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Test: NS Rag+ Road & Gravel

Bei einer Firma wie NS Bikes würde man zunächst nicht darauf kommen, dass sie ein waschechtes Gravelbike auf den Markt gebracht haben. Die Polen sind nämlich stark im Mountainbike Bereich verwurzelt und haben sich bisher noch nicht in den Road & Gravel Bereich vorgewagt. Wir waren gespannt und haben das NS Rag+ mehrere Monate über Straßen, Waldwege und Schotterpisten bewegt!                                                                        

Inhalt

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Das NS Rag+ punktet nicht mit knalligen Farben sondern setzt auf stylisches Understatement mit einer Kombination aus schwarz, braun und Camouflage – well done!

Aufgeregt packe ich den Karton aus – mein erstes Gravel Rad erwartet mich und somit auch jede Menge neue Abenteuer. Bisher bin ich allerdings eher auf dem Mountainbike oder auf dem Rennrad unterwegs gewesen, was zwar beides reizvoll und spannend für mich ist, immer gewünscht habe ich mir aber eine Kombination aus beidem. Das neue NS „Rag+“ sollte also für mich die Brücke zwischen Rennrad- und Mountainbike Touren bringen. Vorab sei noch gesagt, dass ich kein Rennfahrer bin und auch nicht wie lifeCYCLE Kollege Martin hunderte von Kilometern am Stück fahre, aber seitdem das Gravel Rad bei mir im Keller steht, trete ich deutlich mehr in die Pedale als zuvor und entdecke Gegenden, in denen ich noch nicht war!

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Das „NS Rag+“ ist wie der stählerne Kollege im Hintergrund ein BIke fürs Grobe!

Allgemeines

Beim NS ist der Name tatsächlich Programm, denn „Road and Gravel Plus“ bedeutet, dass man neben normalen 700C Rennrad Reifen natürlich auch Gravel Reifen bis zu 40C fahren kann. Selbst MTB Laufradsätze mit 27,5“ Größe sollen hineinpassen und das Bike so unglaublich flexibel machen. Ich habe mich dafür entscheiden die originalen Panaracer „Gravelking SK“ in 40C montiert zu lassen, ein guter Kompromiss aus geringem Rollwiderstand und Grip auf dem Trail. Davon gibt es bei mir am Rande des Sauerlandes nämlich viele und mit dem „RAG+“ kann ich diese nun auch problemlos in einer Tour kombinieren. Mit 179 cm Körpergröße habe ich mich für Größe M entschieden und dies passt wie die Faust aufs Auge.

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Die Panaracer Gravelking Reifen sind die perfekte Bereifung für diese Art von Bike – ordentlich Grip aber gleichzeitig auch kein zu hoher Rollwiderstand.
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Das NS in seinem bevorzugten Habitat – Wald- & Wiesenwege, Schotterpisten und alles was dazu einlädt die Seele abseits überfüllter Straßen baumeln zu lassen.

Technische Informationen

Der Deutschland Vertrieb von NS Bikes wird über www.sports-nut.de geregelt. Die Herstellerseite erreicht ihr hier www.nsbikes.com
  • Preis: 1799,00 €
  • Gewicht: 9,93 kg (ohne Pedale)
  • Rahmen: NS Bikes 6061 T6 custom formed and butted tubes, 142×12 dropouts, fat tire clearance
  • Gabel: NS Gravel+ carbon fork, 15mm dropouts, NS thru axle
  • Steuersatz: GW integrated tapered IS42/52, sealed
  • Vorbau: NS Bikes RAG+, 90/110 mm
  • Lenker: Zipp Service Course 70-Ergo
  • Lenkerband: Velo superlight
  • Bremsen: SRAM Apex hydraulic disc, 160mm rear & front
  • Shifter: SRAM Apex 11spd
  • Schaltwerk: SRAM Apex, 1x11spd
  • Innenlager: Truvativ GXP 73mm
  • Kurbeln: SRAM S350 1x X-SYNC™ 42t, 170/175mm
  • Kette: KMC, 11 spd
  • Kassette: SRAM PG-1130 11 speed 11-42t
  • Felgen: Alex Draw 2.1P Asymmetrical, 32h, tubeless ready
  • Naben: NS Rotary 15 disc (sealed bearing), NS Rotary Cassette 142
  • Speichen: butted 2.0-1.5-2.0 w/ 14mm nipples
  • Reifen: Panaracer Gravel King SK 70x40c, brown side-walls
  • Sattelstütze: Kalloy 30.9
  • Sattel: Octane One Rocket w/hollow cromoly rails
S M L XL
Reach 373 mm 382 mm 391 mm 400 mm
Stack 538 mm 559 mm 587 mm 606 mm
Oberrohr effektiv 538 mm 553 mm 570 mm 585 mm
Kettenstrebe 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm
Tretlager Überhöhung -70 mm -70 mm -70 mm -70 mm
Lenkwinkel 71 Grad 71,5 Grad 71,5 Grad 71,5 Grad
Sitzwinkel 73 Grad 73 Grad 73 Grad 73 Grad
Radstand 996 mm 1007 mm 1026 mm 1041 mm
Modell Preis
RAG+ 1799 Euro

Fahrgefühl

Ich kenne diverse Rennräder und ich kenne unzählige Mountainbikes, einen Vergleich zu einem anderen Gravelbike habe ich allerdings nicht. Ob das entscheidend ist? Ich denke nicht, denn am Ende geht es darum, ob man sich auf einem Rad wohl fühlt oder nicht. Schon beim ersten Aufsitzen kann ich diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich nehme eine Sitzhaltung ein, die ich als „entspannt agressiv“ einstufen würde. Ich habe nach einigen Kilometern einen Spacer unter dem Vorbau entfernt um die Front etwas tiefer, und somit mehr Druck auf das Vorderrad zu bekommen, aber ansonsten passt mir das Rad sehr gut. Ich kann ganz entspannt und ohne Rückenschmerzen oder taube Hände auch lange Touren bzw. Strecken auf der Straße fahren, habe aber sobald es bergab geht und die Reifen sich in den Trailboden krallen mehr als genug Kontrolle über das Rad und kann agressiv Geschwindigkeit aufbauen.

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Der Vorbau ist mit “Road & Gravel” beschriftet – und das passt wie die Faust aufs Auge. ein Spacer weg und schon passt das Cockpit perfekt.

Natürlich ist es eine Umstellung für mich und meinen MTB-Fahrstil kann ich hier keineswegs so anwenden wie ich es gewohnt bin, aber es ist eine tolle Mischung, die mich vor ganz neue Herausforderungen stellt. Vor allem an die ungefederte Front mussten sich meine Arme noch gewöhnen, aber nach einer Weile ging auch das. So kann ich nun relativ ambitioniert in die Downhills gehen oder auch in der Ebene auf Waldwegen ordentlich Druck machen. Das macht mir unglaublich viel Spaß, da vor allem auch Trails auf denen ich mit dem Mountainbike nur wenig Spaß hatte, nun ausreichend Anspruch erheben. Das Heck des „RAG+“ ist schön kompakt und lässt sich so um jede Kurve zirkeln und mit den breiten 40C Panaracer Reifen mit einem recht geringen Luftdruck bekomme ich dennoch ausreichend Laufruhe um nicht ausschließlich über die Wurzeln zu holpern.

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Die vordere Bremsleitung wird intern durch die Carbon Gabel geführt.

Details

Details gibt es an diesem Rad tatsächlich viele, über die es sich zu berichten lohnt, aber beginnen wir doch einfach mit der Optik. Hier hat NS wirklich einen guten job gemacht, denn alle Komponenten, sowie der Rahmen sind optisch aufeinander abgestimmt und bilden einen harmonischen look. Ausreißer sind hier ganz klar die knallbunt eloxierten Naben, die jedoch schon wieder so ausgefallen sind, dass auch sie ins Gesamtbild passen.

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Pimp – mehr gibt es zu den bunten Flip Flop Naben wohl kaum zu sagen.

An ihnen befestigt sind die 160 mm Scheiben der hydraulischen Sram „Apex“ Scheibenbremsen. Diese liefern so enorm viel Bremspower, dass im Prinzip der kleine Finger zum Bremsen reicht – sehr angenehm für jemanden wie mich der diese Bremsen erstens vom Mountainbike gewöhnt ist und zweitens am Rennraad nur mäßig gute Erfahrungen mit Felgenbremsen gemacht hat.

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Die Scheibenbremsen am NS sind eine gute Wahl und liefern Bremspower satt und lassen sich optimal dosieren.

Die bereits angesprochenen Reifen in 40C von Panaracer  haben einen guten Job gemacht, lediglich wenn der Waldboden nass ist, nimmt das sehr kleine Profil zu viel Dreck auf und setzt sich zu, so dass Grip verloren geht und die Tour eher in einer Rutschpartie endet. Die Gabel des „RAG+“ ist übrigens aus Carbon gefertigt. So ist die Front noch einen Tacken steifer und präziser was Lenkbewegungen angeht. Zudem wurde auch die Bremsleitung der Vorderradbremse im Inneren der gabel verlegt – ein optisch wie technisch sehr schönes Detail.

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Die Carbongabel sieht nicht nur gut aus und ist schön steif, sondern führt auch die vordere Bremsleitung intern.

Auch in Sachen Antrieb setzt NS auf Sram‘s „Apex“ Gruppe. Diese ist zwar nicht das Nonplusultra der Schaltgruppen, funktioniert aber auch nach mehrmonatigem Einsatz einwandfrei. Die Übersetzung ist mit 42 Zähnen an der Kurbel und 11-42 Zähnen auf der Kassette human gelöst, auch wenn ich bei steilen Anstiegen ein klein wenig mehr Reserven gebrauchen könnte. Aber man wächst ja mit seinen Herausforderungen und aus diesem Grund wird hier nichts geändert! Einziges Problem: bei einem Sturz hat sich das Schaltauge etwas verbogen und musste mit einer Rohrzange wieder gerichtet werden. Seitdem hört man ein minimales Rasseln am Schaltwerk und das Schaltauge muss noch getauscht werden um dies zu beheben.

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An den Shifter muss man sich zunächst etwas gewöhnen: ein kurzer Klick schaltet runter, ein lang durchgedrückter Klick hoch.

Mit dem Shifter am lenker musste ich mich zunächst erst anfreunden und mich daran gewöhnen – ein kurzer Klick schaltet runter, ein lang durchgedrückter Klick hoch. Zu Beginn kam dies im Eifer des Gefechts schonmal durcheinander, letztendlich habe ich mich dann aber schnell daran gewöhnt. Bei all den positiven Eigenschaften gibt es dennoch einen wichtigen Aspekt der nicht ganz so erfreulich ist. Der Abstand zwischen Kurbel und Kettenstrebe ist extrem gering, so dass sich bei einer Schotterpisten Abfahrt ein Stein dazwischen verkeilt hat und einen ordentlichen Lackschaden angerichtet hat. Hier wäre eine andere Kurbel bzw. eine mit anderem Q-Faktor definitiv angebracht.

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Leider das einzige Manko: der Abstand zwischen Kurbel und Kettenstrebe ist so minimal, dass ein kleiner Stein sich dazwischen verkeilt hat und einen amtlichen Lackschaden angerichtet hat.

NS Rag+: Unser Fazit

Was soll ich anderes sagen, als das mich das Gravel Thema an sich total gepackt hat. Das NS hat dazu einen großen Beitrag geleistet und ich kann mir momentan keinen anderen Begleiter für meine Touren wünschen. Preislich liegt es mit 1799 € dazu absolut im Rahmen. Wenn ihr also ein Gravel Rad für den täglichen Einsatz sucht und euch der Braun-Camo-Look gefällt, könnt ihr euch das „RAG+“ bedenkenlos in den Keller stellen und werdet eine Menge Freude damit haben.

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Der Bremssattel der Hinterradbremse liegt im Inneren des Rahmendreiecks und ist so optimal gegen Defekte bei Stürzen geschützt.
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Der Camouflage Sattel passt nicht nur optisch ins Bild, sondern ist auch tatsächlich schön bequem.
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„NS Rag+“ – Fetter Bagger vs. fettes Bike
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Die Decals sind wirklich schön gemacht.
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Die Liebe zum Detail lässt Herzen höher schlagen
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NS Rag+

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Stephan Peters

Stephan Peters

Mountainbike seit 2000 | Roadbike seit 2010 | Das Auge von lifeCYCLE. Auf der Suche nach dem perfekten Licht, dem perfekten Motiv und der optimalen Stimmung gibt sich Stephan erst zufrieden, wenn alles passt.

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