Kein Mountainbike, kein Rennrad. Ein Gravelbike eben. Wir haben Votec’s „VRX“ über mehrere extreme Touren ausgiebig auf den Zahn gefühlt und es letztendlich zurück zum Hersteller nach Stuttgart gefahren – bring me back home!

Inhalt

  1. Optik und Details
  2. Ausstattung
  3. Technische Daten: Ausstattung und Geometrie
  4. Der Fahrt: bring me back home – zurück zum Hersteller nach Stuttgart
  5. Der Test

Optik und Details

 

Und so hat man diese neue Bike-Gattung interpretiert: Das Votec VRX soll dank „Rennrad-Fahrgefühl mit einer guten Portion Offroad-Potential zu einer unerhört schnellen und vielseitigen Maschine“ werden. Dafür bekam der Rahmen ein recht tiefes Tretlager verpasst, wie beim Renner. Der Lenkwinkel hingegen ist etwas flacher, der Radstand etwas länger. So bleibt das Fahrgefühl, wie auf dem Rennrad, nur irgendwie entspannter. Gut, wenn es technischer wird und gut, wenn man mal auf lange Tour gehen will.

 

Ausstattung

 

Auch in Sachen Ausstattung kombiniert man das Beste aus allen Fahrradwelten. Dazu gehören zuverlässige Scheibenbremsen ebenso, wie ein 1 x 11 Antrieb von SRAM, der sich an Enduro Mountainbikes zum Standard entwickelt hat. Dazu nimmt der Rahmen 35 mm breite Schwalbe „G-One“ Reifen auf, natürlich kann man aber auch dünne Rennradbereifung oder spitz profilierte Crossreifen aufziehen. Wer will, kann einfach auf Tubeless umrüsten – Reifen und Felgen sind darauf vorbereitet und jedes Bike kommt mit Tubeless-Ventilen und Dichtmilch. Besonders kleine Fahrer(Innen) freuen sich über dieses Detail: Rahmen in Größe XS kommen mit 27,5″ Laufrädern – so stimmen die Proportionen und das Handling bleibt, wie bei den größeren Bikes. Generell wurden alle Maße der einzelnen Rahmengrößen wohl durchdacht und bei Bedarf angepasst. Apropos Laufräder: die „Roam 40“ Räder kommen normalerweise am MTB zum Einsatz. Bei Votec hat man gewogen und gerechnet und sah am Ende keinen Grund, die 29 Zoll Variante nicht auch am Gravel-Racer zu verbauen. Dem Gesamtgewicht des Rades hat es nicht geschadet: Trotz moderatem Preis, Alurahmen und Mountainbike Parts zeigt unsere Waage inklusive Pedalen rund 9 Kilogramm an.

 

Zum Schluss bleiben noch ein paar technische Daten, die erwähnenswert sind.
Es gibt alle Rahmengrößen von XS bis XXL und drei Preisklassen. Jedes Modell ist jeweils in Schwarz/Rot und Schwarz/Türkis erhältlich.

 

  • Der Sattelstützendurchmesser beträgt 27,2 mm. Am Rahmen ist eine Verlegung der Leitung für eine Vario-Sattelstütze vorgesehen.
  • Rahmen und Gabel besitzen Gewinde zur Aufnahme von SKS Raceblade Pro XL Schutzblechen.
  • Rahmen und Gabel sind für die Aufnahme von bis zu 40 mm breiten Reifen ausgelegt.
  • SRAMs Quarq Prime AL Kurbeln sind für die einfache Nachrüstung eines Quarq Powermeters vorbereitet.
  • vorn (15 mm) und hinten (12 mm) kommen Steckachsen zum Einsatz
  • Die Zugverlegung erfolgt durchs Unterrohr, am Hinterbau sind Schaltzug und Bremsleitung jedoch extern auf den Kettenstreben verlegt.

 

Technische Informationen

 

Mehr Infos zum Votec VRX gibt´s unter votec.de

  • Preis: 1799 €
  • Gewicht: ca. 9,0 kg (gewogen mit Pedale)
  • Rahmen: VOTEC VRX AL6061-T6
  • Rahmengrößen: XS, S, M, L
  • Gabel: VOTEC VRX SL carbon ThruAxle
  • Lenker: Zipp ServiceCourse SL-70ergo
  • Griffe: VOTEC GEL team tape
  • Vorbau: Zipp ServiceCourse SL
  • Sattel: Ergon SRX30 VOTEC custom black
  • Sattelstütze: VOTEC werx carbon
  • Bremsen: Sram RIVAL HRD
  • Schaltung: Sram RIVAL1 1x11s
  • Kurbeln: Sram Quarq Prime AL 42z (44z bei XS)
  • Schaltwerk: Sram RIVAL1 1x11s
  • Kassette: Sram XG-1150 10-42t 11s
  • Kette: Sram PC1130 11s
  • Naben: Sram Roam50
  • Felgen: Sram Roam50
  • Reifen: Schwalbe G-One 35-622 EVO OneStar TLE
XS S M L
Reach 366 mm 368 mm 376 mm 384 mm
Stack 524 mm 557 mm 567 mm 589mm
Oberrohr effektiv 505 mm 515 mm 535 mm 555 mm
Kettenstrebe 400 mm 420 mm 420 mm 420 mm
Tretlager Überhöhung 63 mm 77 mm 75 mm 72 mm
Lenkwinkel 70,5 Grad 70,5 Grad 71 Grad 71,5 Grad
Sitzwinkel 75,5 Grad 75,5 Grad 74,5 Grad 74 Grad
Radstand 972 mm 1003 mm 1010 mm 1023 mm
Modell Preis
Votec VRX COMP 1499,00 Euro
Votec VRX PRO 1799,00 Euro
Votec VRX ELITE 2599,00 Euro

Bring me back home

 

Mit Votecs VRX haben wir uns besonders viel Mühle gegeben und es gleich zweimal zurück nachhause gebracht. Tour Nummer Eins war gleichzeitig die heftigste Tour, die ich bisher auf einem Fahrrad gemacht habe: Anlässlich der jährlich stattfindenden „#festive500“-Challenge von Strava entschied ich an einem Stück von Amsterdam zurück nachhause zu fahren. 500 Kilometer ohne Pause. Das Rad kam nur wenige Tage zuvor. Ein gewagtes Unternehmen auf dem sich das „VRX“ definitiv beweisen konnte. Hier kannst du dir die kurze Geschichte zu dieser Monstertour durchlesen.

 

 

 

Die eigentliche „bring me back home“-Tour fand dann zwei Wochen später statt. Vom Ruhrpott aus wollte ich das „VRX“ in zwei Etappen zurück nach Stuttgart bringen, wo Internetstores, der Mutterkonzern hinter Votec Bikes seinen Hauptsitz hat. Die Geschichte zu dieser Tour (und der ein oder anderen Schwierigkeit) sowie das Interview mit Votec-Brand-Manager Stephan Geiß findest du im aktuellen lifeCYCLE Magazin (Ausgabe #2). In Stuttgart traf ich noch die Macher der Fahrrad-Szene-Doku „Kesselrollen“, ein toller Film über die Verkehrsprobleme in Stuttgart und über jede Menge Lösungsansätze aus der bunten Stuttgarter Radfahrerszene – auch hierzu findest du eine ausführliche und spannende Story in Ausgabe #2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Test

 

 

Erster Eindruck und Setup

Die Entscheidung zur #festive500 an einem Stück fiel recht kurzfristig. Ebenso kurzfristig traf das Bike ein. Dass bedeutete eine relativ hastige Vorbereitung, in der ich mich aufs Wesentliche beschränkte. Was aber auch kein Problem war, denn wenn ich ehrlich bin gab es nicht viel, was ich hätte ändern wollen. So tauschte ich nur den Sattel gegen mein gewohntes Reise-Sitzpolster und rüstete die (tubeless ready) Laufräder auf Tubeless um, was auf den ersten Blick recht problemlos vonstatten ging, auch wenn sich das hintere Gummi etwas zierte, dicht zu halten. Ansonsten erfreute ich mich an einem einsatzbereiten Komplettbike „out of the Box“. Super sind die beiden Trinkflaschen-Halterungsaufnahmen am Unterrohr. Ich nehme die untere und kann auf diese Weise – wenn auch knapp – eine Oberrohr-Rahmentasche montieren. Besonders cool finde ich die Wahl der Laufräder: Votec entschied sich für Mountainbike Räder aus dem Hause SRAM. Robust und bestens kompatibel  mit SRAMs 1 x 11 Schaltung, insbesondere dem sogenannten „XD-Driver“. So kommt am Votec eine 10-42er Kassette zum Einsatz, manch anderer Hersteller „mogelt“ sich hier mit herkömmlichem Freilaufkörper durch, spart ein paar Euro, kann aber so auch nur eine 11-42er Kassette verbauen. Letztendlich muss jeder selber wissen, was wichtiger ist. Bei einem 1 x 11 Antrieb kann dieses eine Ritzel aber bei höherer Geschwindigkeit den entscheidenden Unterschied machen. Das Gewicht geht mit rund 9 kg völlig klar. Einzig die mit 40 mm nicht übertrieben üppige Reifenfreiheit ist ein klitzekleiner Wermutstropfen, wenn man vorhat, dicke Gravel-Gummis zu montieren. Und natürlich darf man kein Problem damit haben, dass das VRX mit Alurahmen daherkommt.

 

Das VRX Pro glänzt mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. Wenn ich ehrlich bin, glänzt sein „kleiner Bruder“, das VRX Comp noch viel mehr. Hier kommen zwar günstigere Komponenten zum Einsatz. Aber auch hier sind SRAM Laufräder mit XD Driver verbaut. Funktionell musst du hier kaum Abstriche machen, sparst aber nochmal 300 Euro – nicht schlecht.

Long Distance

500 Kilometer am Stück sollten es werden. Ich denke, das reicht, um einen guten Eindruck der Endurance-Eigenschaften dieses Bikes zu bekommen. Doch bevor es überhaupt losging, durfte ich feststellen, dass die Umrüstung auf Tubeless nicht so ganz ohne Komplikationen funktioniert hatte. Bevor ich überhaupt auf dem Rad saß, hatte sich sämtliche Luft des hinteren Reifens verflüchtigt und ich durfte mitten in Amsterdam erstmal einen Schlauch in den Milch-verklebten Reifen einbauen. Shit happens.

 

Dann ging es los. Ich fuhr und fuhr. Unter mir das Rad. Und was soll ich sagen. Ich hatte Spaß, alles funktionierte bis zum bitteren Ende und unterwegs gab es keine Änderungen, die ich mir gewünscht hätte. Klar war ich am Ende völlig fertig. Doch dafür konnte das VRX nichts. Es hat hervorragend und ausdauernd seinen Dienst getan. Die robuste und durchdachte Ausstattung hat sich scheinbar bezahlt gemacht.

 

 

Offroad

Auf diese Disziplin bin ich ja immer besonders gespannt. Denn im Gelände zeigt sich, ob ich mich auf einem Rad wohl fühle oder nicht. Beim Votec gibt es nicht viel zu bemängeln. Die Geometrie ist angenehm verspielt und gut kontrollierbar. Ich fühle mich schnell wohl und bin motiviert, es bergauf auch auf anspruchsvollen Trails laufen zu lassen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zuvor die Reifen gewechselt habe. Die original verbauten Schwalbe „G-One“ wären bei den matschigen Winterverhältnissen schnell an ihre Grenzen gekommen. Ein X-One hingegen sorgte für mächtig Grip auch auf rutschigen Singletrails. Insgeheim würde ich wirklich gerne mal ausprobieren, wie sich so ein Gravelbike im Gelände mit einer Variostütze fahren lässt. Leider habe ich keine 27,2 mm Vario-Stütze und die Auswahl mit diesem Maß ist auch eher bescheiden. Immerhin: Die Öffnungen im Rahmen für eine saubere Montage sind am VRX vorhanden.

 

 

Fazit

Votec ist mit seinem VRX ein wirklich tolles Gesamtpaket gelungen. Ich bin mit dem Rad in kurzer Zeit über 800 Kilometer gefahren und mein einziges technisches Problem war ein undichter Tubeless Reifen. Was sonst könnte ich bemängeln? Letzten Endes ist die entscheidende Frage, was du von deinem Bike erwartest. Votec hat hier ein super vielseitiges „Cross-Gravel-Road-Bike“ im Programm. Es taugt für die Straße und fürs Gelände und kombiniert eine gefällige Endurance-Geometrie mit bester Kontrolle und einem Hauch Aggressivität im Gelände. Wer hingegen ein Offroad-Gravel-Reiserad sucht, ist hier definitiv nicht richtig. Dafür fehlt es an Reifenfreiheit und Befestigungsmöglichkeiten an Rahmen und Gabel für allerlei Zubehör. Wer einen super leichten Carbonrahmen sucht, wird ebenfalls enttäuscht. Das VRX ist halt aus Aluminium. Alle anderen werden mit dem Bike viel Spaß haben. Insbesondere die extrem durchdachte und robuste Ausstattung finde ich bemerkenswert. Insgesamt würde ich sagen, dass sich das VRX vor allem auf Gravel und im Gelände besonders wohl fühlt. Auf der Straße fühlt sich das Rad ein klein wenig behäbig an, auch wenn man da allein mit anderen Reifen noch eine Menge heraus holen kann.

Wenn ich ganz ehrlich bin, ist mein heimlicher Preis-Leistungs-Sieger das VRX-Einstiegsmodell „VRX Comp“: Optisch steht es seinen beiden teureren Brüdern in nichts nach (die Rahmen sind identisch lackiert) und funktionell muss man keine wirklichen Abstriche machen.

 

 

lifeCYCLE Magazin ausgabe 2

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