Das Fahrrad fürs Leben Teil 2 – Bike Fitting

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Das Fahrrad fürs Leben muss vor allem eines: perfekt passen. Es muss sich so fahren, dass sein Besitzer sich jederzeit darauf wohlfühlt. Es braucht eine gesunde Portion Fahrspaß und trotzdem muss die Fahrt komfortabel genug sein, damit der Bund fürs Leben möglichst lange voller Freude und Leidenschaft bestehen kann. Damit das Fahrrad von der Geometrie bis zu den passenden Teilen kein Lotteriespiel wird, gibt es das Bike Fitting.
Grundgedanken

Brauche ich ein Bike Fitting?

Natürlich war mir der Begriff des Bike Fittings geläufig, dennoch hatte ich mich selbst noch nie vermessen lassen. Vielleicht, weil ich der Meinung war, das als erfahrener Radler nicht zu brauchen. Vielleicht, weil ich einfach den Aufwand scheute und weil der Spaß auch nicht ganz günstig ist. Jetzt jedoch war es an der Zeit. Mein „Fahrrad fürs Leben“, das extra für mich gebaut wird, sollte auf einer soliden Grundlage basieren und genau dafür begab ich mich auf die Suche nach einem erfahrenen Bike-Fitting-Experten.

Damit es perfekt passt: Beim Fahrradladen Bergetappe in Essen wird quasi kein Bike mehr ohne vorhergehendes Bike Fitting verkauft.

Wo?

Bergetappe Essen: Profi fürs Bike Fit & mehr

Ich wurde in Essen fündig. Der Radladen „Bergetappe“ ist dort seit vielen Jahren ansässig und hat sich als Profi für medizinisches Bike Fitting einen guten Ruf erarbeitet. Was erstmal wenig spektakulär klingt, ändert sich, sobald man den von außen eher unscheinbaren Radladen in Essen Kupferdreh betritt. Der befindet sich nämlich im ehemaligen Glückauf-Theater und allein diese Location ist durchaus beeindruckend. Doch den wahren Radfreund fesselt vor allem, was Anna Jung und Stephan Klasen daraus gemacht haben. Sobald man die große Treppe in den Hauptteil des Ladens hinabsteigt, taucht man in einen bunten Mix aus zeitgenössischer Fahrradtechnik und Radsport-Geschichte ein, die sich in Form des Opel-Museums an den Wänden, unter der Decke und in jeder freien Ecke präsentiert. Denn neben dem großen Sortiment aktueller Fahrräder und Parts und einem großzügigen Werkstattbereich lebt der ehemalige Radprofi Stephan hier seine Leidenschaft aus: das Sammeln alter Opel Fahrräder, die er, in Stoffhose und Tweed-Cap gekleidet, natürlich auch regelmäßig ausfährt. Doch das ist eine ganz andere Geschichte…

Sobald man die große Treppe in den Hauptteil des Ladens hinabsteigt, taucht man in einen bunten Mix aus zeitgenössischer Fahrradtechnik und Radsport-Geschichte ein, die sich in Form des Opel-Museums an den Wänden, unter der Decke und in jeder freien Ecke präsentiert.

Martin Donat

Heute geht es ums Bikefitting und somit um den eigentlichen Grundgedanken hinter „Stepps“ und Annas Laden: Fahrräder zu verkaufen, die perfekt zu ihren Besitzern passen. „Heute verkaufen wir kaum noch Fahrräder ohne vorheriges Fitting“, erklärt mir Anna und unterstreicht damit den hohen Stellenwert dieser Spezialität der Bergetappe. Wer jetzt denkt, ich würde nur ein bisschen vermessen, um später an meinem Rad ein paar Teile wie Sattel und Lenker anders zu positionieren, der irrt gewaltig. Hinter diesem Bikefitting steckt offenbar eine Menge Know-How und im Fall der Bergetappe ein fundierter medizinischer Hintergrund. Denn Anna ist Ärztin, hat jahrelang in Krankenhäusern und später als Allgemeinmedizinerin gearbeitet. Als der Radladen ins Leben gerufen wurde, schaffte sie weiterhin als Ärztin und unterstütze Stephan teilzteit in der Bergetappe, was natürlich sehr stressig war und irgendwann eine Entscheidung erforderte. Sie entschied sich für die Bergetappe und bringt seither ihre gesamte medizinische Kompetenz ein, um Radsportlern und Hobbyradlern ein effizienteres, komfortableres und vor allem schmerzfreies Fortbewegen zu ermöglichen.

Radladen oder Museum? Bei der Bergetappe lohnt es sich auf jeden Fall, etwas mehr Zeit einzuplanen…

Fahrräder von Opel sind Steps Steckenpferd.

Ob alt oder neu, im Radladen Bergetappe wird allen Fahrrädern (und ihren Besitzern/Besitzerinnen) geholfen. 🙂

Falls du mal warten musst…: Bis dein Bike Fitting beginnt, wirst du in der Bergetappe keine Langeweile erleiden

Erfahrungsbericht

Bike Fitting: Der Ablauf

Mein Fitting beginnt dann auch ganz anders, als ich es erwartet hatte. Bevor irgendetwas vermessen wird, komme ich mir ein bisschen vor, wie beim Arzt. Anna erstellt die Anamnese und macht sich einen genauen Eindruck meiner sportlichen Vorgeschichte, inklusive großem Notizzettel, auf dem ich selber kaum etwas lesen kann – wie es sich für eine Ärztin gehört. Sie will von mir wissen, wie ich fahre, wo ich fahre, welche Beschwerden ich dabei habe und welche Verletzungen ich bereits hatte. Außerdem untersucht sie eingehend meinen Bewegungsapperat, beginnend bei den Füßen und Sprunggelenken, knöpft sich die Knie vor und endet bei der Wirbelsäule. Dabei stellt sie – sehr zu meiner Freude – fest, dass meine durch Kreuzbandrisse lädierten Knie offenbar fachmännisch zusammengeflickt wurden, aber auch, dass ich einen Senk-Kniefuß habe, links mehr als rechts. Wir gehen der Ursache des sporadischen Einschlafens meiner Hände auf die Spur und versuchen herauszufinden, warum ich auf langen Fahrten oftmals ein unangenehmes Stechen im Nackenbereich verspüre, das mir irgendwann die Lust am Weiterfahren raubt. Am Ende ergibt eine ziemlich lange Liste meinen Befund. Und erst jetzt gehen wir auf die Suche nach der optimalen Position auf dem Rad, die das Ziel haben soll, möglichst viele dieser Probleme in den Griff zu bekommen. Ich bin jetzt schon gespannt, ob das wirklich alles hilft. Anna hingegen ist sich sicher: „Das wirst du merken“.

Natürlich geht es am Ende (auch) um die perfekte Sitzposition auf dem Fahrrad. Auf der Suche danach hilft dieses Gerät: Der Bike Fit „Guru“.

Dank ihres medizinischen Hintergrunds ermittelt Anna Jung im Rahmen ihres Bike Fittings weit mehr als nur ein paar Maße. Bevor es losgeht, gibt’s erstmal einen „Bodycheck“.

Genau vermessen: Anna vom Radladen Bergetappe in Essen weiß genau, wie man zum perfekten Bike Fit kommt.

Nun nehme ich auf dem „Guru“ Platz, einer Art Fahrradergometer, der sich in sämtlichen Parametern genau einstellen lässt. Dabei kredenzt mir Anna eine Art Blindverkostung, indem sie nacheinander Veränderungen vornimmt und von mir wissen will, wie sich das jeweils anfühlt. Auf diese Weise soll ich möglichst unvoreingenommen bleiben, sodass wir sozusagen bei Null anfangen und ich nicht zum Beispiel von meiner aktuellen Rahmengeometrie beeinflusst werde. Anna beginnt mit der Satteleinstellung, macht mit der Lenkerposition weiter, führt eine Sitzdruckanalyse durch und probiert dabei unterschiedliche Sattelmodelle aus. Sie kommt der richtigen Kurbellänge auf die Spur, lässt mich virtuell bergauf und bergab fahren und knöpft sich zum Schluss noch die Position meiner Pedalcleats vor. Ich bin sehr erstaunt, wie detailliert sie auf wirklich jeden Kontaktpunkt zum Fahrrad eingeht und wie lange das Ganze tatsächlich dauert: Wir sind mehr als drei Stunden beschäftigt. Am Ende habe ich nicht nur konkrete Geometrieempfehlungen, sondern eine lange Liste von Vorschlägen, die mir das Radfahren angenehmer gestalten sollen. Dazu gehören auch Tipps für Muskelaufbauübungen, Hinweise auf die für mich optimale Lenkerform, die Empfehlung für orthopädische Schuheinlagen und sogar der Vorschlag, mich mal nach einem anderen Bürostuhl umzusehen. „Denn“, so erklärt mir Anna, „viele Probleme, die sich beim Radfahren zeigen, haben ihre Ursache ganz woanders.“

Was kostet so ein Bike Fitting und wie lange dauert es?

Grundsätzlich gibt es in der Bergetappe unterschiedliche „Pakete“. Martin bekam ein „Premium Projekt Fit“, welches darauf abzielt, die optimale Geometrie für das Wunschrad – in diesem Fall ein Maßrahmen – zu finden. Nach einem Bodyscan wird die optimale Geometrie vor allem mithilfe eines Guru Fit Systems ermittelt. Das Programm dauert rund drei Stunden und kostet 265 Euro. Einfachere Fitting-Methoden sind ab 75 Euro zu haben. Alle Infos findest du unter hier.

Am Ende steht eine genaue „Diagnose“ sowie ein detailliertes „Rezept“, mit dem Martin zum „Fahrrad-Apotheker“ seiner Vertrauens gehen kann.

Unterm Strich

Bike Fitting: Das Fazit

Was bedeutet das nun für mein „Fahrrad fürs Leben“? Zuerst einmal  habe ich nun eine klare Geometrieempfehlung, die Alex von Portus Cycles, der meinen Rahmen bauen wird, als „Masterplan“ dient. Außerdem gibt es eine klare Sattelempfehlung und ich kann mich schonmal auf die Suche nach einer passenden Sattelstütze sowie dem optimalen Lenkermodell begeben. In jedem Fall bin ich heute meinem Fahrrad fürs Leben ein ganzes Stück näher gekommen – es nimmt langsam konkrete Formen an und ich kann es kaum erwarten, weiter an seiner Umsetzung zu arbeiten.

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