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Fairbike aus dem 3D-Drucker: Urwahn Platzhirsch im Test

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Ein E-Commuting Bike, dessen Rahmen im 3D-Druck entsteht und das zudem fair sowie regional hergestellt wird: Das klingt nicht nur außergewöhnlich, das ist es auch. Schon optisch sticht der Platzhirsch von Urwahn Bikes aus Magdeburg aus der Masse hervor. In unserem Test zeigen wir, wie sich das moderne Pendlerrad in der Praxis schlägt.

Inhalt

Nachhaltig und Leidenschaftlich: Die Urwahn Philosophie

Uwahn Bikes: Fahrradmanufaktur 2.0?

Die Fahrradbrachne ist leider nicht bekannt dafür, besonders fair, transparent und nachhaltig zu sein. Die meisten Fahrradrahmen kommen irgendwo aus Asien und für den Kunden ist es in keiner Weise nachvollziehbar, wie die Bedingungen dort sind. Dazu kommen Teile aus aller Herren Länder und bevor du auch nur einen Meter darauf gefahren bist, ist dein neues Fahrrad vielleicht schon einmal um die Welt geflogen. So nachhaltig das Radfahren selbst ist – für die Herstellung der meisten Fahrräder gilt das leider nicht. 

Anders sieht das aus, wenn du dein Rad bei einer Manufaktur bestellst, in der es fair und transparent zugeht und wo man Wert auf eine regionale Wertschöpfungskette legt. Auch bei den Parts, mit denen dein Rad aufgebaut wird, ist es durchaus möglich, auf nachhaltig hergestellte Alternativen zurückzugreifen. Bei so einer Manufaktur denkst du bestimmt – wie wir auch – zunächst an einen ganz klassischen Rahmenbauer, oder? In diesem Test geht es um die hochmoderne Variante einer Fahrradmanufaktur. Es geht um Urwahn Bikes aus Magdeburg. Hier werden Fahrräder mit modernsten Technologien hergestellt und das erklärte Ziel ist – neben der fairen, transparenten und regionalen Produktion (hier findest du mehr dazu) – ein positiver Einfluss auf die Mobilitätswende. Ob das gelingt, wollten wir herausfinden und folgten gern der Einladung, ein Urwahn Platzhirsch im Test auf die Probe zu stellen.

Ein ganz besonderes E-Bike: Urwahns Platzhirsch entsteht unter anderem mithilfe von 3D-Druck und wird fair in Deutschland hergestellt.

Rahmen aus dem 3D-Drucker?!

Das klingt richtig futuristisch, oder? Ist es sicherlich auch, verglichen mit dem herkömmlichen Entstehungsprozess eines Fahrradrahmens. Allerdings darfst du dir nicht vorstellen, dass der gesamte Rahmen am Stück „ausgedruckt“ wird. Nach dem modernen Verfahren entstehen vor allem die „Verbindungsstücke“ zwischen den Rohren, die dann mit den Rohren selbst zu einem Rahmen zusammengefügt werden. Diese Kombination birgt ein erstaunliches Potenzial. Auf diese Weise sind nämlich extrem individuelle und moderne Formen möglich, die man so eigentlich nur von modernen Carbonrahmen kennt. Aber: Die Rahmen von Urwahn werden tatsächlich aus Stahl hergestellt.

Solche modernen Formen und Stahl? 3D-Drucktechnik ermöglicht Urwahn eine Formsprache, die ihresgleichen sucht.

Optisch ist der Rahmen, der mithilfe von 3D Drucktechnik entsteht, ein echtes Schmuckstück.

Stahl: Oldschool-Material mit Newschool-Eigenschaften

Stahl kommt heute beinahe nur noch an Billigbikes und an echten Liebhaberstücken zum Einsatz. Moderne Bikes werden dagegen in erster Linie aus Carbon beziehungsweise Aluminium gefertigt – mit allen bekannten Problemen, insbesondere in sozialer und ökologischer Hinsicht. Bei Urwahn wollte man das so nicht hinnehmen. Man wollte einen Rahmen bauen, der komfortabel ist und modern aussieht, bei dem aber Stahl zum Einsatz kommt. Denn Stahl ist – wenn man es richtig angeht – einfach unschlagbar, wenn es um Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit geht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Rahmen wirkt wie aus einem Guss, die organische Formsprache könnte ein Carbonrahmen nicht besser umsetzen. Abgesehen von der Optik integriert der Rahmen aber auch sinnvolle Features: Der Hinterbau, bei dem die Sitzstreben nahtlos ins Sitzrohr übergehen, soll zum Beispiel für besonders guten Komfort sorgen. 

Das etwas andere E-Bike: Das „Platzhirsch“ von Urwahn

Platzhirsch: Ein E-Bike, das nicht aussieht wie ein E-Bike

Man muss schon wirklich genau hinsehen, um den Platzhirsch als Fahrrad mit elektrischer Unterstützung zu entlarven. Optisch und technisch ist dieses Fahrrad einfach ein Leckerbissen! Obwohl der Rahmen so schlank, fast schon filigran daherkommt, beherbergt sein Unterrohr das Akkupaket für den elektrischen Antrieb: Es bietet 250 Wh Kapazität, was für bis zu 80 Kilometer Reichweite sorgen soll. Im Falle eines Defektes lässt sich das Akkupack durch die Tretlageröffnung warten, im normalen Alltag ist er aber fest verbaut und wird direkt im Bike geladen. Dazu befindet sich am Unterrohr ein dezenter Steckeranschluss – eines der wenigen Indize, die das Rad als E-Bike enttarnen.

Der Antrieb selbst erfolgt per Hinterradnabenmotor von Mahle. Er bietet 250 Watt Leistung bei einem Drehmoment von 40 Nm und bis zu 25 km/h. Das ist natürlich weniger, als zum Beispiel bei aktuellen E-Bike-Antrieben von Bosch, sollte aber dennoch völlig ausreichend sein, um ein ordentliches Maß an Unterstützung zu liefern, sodass man als Fahrer*In ohne zu schwitzen am Ziel ankommt. Aber dazu später mehr… Die Nabe selbst ist so schlank, dass man schon zweimal hinschauen muss, um sie als Motor zu identifizieren. Genauso unauffällig ist der kleine Schalter am Lenker, der ziemlich minimalistisch daherkommt. Über zwei Hebel lässt sich die Unterstützungsintensität einstellen. Der gewählte Modus wird per Vibration und mittels verschiedenfarbiger LEDs angezeigt. Übrigens: Wenn dir die 80 km Reichweite nicht genug sind, kannst du einen Zusatzakku dazuschalten, der einfach am Flaschenhalter befestig wird und weitere 208 Wh liefert. Das alles ist nicht nur optisch schlank, sondern tatsächlich ziemlich leicht: Ohne weiteres Zubehör bringt der Platzhirsch rund 14,5 kg auf die Waage.

Unauffälliger geht es kaum: Die schlanke Nabe von Mahle liefert aber ganze 250 Watt Extrapower.

Minimalistischer geht es wohl nicht: Drei Taster und ein paar dezente LEDs – das war’s. Damit die Einstellung des Unterstützungsmodus dennoch intuitiv verläuft, wird jeder Tastendruck mit einer Vibration bestätigt.

Alles voll integriert

Ein Grund für das extrem schlichte Design des Platzhirsches ist die Tatsache, dass alles so unaufällig wie möglich ins Bikedesig integriert wurde – das gilt nicht nur für die Komponenten des E-Antriebs. Der mechanische Part des Antriebes ist ein gutes Beispiel: Er setzt auf einen Gates Riemen und verzichtet auf eine Gangschaltung. Das spart komplizierte Schalttechnik und erübrigt ein Kettenschutzblech – denn ein Riemen saut eben die Hose nicht ein. Auch die Beleuchtung wurde bestmöglich „versteckt“: Das Rücklicht befindet sich in der Sattelstütze, die Front-LED direkt im Lenker. Beide Teile kommen von LightSKIN und sind voll STVZO konform. 

Soweit, so schlicht. Ohne auch nur einen Meter darauf gefahren zu sein, steht schonmal fest: In diesem Fahrrad stecken eine Menge Innovationen und viel Liebe zum Detail. Optisch ist es ein echter Knaller und so sind wir absolut gespannt, ob es auch in Sachen Funktion mithalten kann!

Einfach praktisch, vor allem am Commutingbike: Ein Riemenantrieb ist pflegeleicht und sauber. Praktischer Effekt: Die Hose bleibt (Öl-)Streifenfrei.

Sauberer kann man eine Fahrradbeleuchtung wohl kaum integrieren: LED Lenker von LightSKIN.

Ebenfalls perfekt versteckt und dennoch bestens zu sehen: Das LightSKIN Rücklicht in der Sattelstütze.

Der individuelle Platzhirsch

Wenn du ein Platzhirsch bestellst, hast du verschiedene Optionen, um es auf deine Bedürfnisse abzustimmen. Wir haben die Variante mit Singlespeed Antrieb und Gravel-Bereifung getestet. Dieses Paket schlägt im Urwahn Shop mit 4.499 Euro zu Buche, dazu kämen noch der Gepäckträger und die Schutzbleche. Mit Kettenschaltung sind 4.999 Euro fällig, außerdem kannst du noch einen GPS Tracker (179 Euro) sowie ein Hexlox-Diebstahlschutz-Set (85 Euro) dazubestellen).

Urwahn Platzhirsch E-Bike: der Test

Draufsetzen und wohlfühlen?

Obwohl der Platzhirsch so minimalistisch aussieht, trifft dieses Motto durchaus zu: Draufsetzen und wohlfühlen. Das E-Bike ist mit allem ausgestattet, was man für die täglichen Fahrten über Stadt und Land so brauchen kann. Neben dem voll integrierten Licht sind vor allem die Schutzbleche und der Gepäckträger eine absolut sinnvolle Ergänzung. Sie machen aus dem stylishen Freizeitrad ein vollumfängliches Commutingbike, das man sich bei jedem Wetter schnappen kann, um damit samt Taschen ins Büro zu radeln. Was die Technik betrifft, so ist dieses E-Bike von Urwahn wirklich extrem einfach und intuitiv: Ein Klick auf den schlanken Taster und es kann losgehen. Eigentlich braucht man nur noch die Sattelhöhe einzustellen – mehr ist nicht zu tun.

So macht dir Fahrt zur Arbeit wieder Spaß! Dank Gravel-Bereifung kannst du auch mal einen Schotterweg mitnehmen.

Urwahn Platzhirsch: Fahreigenschaften

So minimalistisch das Bike daherkommt, so puristisch sind seine Fahreigenschaften. Dafür sorgen vor allem der Singlespeed Antrieb und der extrem leise, unauffällige Nabenmotor. Diese Kombination ist dafür verantwortlich, dass sich die Fahrt mit dem Platzhirsch noch wie „richtiges“ Radfahren anfühlt. Zudem ist das E-Bike von Urwahn relativ leicht. Insbesondere in der Ebene würde es also durchaus sogar ohne Motor bestens funktionieren. Dazu kommt eine tendenziell eher sportlich-moderne Geometrie, mit der es Spaß macht, auch mal etwas Gas zu geben. Das gesamte Bike ist darauf ausgelegt, mit viel Stil und möglichst effizient, aber ohne nennenswert ins Schwitzen zu kommen, durch die Stadt zu düsen. Wenn das deine Art des Commuting ist, wirst du den Platzhirsch lieben!

Der Mahle E-Bike Nabenmotor

Wie schon eingangs erwähnt, gibt es durchaus kräftigere Motoren. Natürlich wirst du vom Mahle Nabenmotor unterstützt, du musst aber aber noch selber spürbar in die Pedale treten, vor allem dann, wenn du in etwas hügeligerem Terrain unterwegs bist. Das liegt an der festen Übersetzung und an dem relativ geringen Drehmoment des Motors. Bevor du die ideale Drehzahl erreicht hast, ist also Muskelkraft gefragt. Bis du einmal in Fahrt, hilft der Motor aber spürbar mit. Diese Eigenschaft ist natürlich eine Eigenheit des Singlespeedantriebs, die vor allem in hügeligem Gelände zum Tragen kommt. Wenn du lieber auch bei kleinen Geschwindigkeiten optimale Unterstützung haben möchtest und es bei dir viele Hügel gibt, ist die Version des Platzhirsch mit Kettenschaltung für dich die bessere Wahl. In einer flachen Stadt hingegen ist der Singlespeed-Antrieb mit Gates Riemen unschlagbar praktisch und einfach.

Geht es steil bergauf, muss man schonmal ordentlich mittreten. Hier fehlt dem schlanken Mahle Motor in Kombination mit dem Singlespeed-Antrieb einfach ein bisschen Durchzugskraft.

Design vs. Funktion

Eines kann man dem Platzhirsch auf keinen Fall streitig machen: Es ist ein absoluter Hingucker! Das minimalistische Design gefällt uns richtig gut und du profitierst nicht zuletzt auch durch das sehr geringe Gesamtgewicht davon. Besonders Details wie das voll integrierte Licht sind im Alltag zudem unglaublich praktisch: Du kannst nichts vergessen, es kann nichts geklaut werden und du hast es trotzdem immer dabei. Hier und da erfordert dieser Minimalismus aber auch geringfügige Kompromissbereitschaft. So bieten zum Beispiel die extrem schlanken Schutzbleche „ganz okayen“ Schutz bei Regen. Wenn es richtig plästert, geraten die schicken Design-Schutzbleche aber eher an ihre Grenzen, als klobige Rundum-Schutzbleche, bei denen allein die Funktion im Vordergrund steht. 

Bei vielen E-Bikes hebt man sich einen Bruch, wenn man sie zum Beispiel eine Treppe hinauf befördern will. Mit dem leichten Platzhirsch von Urwahn ist das überhaupt kein Problem.

Je nach Nutzung könnte es ebenfalls ein kleiner Nachteil, dass der Platzhirsch nicht besonders variabel ist, was die Anpassung auf unterschiedliche Fahrer*Innen betrifft: Durch das kurze Sitzrohr und die integrierten LEDs in der Sattelstütze ist die Sattelhöhe nur in einem begrenzen Bereich einstellbar. Viele Bikes können sich große und kleine Familienmitglieder teilen – der Platzhirsch sollte hingegen schon von vornherein sehr gut zu seinem Besitzer oder seiner Besitzerin passen. Außerdem benötigst du ein Tool, um die Sattelhöhe einzustellen – die integrierte Sattelstützenklemmung ist schön, aber eben etwas fummeliger. Und noch eine letzte kleine Bemerkung in Sachen Handhabung: Der Anschluss zum Aufladen des Akkupacks ist super dezent am Unterrohr angebracht und ebenfalls minimalistisch klein – optisch ganz klar erste Sahne. Dafür mussten wir aber in Kauf nehmen, dass es relativ fummelig ist, den kleinen Ladestecker anzubringen (insbesondere bei schlechten Lichbedingungen, wenn man den wichtigen Richtungspfeil nur sehr schlecht erkennen kann).

Urwahn Platzhirsch: Unser Fazit

Dieses Bike sieht so gut aus und integriert so viele tolle Details, dass die kleineren Eingeständnisse in der Handhabung für uns überhaupt kein Ding sind – vorausgesetzt natürlich, du magst die Grundidee hinter dem Bike. Und die spricht vor allem sportliche, moderne und stilbewusste Fahrerinnen und Fahrer an, die ein durchdachtes, leichtes und super schönes E-Bike für die täglichen Fahrten durch die Stadt oder über Land suchen. Der Singlespeed Antrieb ist vor allem in flachem Gelände eine total sinnvolle Alternative und gepaart mit dem Gates-Riemenantrieb eine absolut saubere Sache. Wenn du noch das Gefühl von „echtem“ Radfahren spüren willst und hier und da gerne auch mal selber in die Pedale trittst, ist der Singlespeed-Antrieb in Kombination mit dem leichten Mahle-Nabenmotor absolut ausreichend. Last but not least ist für uns vor allem auch die Art und Weise, wie der Platzhirsch entsteht, ein ganz großes Kaufargument: Sein Rahmen entsteht zu 100 Prozent in Deutschland, Nachhaltigkeit und Fairness sind ein wichtiger Aspekt der Urwahn-Unternehmensphilosophie.  

  • tolles, minimalistisches Design
  • robuster Stahlrahmen in modernem Gewand
  • integrierte Funktionen (z.B. Beleuchtung, Akku, Sattelstützenklemmung)
  • geringes Gesamtgewicht
  • leiser Motor
  • wartungsarmer und sauberer Riemenantrieb
  • extrem einfache Handhabung
  • Deutsche Manufaktur mit tollem Nachhaltigkeitskonzept
  • Motordrehmoment gerät bei Steigungen an seine Grenzen
  • Hier und da kleine Funktions-Kompromisse zugunsten von Minimalismus und Design
  • Fummeliger Ladestecker
  • relativ unvariabel bei Nutzung durch mehrere Fahrer*Innen

Urwahn Platzhirsch E-Bike: Die Gallery

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Martin Donat

Martin Donat

Erfahren im Abenteurern. Seit 20 Jahren in der bunten Fahrradwelt unterwegs. Aus der Leidenschaft wurde ein Job: Seit zwei Jahrzehnten ist Martin als Redakteur, Fotograf und „Mädchen für alles“ tätig. Rennräder, Gravel- oder Mountainbikes sind seine Welt und das Thema Nachhaltigkeit ist für ihn mehr, als ein Modewort.

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