Besseres Ansprechverhalten, ein potenteres Setup und bessere Einstellbarkeit der Dämpfung – das sind die wichtigsten Neuheiten von Rock Shox Enduro-Gabel Lyrik RC2 DebonAir. Wir konnten einen genauen Blick auf die 2018er Version werfen und sie sogar schon fahren. Hier sind alle Details.

 

Kaum, dass die Bäume wieder grüne Blätter tragen, das Gras zu wuchern beginnt und die Vögel unsere Wälder wieder mit ihrem Gesang erfüllen – sozusagen zur Prime-Time des Mountainbiking – kommt Rock Shox mit einigen neuen Produkten daher. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: Natürlich hatten wir auch die Pressemitteilung zur neuen Lyrik bekommen. Wir haben aber viel lieber darauf gewartet, dass Rock Shox Frontman Max uns persönlich besuchen kam. Im Gepäck: Ein schickes Transition „Patrol“ Endurobike, ausgestattet mit der neuen „Lyrik RC2 DebonAir“. Da hat Martin doch gerne mal den Rechner ausgemacht und das Wochenende mit einer Freitag-Mittag-Tour etwas eher als sonst eingeleitet. Und das nicht nur zum Spaß, sondern auch um euch seine ersten Eindrücke zu schildern.

 

 

Facts

Vorab ein paar Fakten zur neuen Gabel. Die „Lyrik“ ist und bleibt natürlich die Enduro-Gabel fürs Grobe. Und genau dafür bekam sie ein paar neue technische Features verpasst. Wichtigstes Ziel war es, die Gabel sensibler zu machen. Dafür bekam sie eine ganz neue Luftfeder spendiert. In der neuen „DebonAir“-Luftfeder soll jedes Bauteil in Bezug auf Reibung optimiert worden sein. Dafür bekam sie neue Dichtungen, eine Buchse am Dichtungskopf, der besser gegen Querbelastungen gerüstet ist sowie ein rund 42 % größeres Luftvolumen der Negativfeder. Das Ergebnis soll sensationelles Ansprechverhalten sein und ein Feeling, wie bei einer Gabel mit Stahlfedern.

 

Weniger ist manchmal mehr: so sieht die neue Luftfeder aus. Weniger Bauteile = weniger Reibung. Dazu wird nun bei dem Trennkolben eine Buchse verwendet, die wesentlich besser typische „Frontbelastungen“ wegstecken kann und auch dann noch reibungsarm läuft.

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Nur mal zum besseren Verständnis. Dieses Bild verdeutlicht die Position der Luftfeder in der Gabel.

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Die Luftfeder kannst du easy an deiner 35-Millimeter-Gabel von Rock Shox nachrüsten. Sie kostet nur 47 Euro und du kannst das wirklich selber machen. Damit nichts schief gehen kann, steht unten drunter nochmal ganz genau drauf: Vorher die Luft ablassen!

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Auf der Dämpferseite hat sich nicht ganz so viel getan. Wichtigste Neuheit hier ist, dass man nun High- und Lowspeeddruckstufe extern und unabhängig voneinander einstellen kann.

 

Ab Baujahr 2018 kannst du nun die Druckstufe in High- und Lowspeed extern und getrennt voneinander einstellen.

 

Abgesehen davon bekam die Gabel neue Decals verpasst und wird nicht nur in dezentem Schwarz, sondern auch im knalligen „Boxxer-Rot“ zu haben sein. Sie ist passend für 27,5“ oder 29“ Laufräder und mit 150, 160, 170 und 180 mm Federweg zu haben. Interessant ist noch der kürzere Gabel-Offset, der auf die neueste Generation Endurobikes mit ihren flacheren Lenkwinkeln optimiert wurde. Der offizielle Verkaufspreis soll 1109 Euro betragen.

 

Übrigens bietet Rock Shox nun auch passende Fender für seine Gabeln an. Kostenpunkt: 13 Euro.

 

Die neue Lyrik kommt entweder in einem matten Schwarz oder in diesem knalligen „Boxxer“-Rot. Gabeln von Erstausrüstern (Also jene, die direkt vom Hersteller verbaut werden), erkennst du daran, dass sie glänzend Schwarz sind.

 

Interessant für alle, die bereits eine Lyrik besitzen, ist die Tatsache, dass Rock Shox sowohl den „Charger 2“ Dämpfer als auch die „DebonAir“ Luftfedereinheit als Upgrade-Kit anbieten. Die Dämpfereinheit ist ab 259 Euro zu haben. Deutlich günstiger ist die Feder: Sie kostet nur 47 Euro und kann von jedem ziemlich leicht selbst ausgetauscht werden. Einzige Voraussetzung: Deine Gabel muss schon mit 35 mm Casting ausgestattet sein. Also, wenn dir deine alte Gabel optisch noch taugt, mit diesen Kits kannst du sie technisch auf den neuesten Stand bringen.

 

Jetzt aber schnell aufs Bike. Das Transition „Patrol“ wartet schon.

 

Setup

Klar, bevor es los geht, wird eingestellt. Das ist aber, wie bei den meisten Luftfedergabeln, schnell erledigt. Der passende Luftdruck ist schnell gefunden (wegen des größeren Luftvolumens darf es etwas mehr sein, als gewohnt) und auch die restlichen Einstellungen sind fix erledigt. Zumindest das grobe Grundsetup steht. Interessant: Ich fahre nun vorerst einmal mit einem Token weniger, als bei meiner alten „Lyrik“. Das liegt laut Max daran, dass ich deutlich stabiler im sogenannten „Mid-Stroke“ Federweg stehe. Was nichts anderes heißt, als dass die Gabel ein wenig anders abgestimmt wurde, so dass der mittlere Federwegsbereich der Gabel etwas straffer/stabiler ist, du höher im Federweg stehst und die Gabel trotzdem weniger wegsackt. Nun aber genug der grauen Theorie. Ab geht’s auf meine wunderschönen Hometrails.

 

„Ich mag meine Gabel grundsätzlich eher hart. Die neue Grundeinstellung der Lyrik kommt mir da entgegen: Man steht höher im Federweg – ein Effekt, den ich bisher mit 2-3 Tokens erreicht habe. Nun reicht einer und es passt dennoch.“ // Martin Donat

 

 

Fahreindrücke

Tatsächlich läuft die Gabel butterweich. Was ich klasse finde ist, dass sie trotzdem nicht wippt und wegsackt. Bergauf macht sich das angenehm bemerkbar: Ich habe guten Grip aber keineswegs das Gefühl, von meinem 170 mm Fahrwerk verschaukelt zu werden. Trotz relativ massivem Enduro-Setup lässt sich das Testbike ziemlich lässig und effizient in Richtung Abfahrts-Start pedalieren.

 

„Manchmal fühle ich mich beinahe schlecht, wenn ich beim Fahren ganz vergesse, auf die tollen, neuen Eigenschaften eines Produktes zu achten. Aber mal ehrlich: Wenn das passiert, ist es doch eigentlich ein Kompliment. Denn das heißt doch nichts anderes, als dass das Produkt unauffällig und gut seinen Dienst tut.“ // Martin Donat

 

Spannend wird es bergab. Wobei, so richtig spannend finde ich das gar nicht. Ehrlich gesagt denke ich wenig bis gar nicht an meine Gabel, als ich hier so meine Hometrails abklappere. Und genau das ist ja das Tolle: Die „Lyrik“ macht einfach ihren Job. Unauffällig und gut. Sie spricht wirklich gut an, das ist ein spürbarer Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger.

 

Allerfeinstes Frühlingswetter sorgte für (fast) trockene Trails und beste Test-Bedingungen. Martin zeigt bei der Gelegenheit Rock Shox Mitarbeiter Max mal ein paar neue Trails.

 

Auch wenn es schnell und steil wird, fühle ich mich sicher. Dass die Gabel „Mid-Stroke“-Bereich so „stabil“ steht, ist sehr angenehm. Sie „sackt“ auch bei dicken Schläger oder harten Bremsmanövern nicht ab und erspart mir ein unangenehmes Überschlagsgefühl. Genau genommen könnte ich das Setup sogar noch etwas weicher einstellen, denn ich nutze den Federweg nicht vollständig aus, wie es der kleine Gummiring am Tauchrohr verrät. Aber ehrlich gesagt mag ich das so. Ich fahre meine Gabel immer etwas straffer. So hab ich mehr Reserven, wenn es wirklich mal kracht. Das Coole ist: Nun brauche ich für diesen Effekt keine Extra-Tokens mehr (das sind diese kleinen Distanzstücke für die Luftfeder, die man easy einbauen kann). Für mich wird es so ein bisschen einfacher, auch wenn man bei Bedarf nach wie vor diese Tokens verbauen kann, um die persönlichen Vorlieben perfekt zu treffen.

 

 

Fazit

„In Sachen Ansprechverhalten hat sich definitiv was getan: Die neue „Lyrik“ kann hier wirklich überzeugen und ist effizient, wie nie zuvor. Auch das neue Setup taugt. Wer gern richtig Enduro fährt und es auch mal krachen lässt, ist mit dem strafferen Setup im „Mid Stroke“-Bereich bestens bedient. Gut gefällt mir die nach wie vor besonders leichte Handhabung der Gabel und die Möglichkeit, Luftfeder und Dämpfung bei älteren Modellen nachzurüsten. Insbesondere die mit 47 Euro recht günstige Luftfeder ist da eine wirklich spannende Upgrade-Option für Besitzer älterer 35-Millimeter-Modelle von Rock Shox.“ // Martin Donat