb kam ich voran und konnten gleich mal die Vorteile der kräftigen Scheibenbremsen erleben – denn wer schnell fährt, muss nun mal auch schnell wieder zum Stehen kommen. Und das kann eine Scheibenbremse halt auch im Regen ohne Größe Leistungseinbußen.

Alles aus einem Guss: Vorbau, Lenker und sogar die Radcomputeraufnahme bilden eine windschnittige Einheit.
Blick aufs Cockpit.

Wie bereits oben beschrieben war es auch etwas windig, was sich bei einem Rahmen dieser Form mit 60 mm Laufrädern auch deutlich bemerkbar machte: Die Hände gehören bei so einem Rad ganz klar beide an den Gunterlenker und das am besten die ganze Zeit. Ich denke diese Eigenschaften im Wind kennt so ziemlich jeder, der so hohe Laufräder fährt. Das ist halt so und somit ist dieser Punkt mehr Feststellung als Kritik.

Tim und Gunter.

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Relativ auffällig neben Rahmen und Laufrädern fand ich den Aero Lenker und den Sattel. Die Lenker-/Vorbaukombination, deren beiden Komponenten sich auch einzeln tauschen lassen, fühlt sich gut und wertig an. Allerdings verstehe ich bis heute nicht, warum diese Lenker nur zur Hälfte gewickelt werden – das macht es gerade bei so einem Wetterganz schön rutschig, wenn man auch mal mittig greifen möchte.

Nicht schön, aber saubequem – findet Tim.

Der Sattel… naja, der Sattel. Er ist vom Aussehen her doch sehr gewöhnungsbedürftig (man hat das Gefühl, dass man für so einen Sattel noch Schwimmen und Halbmarathons laufen müsste). ABER, und das hätte ich nie erwartet, er ist unfaßbar bequem und durch seine Form für eine tiefe Sitzposition bestens geeignet.

Tim ist Fan!
Ist aber auch ein schönes Stück Fahrrad, oder?
Dann kann das Rennen ja kommen… 🙂

Nachdem ich nun 60 Kilometer mit diesem Rad zurückgelegt und eine nie erlebte Steifigkeit spüren konnte (die sich besonders im Wiegetritt offenbart), war ich nicht nur Nass, sondern auch echt happy. Ein wirklich mitreißendes und begeisterndes Rad. Wer gerne gemütlich durch die Gegend fahren möchte und die Langstrecke liebt, sollte vielleicht ein anderes Rad wählen oder eine Dauerkarte beim Masseur mitkaufen. Wer sich aber alles geben will und Schnelligkeit als Maß der Dinge sieht, ist mit dem neuen SystemSix bestens beraten. Mein Fazit ist jedenfalls eindeutig: Ich brauche das Rad!

Mehr Infos zum Testrad findet ihr auf der Cannondale Homepage.