Der vorletzte Lauf des iXS German Downhill Cups führte die deutsche Downhill-Gemeinschaft ins tschechische Klinovec und forderte die Teilnehmer mit dem wohl technisch anspruchsvollsten Kurs der Saison. Am Ende hießen die Sieger Rick Balbierer und Nina Hoffmann. Zweitplatzierter Erik Irmisch stand uns für ein kurzes Interview Rede und Antwort.

GDC Klinovec

Das Podium der Männer: Rick Balbierer vor Erik Irmisch und Silas Grandy

Zum erstem Mal gastierte der iXS German Downhill Cup im tschechischen Klinovec direkt am Grenzübergang Oberwiesental. Der Trailpark Klinovec ist vielen bekannt unter dem Namen Bozi Dar und konnte sich in den vergangenen Jahren als absoluter Hotspot im Bereich Mountainbiken entwickeln. Somit war es nur noch eine Frage der Zeit, dass auf der langen und technischen Downhill Strecke ein internationales Rennen ausgetragen wurde. Einer freute sich ganz bestimmt besonders auf dieses Rennen: YT Teamfahrer Erik Irmisch, der gar nicht so weit entfernt wohnt und schon den ein oder anderen Trainingsrun in Bozi getätigt hat. Grund genug also, dem Zweitplatzierten des Rennens ein paar Fragen zu stellen. Hier ist unser Kurz-Interview mit „Irm“, bevor es dann an den eigentlichen Rennbericht geht.

 

Erik „Irm“ Irmisch Mini-Interview
Erik Irmisch

Erik Irmisch kennt die Strecke, wie seine Westentasche!

lifeCYCLE: Herzlichen Glückwunsch Irm. Endlich mal wieder auf dem Podium, was ist das für ein Gefühl?   
Vielen Dank erstmal! Und: es ist ein mega geiles Gefühl, hab mich wirklich sehr gefreut!

lifeCYCLE: Bozi ist eine deiner Lieblingsstrecken, hattest du mit so einem Ergebnis gerechnet?
Ja, eigentlich hatte ich ein gutes Gefühl, weil ich auf längeren, anstrengenden Strecken immer besser bin und es natürlich auch eine meiner Lieblingsstrecken ist. Ich hab also versucht relaxt und cool zu bleiben, dann wird das schon. Am Ende hat es ja auch geklappt.

Erik Irmisch ist nicht nur Downhill Racer, sondern auch Bike-Lehrer. Checkt die Seite seiner Bikeschule „West East“, die er zusammen mit Heiko Hirzbruch betreibt

lifeCYCLE: Du bist zweiter geworden hinter Rick, deinem ehemaligen Teamkollegen. Freust du dich für ihn oder ärgert es dich etwas, nachdem du in der Quali erster warst?
Ich freu mich mega für Rick und er hat es auch verdient. Es war mega geil mit meinen „Bruder“ da oben zu stehen!

lifeCYCLE: Die Saison neigt sich dem Ende und du hattest mehrere Male Pech in Rennläufen. Gibt so ein Ergebnis neuen Aufschwung für die restlichen Events?
Ja, ich denke das war mega wichtig für meinen Kopf, um mehr Selbstvertrauen und neue Motivation für die nächsten Rennen zu bekommen. Ich bleib am Ball und kämpfe für mehr Konstanz.

lifeCYCLE: Was steht bei dir in dieser Saison noch auf dem Zettel?⁠⁠⁠⁠
Für mich steht jetzt noch der EDC in Leogang und der GDC in Thale auf dem Plan und natürlich noch zwei West East Bike School Camps, auf die ich mich sehr freue.
Nochmal vielen Dank und bis demnächst ! Box IRM70

Die Strecke vom Keilberg besitzt 3.300 Meter Länge und 450 Höhenmeter. Der Untergrund ist eine Mischung aus festem Lehmboden und Steinen in allen Größen, mal fest und mal lose. Kurz mal Ausruhen gibt es auf dem Kurs nicht. Anliegerkurven, offene Kehren, Sprünge und absolute Highspeed-Abschnitte reihen sich aneinander, wobei man auf keinen Fall das berüchtigte Steinfeld unerwähnt lassen sollte.

Rick Balbierer

Ausruhen gibt´s nicht: der Kurs dürfte wohl der anspruchvollste des deutschen iXS Cups gewesen sein. Rick Balbierer bereitete dies keine Kopfschmerzen…

Und als wenn das noch nicht gereicht hätte, wurden die Anforderungen an Mensch und Maschine noch zusätzlich durch eher suboptimales Wetter erhöht. Schon bei der Anreise am Donnerstagabend oder Freitagmorgen präsentierte sich der Schauplatz nasskalt mit Nebel. Glücklicherweise, und ein Lichtblick für alle Beteiligten, besserten sich die Prognosen von Tag zu Tag, denn am Mittwoch vor dem Rennen waren noch 100 km/h Wind und Dauerregen bei einstelligen Temperaturen vorausgesagt. Am Ende war es nur halb so schlimm, auch wenn es keine sommerlichen Bedingungen waren.

Klinovec Camping

Wer liebt es nicht: feucht-fröhliches Camping mitten im Hochsommer…

Der Samstag fing an, wie der Freitag aufgehört hatte, nämlich mit dem Training bei nassen Verhältnissen. Im Laufe des Vormittags besserten sich dann auch die Bedingungen, es wurde heller und glücklicherweise auch trockener. So langsam hatten sich alle mit dem Kurs arrangiert und somit war es dann langsam mal Zeit für ein erstes Leistungsbarometer. Beim vorletzten Rennen der Saison ist der Seeding Run dann auch gefühlt etwas mehr wert, als man ihm zu Beginn beimisst, denn es wird immer deutlicher, dass auch dieser wichtige Punkte für die Gesamtwertung liefert und schon bald wird abgerechnet. Klar war auf jeden Fall, wer sich hier die letzten Startplätze fürs Finale sichern konnte, der ist in einer Topform. Am Ende waren es Erik Irmisch (GER – Team Racing Dudes) und Nina Hoffmann (GER – ERST Racing Team), die die Tagesbestzeiten runterbrachten und somit die Elite Klassen anführten.

Wer sein Rad liebt, der putzt es!

Wer sein Rad liebt, der putzt es!

Am Sonntagmorgen wurden die Teilnehmer wieder mit dem gleichen Bild wie in den vergangenen Tagen empfangen. Nebel und geringe Temperaturen waren die ersten Trainingsstunden angesagt, aber die Bedingungen besserten sich, so dass das Finale dann bei den besten Verhältnissen des Wochenendes stattfinden konnte.

Nachdem in den Open Klassen Justine Welzel (GER) und Daniel Renz (GER – Triebwerk Downhill Team) die Bestzeiten einfahren konnten, waren die Master als erste lizenzierte Klasse an der Reihe. Dort konnte sich nach seinem Abstecher ins Endurolager am letzten Wochenende am Reschenpass Benjamin Herold (GER – Giant Germany Off-Road Team) als Sieger verewigen. Damit verwies er Dominik Dierich (GER – Trek AmperRad), den Deutschen Meister dieser Klasse, auf Rang zwei und Maik Höhne (GER – Team262) auf Platz drei.

Silas Grandy

GZ Racing Fahrer Silas Grandy gibt in diesem Jahr richtig Gas! Platz drei solltes es im Finale werden. Glückwunsch!

Anschließend gingen die Jüngsten auf den Kurs und einmal mehr war es Hannes Lehmann (GER – MRC Saracen Racing Team) der sich den Sieg sicherte und damit seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausbaute. Auf dem zweiten Platz reihte sich Maxim Eichler (GER – Tretmühle) ein, der damit sein bisher bestes Ergebnis einfahren konnte. Dritter wurde Tomáš Cvinger (CZE – Ore MTB Racing), der damit die Ehre des Gastgeberlandes verteidigte.

In der Klasse Elite Women ließ Nina Hoffmann wieder einmal keine Zweifel zu und dominierte erneut das Rennen. Die Gewinnerin des letzten Stopps in Tabarz brauchte für die Strecke 4:46.714 Minuten und konnte damit einen Vorsprung von 15 Sekunden auf Kim Schwemmer (GER – Herobikes) rausfahren. Als dritte komplettierte Abigail Hogie (USA – Propain Gravity Juniors) das Podest und musste damit leider die Führung in der Gesamtwertung abgeben. Thale wird spannend, denn alle drei können sich noch realistische Chancen auf den Seriensieg machen.

Nina Hoffmann

Nina Hoffmann hatte am Ende allen Grund zur Freude!

Die Klasse Pro U19 konnte zum ersten Mal Marcel Merkeli (GER – Propain Gravity Union) gewinnen. Wahrscheinlich war für ihn die perfekte Vorbereitung das Rennen des Swiss Cups am vergangenen Wochenende in Verbier. Die Strecke dort war ähnlich anspruchsvoll und so scheint sich die Strapaze der langen Reise für den 17-Jährigen gelohnt zu haben. Bemerkenswert an der von ihm vorgelegten Zeit von 4:22.535 Minuten ist, dass er in der Elite Men Klasse immerhin einen neunten Platz eingefahren hätte. Auf dem zweiten Platz beendete Mika Hopp (GER – GZ Rocky Mountain Racing) das Rennen und über den dritten Rang konnte sich der Gewinner von Tabarz Tristan Botteram (NED – Ripstar Snow En Surf Travel) freuen.

Rick Balbierer

So kennt man ihn: Giant Teamfahrer Rick Balbierer ist kein Kind von Traurigkeit und freut sich riesig über den Champagner, der sich keine Sorgen machen muss, verschmäht zu werden.

Trotzdem hat Irmisch sein bestes Ergebnis seiner schon sehr langen Downhillkarriere eingefahren. Und auch Silas Grandy (GER – GZ Rocky Mountain Racing) konnte seine Zeit des Vortages nicht noch einmal runterbringen, allerdings reichte es am Ende noch für den dritten Podiumsplatz. Rick Balbierer konnte sich mit diesem Ergebnis zwar auf den ersten Platz in der Gesamtwertung schieben, allerdings landet nach Abzug des Streichergebnisses wieder Benny Strasser (GER – GZ Rocky Mountain Racing) vor ihm und Silas Grandy unweit hinter ihm. Somit wird es beim letzten Rennen in Thale noch einmal richtig spannend und man kann auf keinen Fall von einem klaren Favoriten für den 2017er Titel sprechen.

Weiter geht es nun mit dem Specialized Rookies Cup Rennen in Oberammergau, bevor dann nur noch die vier Finalrennen der einzelnen Serien anstehen. Die Saison ist also schon wieder fast vorbei, so dass man beinahe etwas wehmütig werden könnte.

 

Ergebnisse (zum Download):

Ergebnisse Finale GDC Lauf 5 in Klinovec
Ergebnisse Seeding Run GDC Lauf 5 in Klinovec