Man kann ja sagen was man will, aber wenn der Sattel nicht zum Fahrer passt, kann das Fahrrad noch so schön sein und es kommt trotzdem keine Freude auf. SQlab hat sich das Thema Ergonomie schon lange auf die Fahne geschrieben und wir haben den  SQlab 612 Ergowave active Carbon Sattel nun getestet!

Ich würde nicht sagen, dass ich ein „Vielfahrer“ bin, trotzdem mache ich mehrmals die Woche eine Tour. Lange Zeit hat mich das Thema Ergonomie nicht wirklich tangiert und ich habe immer gedacht „Passt schon!“. Letztlich hatte ich allerdings regelmäßig Probleme mit Taubheitsgefühlen und auch mehrfaches Verändern der Sattelposition half nicht. Erst dachte ich es läge an der Bib-Short, als jedoch auch dort eine neue, besser sitzende Variante keine Verbesserung brachte ging ich das Thema mit dem Sattel an. Nach einem langen Gespräch mit SQlab Markenbotschafter Tibor Simai war die theoretische Lösung schnell gefunden: SQlab 612 Ergowave active Carbon. Tibor setzte mich auf den SQlab Hocker und nahm Maß – 15cm stehen meine Gesäßknochen auseinander, so dass für mich nur das größte Sattelmodell in Frage kam. Wenige Tage später klingelte der Postbote und brachte den neuen Sattel und wie ihr euch sicher denken könnt, war ich mehr als gespannt!

 

sqlab 612 ergowave active carbon

Der SQlab 612 Ergowave active Carbon macht auch in der größten Größe eine schlanke Figut und trägt nicht zu dick auf.

 

In der Hand:

Mit dem SQlab 612 Ergowave active Carbon habe ich mich für das Flagschiff entschieden. Knapp 230 Euro sind eine Menge Geld aber schon allein der erste Eindruck stimmt mich positiv. Der Sattel ist extrem hochwertig verarbeitet und auch der Materialeinsatz lässt keine Wünsche offen. Das erste was mir rausrutscht ist: „Boa ist der leicht!“ – 189 Gramm mögen für den ein oder anderen Gewichtsfetischisten vielleicht zuviel sein, unter Berücksichtigung seiner ergonomischen Fähigkeiten ist dies aber durchaus ein mehr als respektabeles Gewicht! Klar zu erkennen ist natürlich auch das Hauptmerkmal des Sattels, nämlich die Vertiefung zwischen den zwei Polstern für die Sitzknochen. Hier sollen die männlichen Kronjuwelen Platz finden und so nicht dauerhaft „plattgesessen“ werden. Ich war mehr als gespannt und erhoffte mir längere Fahrten ohne Taubheitsgefühl.

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Hier bestens zu sehen: die heruntergezogene Sattelnase und das stark ansteigende Heck für mehr Halt

Montage:

Eigentlich gibt es zur Montage nicht viel zu sagen, außer, dass man beim Festziehen der Schrauben vorsichtig sein sollte – immerhin sind die Sitzstreben aus Carbon und vertragen keine rohe Gewalt mit dem 30 cm langen Inbusschlüssel auf Anschlag. Zusätzlich achtet darauf, dass eure Sattelstützen Klemmung mit der ovalen Form der Carbon Sattelstreben kompatibel ist.

 

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Carbon statt Kondition – der Spruch ist zwar abgedroschen und entspricht nicht der Wahrheit, schön sind diese Carbon Streben dennoch.

 

Der Testbericht:

Laut Herstellerhomepage ist der gewichtsoptimierte 612 Ergowave active Carbon auf die Bedürfnisse des Racers im Bereich Rennrad und Mountainbike konzipiert. Aber was genau bedeutet das und sind diese Vorteile wirklich spürbar?

Die heruntergezogene Sattelnase bringt dem Fahrer in Kombination mit der Vertiefung in der Sattelmitte Entlastung für den Dammbereich, so SQlab. Ein wichtiger Aspekt, denn nicht selten klagen Fahrer über einschlafende Kronjuwelen was bei regelmäßigen Fahrten zum Einen sehr störend ist und sich zum Anderen auch auf die Potenz des Mannes auswirken kann. Und was soll ich sagen, nach mehreren hundert Kilometern bin ich von dieser Kombination begeistert und habe tatsächlich spürbar weniger Druck im Dammbereich

Ebenfalls spannend ist das hochgezogene Heck in Kombination mit der wellenartigen Form des Sattels. Diese beiden Faktoren sorgen dafür, dass man beim Fahren nicht nach hinten rutscht und lassen einen so immer in der optimalen Position sitzen. Was in der Theorie schon gut klingt, macht sich auch beim fahren bemerkbar. Sonst fange ich nach einigen Kilometern immer an auf dem Sattel hin und her und vor und zurück zu rutschen um meine Position zu verbessern bzw. zu optimieren. Mit dem 612 Ergowave active Carbon gehört dies der Vergangenheit an. Egal ob ich entspannt auf dem Ruhrtalradweg pedaliere oder aggressiv im Arnsberger Wald auf Gravel & Cross Mission gehe, mein Hinterteil bleibt immer an Ort und Stelle!

Durch die gute Ergonomie ist es zudem nicht notwendig ein super weiches Sattelpolster zu verwenden, im Gegenteil, der Sattel bzw. dessen Polsterung ist relativ straff und dünn bemessen. Das spart zum einen Gewicht, reicht zum anderen aber auch völlig aus um ein komfortabeles Gefühl zu haben.

Nicht zu vergessen ist die „active“ Technologie, die aus Elastomeren besteht, die unter dem Sattelheck zwischen den Sattelstreben angebracht werden. Diese Elastomere gibt es in drei verschiedenen Härtegraden so dass man sie entsprechend der eigenen Vorlieben anpassen kann. Aber was genau bewirkt diese Technologie? Das habe ich mich auch gefragt und habe es mir genau erklären lassen. Mit Hilfe der „active“ Technologie folgt der Sattel den Tretbewegungen (je nach Elastomerhärte mehr oder weniger) und entlastet so nicht nur die Sitzknochen, sondern mobilisiert auch die Bandscheiben und erhöht dementsprechend den Komfort. Beim normalen Pedalieren ist dies nicht wirklich spürbar, legt man es aber drauf an und verlagert das Gewicht je nach Pedalumdrehung ein wenig mehr nach links oder rechts kann man diesen Effekt wiederum deutlich spüren. Es ist also eher ein unterschwelliger Effekt, der jedoch im Gesamtpaket dazu beiträgt den Komfort deutlich zu erhöhen.

 

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Gut zu erkennen – das graue ist ein austauschbarer Elastomer der dafür sorgt, dass der Sattel euren Tretbewegungen folgt (je nach eingesetztem Elastomer mehr oder weniger)

 

 

Fazit:

Ich bin die Sattelthematik angegangen, weil ich Probleme mit einschlafenden Füßen bzw. Zehen hatte und mit Hilfe des SQlab 612 Ergowave active Carbon sind diese Probleme fast wie weggeblasen. Nur noch gelegentlich und nach längeren Fahrten spüre ich ein leichtes Kribbeln, allerdings ist es kein Vergleich mehr zum Gefühl welches ich mit anderen Sätteln hatte. Ich habe nun mehr Sitzkomfort und „quäle“ mich nicht schon nach 10 Kilometern, weil mir der Hintern wehtut. Für mich haben sich die Beratung durch Tibor Simai und der Einsatz des neuen Sattels definitiv gelohnt und sogesehen auch der hohe Kaufpreis. Wem 230 Euro dennoch zuviel sind für einen Sattel, der kann auch das Modell ohne Carbonstreben nehmen und zahlt dann nur knapp 150 Euro!

 

 

Fakten: SQlab „612 Ergowave active Carbon“ 

 

  • Infos: 612 Ergowave active Carbon
  • Preis 229,94 €
  • Breiten: 12, 13, 14, 15 cm
  • Einsatzbereich: Road & MTB Race
  • Länge: 275 mm
  • Gewicht: 183, 184, 185, 189 Gramm (je nach Größe)
  • Material Streben: Carbon
  • Material Polster: Superlight Foam
  • active Technologie: soft, medium, hard Elastomere
  • max. Fahrergewicht: 90 kg